two lazy days

First lazy day

Wir erwachen an einem See ein paar Kilometer nördlich von Sodankylä. Das Wetter ist bedeckt, doch auf der anderen Seite war dadurch die Nacht mild. Wolken haben ja auch ihr Gutes. Wieder andererseits macht dieser Grauschleier auch im Kopf benebelt. Nun ja, das Wetter ist eben das Wetter. Wir machen uns auf den Weg nach Sodankylä und besuchen dort die alte, lappländische Holzkirche. Sie ist eine der ältesten in Finnland, und wohl die am besten Erhaltenste. Wobei besuchen übertrieben ist. Wir laufen um sie herum, denn für Besucher geöffnet war sie nur bis August.

Holzkirche Sodankylä

Holzkirche Sodankylä

Dann schnappen wir die beiden Vierbeiner und machen uns an den hiesigen Naturpfad. Solche Naturpfade gibt es viele in Finnland. Sie sind praktisch, bieten sie doch immer eine gute Hundespaziergehmöglichkeit. So schlendern wir in herbstlicher Stimmung den Fluss entlang und überlegen, dass wir die nächsten beiden Tage langsam angehen wollen.

Fluss

Am Kitinen entlang

An einer Infotafel fällt uns ein Bild auf: Es zeigt ein samisches Lager mit Rentieren und Hund. Darunter wird über die Entstehung des Ortes Sodankylä aus einer kleinen Samensiedlung zur jetzigen Größe informiert. Der Stil des Bildes kommt uns bekannt vor: Bei unserem letzten Lapplandbesuch hatten wir eine Postkarte mit ähnlichem Motiv gekauft. Beide Bilder sind von dem samischen Künstler Alarissto.

Bild auf einer Infotafel über Sodankylä

Bild auf einer Infotafel über Sodankylä

Zurück am Auto sehen wir, wie die Kirchentür aufgeht und ein finnischer Reisebus sich entleert. Wir mogeln uns unter die Finnen, die deutlich älter sind als wir, aber so können wir doch noch einen Einblick in die Kirche erhaschen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause setzen wir dann unseren Weg nach Rovaniemi fort. Dort erledigen wir einige Besorgungen, dann machen wir uns im Naherholungsgebiet am Hausberg an einen Abendspaziergang. Wir erklimmen einen Aussichtsturm und können über die Lichter der Stadt in der Dämmerung schauen.

Blick über Rovaniemi

Blick über Rovaniemi

Second lazy day

Wir beginnen den Tag an der Arctic Circle Hiking Area etwas nördlich von Rovaniemi – aber nicht mit Wandern, sondern mit Planen. Eigentlich wollten wir in den nächsten Tagen den Bärenpfad erwandern, aber irgendwie werden unsere Planungen nicht rund. Da wir nichts übers Knie brechen wollen, ändern wir unsere Pläne: Wir haben auch andere ansprechende Trails gefunden. Doch zunächst wollen wir in der Hiking Area eine Runde drehen. Über eine große, federnde Hängebrücke gelangen wir auf die andere Flusseite.

Auf einer Hängebrücke in die Hiking Area

Auf einer Hängebrücke in die Hiking Area

Wir kombinieren verschiedene Routenvorschläge und laufen viel durch Mischwald. Immer wieder geht es auch auf Planken über nasse Stellen. Manche sind morschig und rutschig. Gegen Ende unseres Weges entlässt uns der Wald plötzlich in einen großen Sumpf. Hier geht es nur noch auf Planken vorwärts. Unter uns gluckst das Wasser. Eine Hütte steht etwas verloren mitten im gelbem Sumpfgras.

Hütte im Sumpf

Hütte im Sumpf

An der Hütte angekommen erfahren wir auf einer Infotafel: Das Sumpfgras wurde früher geerntet, getrocknet und als Tierfutter verwendet. Die Arbeit, im Sumpf Gras zu mähen, kommt mir unheimlich mühselig vor. Dann ist unsere Runde durch den Sumpf auch schon vorbei und wir kehren auf ähnlichen Wegen wie bisher zu unserem Auto zurück. Wir haben nicht mehr viel vor: Wir werden heute nur noch den nächsten Nationalpark für eine nette Tagesrunde morgen anfahren.

Sámi Culture

Nachdem wir am Vormittag die letzten Reste der Trekkingtour wieder verräumt haben, machen wir uns auf nach Inari um das Siida Sámi-Museum und Naturzentrum zu besuchen. Das Gebäude ist sehr modern und zeigt zur Dauerausstellung je auch wechselnde Ausstellungen. Wir laufen über eine schräge Treppe vorbei an verschiedensten Sámi-Puppen in unterschiedlichen Trachten. Dann führt ein Raum in die Grundzüge der samischen Kultur ein und ordnet die geschichtliche Entwicklung der Samen in Kontext der weiteren Geschichte und der Veränderungen der Natur ein.

Bild eines englischen Missionars über die Kultur der Samen

Bild eines englischen Missionars über die Kultur der Samen

In einem zweiten größeren, viereckigen Raum befindet sich quasi zwei Ausstellungen in einem. Wenn man den äußeren Gang entlang läuft, kann man das Leben der Flora und Fauna im hohen Norden im Laufe eines Jahres nachverfolgen. Wenn man dann in das mittlere Viereck tritt, wird die Lebensweise der Samen näher dargestellt. So zeigt sich gut die Wechselwirkung zwischen Natur und Urvolk.

Ausstellung im Siida Sámi-Museum

Ausstellung im Siida Sámi-Museum

Eine zeitweilige Ausstellung zeigt Design und Kunsthandwerk aus der Region. Still schauen einen die Objekte an. Still wie die Weite der Landschaft – laut einem an der Wand geschriebenem Zitat .

Design

Design

Nachdem wir im Außengelände Behausungen halbnomadisch und nomadisch lebender Samen, sowie einige Wildfallen besichtigt haben, durchstöbern wir den gut sortierten Museums-Shop und können zwischen dem beliebtesten Motiv, dem Rentier, den ein oder anderen Lapinporokoira hier entdecken.

Lapinporokoira Gadgets

Lapinporokoira Gadgets

Auch vor dem Museum werden wir als Lapinporokoira-Liebhaber fündig: In Metall gegossen steht er hier als stolze Statue. Natürlich muss Chili hier mit ihrem neuen Freund posieren.

Chili vor Lapinporokoira-Statue

Chili vor Lapinporokoira-Statue

vast wilderness

Tag 1: Parkplatz Sulaoja – Njávgoaivi (18 km)

Am späten Donnerstagvormittag erreichen wir mit dem Auto den Parkplatz des Kevo Strict Naturereserve: Der Kuivi-Trail liegt vor uns. Der Plan: Die 86,5 km mit drei Übernachtungen, also in vier Tagen zu laufen – mit dem Joker in der Hinterhand auch eine vierte Nacht und einen fünften Tag zu brauchen.Der Kuivi-Trail verläuft zunächst gleich mit dem Kevo-Trail über ein schmales Stück Land zwischen zwei Seen bis zur Ruktajärvi-Hütte. Während der Kevo-Trail dann jedoch „nur“ durch den Kevo-Canyon verläuft, nimmt der Kuivi-Trail mehr Fjelllandschaft mit und macht einen Abstecher zum Gipfel des Kuivi. Berglandschaft, ein Gipfel und dann eine Schlucht – das scheint uns ein abwechslungsreicher Trail zu werden.

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Übersichtskarte: Der Kuivi-Trail beschreibt die Schlaufe und führt dann zurück zum Ausgangspunkt

Guter Stimmung und voller Erwartung laufen wir gegen halb zwölf los. Das Wetter meint es erstmal nicht so gut mit uns. Bald müssen wir unseren Regenschutz überwerfen, und als wir auf dem Abschnitt zwischen den Seen über den erhöhten Kamm laufen (ein Abschnitt, auf den ich mich sehr gefreut hatte), zerrt der Wind an uns und die Sicht ist nicht besonders optimal. Trotzdem finden wir etwas Windschatten um eine erste kleine Pause zu machen. Dabei klart es sogar hin und wieder etwas auf.

Blick auf den ...

Blick auf den Nuorttajávri

Der Wolkenhimmel ist nun rissig, aber die Sonne kann nicht beständig hindurchscheinen. Wir steigen irgendwann hinab von dem Kamm und auf einer Seite der Landzunge am Wasser entlang. Der Weg ist sandig, der Wind wühlt Wellen auf dem See auf, die harsch gegen das Ufer branden. Man fühlt sich fast wie an der See. Dann erreichen wir die offene Wildnishütte am Ruktajärvi. Wir sind neugierig und erkunden den Platz: Es gibt eine Schlafhütte, ein Holzlager, ein kleines Müllhäuschen, eine Komposttoilette und ein offenes Shelter.

Shelter in Ruktajärvi

Shelter am Ruktajärvi

Im Windschutz des Shelters können wir etwas auruhen, die Sonnenstrahlen genießen, die gerade zu uns durchdringen, auf den ruhigen, unbewegten See blicken und unseren Gedanken nachhängen. Die ersten 12km liegen nun hinter uns.

Blick auf den See bei Ruktajärvi

Blick auf den Ruktajärvi

Als die Sonne wieder hinter Wolken verschwindet, wird es Zeit wieder loszuziehen: 6km trennen uns nun noch von unseren heutigen Übernachtsungsort, der Hütte in Njávgoaivi. Zunächst führt der Weg noch sandig und mit Wurzeln der Birken neben uns durchsetzt durch einen lichtes Birkenwäldchen. Dann entlässt uns das kleine Wäldchen in die offene Fjelllandschaft. Wieder zerrt der Wind an uns. Die Sami, Volk der Sonne und des Windes, das ergibt plötzlich sehr viel Sinn für mich. Mein Rentierhund scheint in seinem Element, eifrig und aufmerksam schreitet Frau Vierpfote voran. Dann haben wir die Hütte erreicht, es ist erst 17.15 – ein langer Abend liegt vor uns. Wir machen es uns erstmal in der Hütte gemütlich und sind froh, hier Schutz vor der Kälte draußen zu finden.

Njávgoaivi open wilderness hut

Njávgoaivi open wilderness hut

Wir beobachten auf dem Thermometer vor dem Hüttenfenster, wie die Temperatur langsam sinkt. Irgendwann sind es noch weniger als vier Grad. Wir sind müde, es gibt nichts mehr zu tun, wir gehen früh zu Bett.

Tag 2: Njávgoaivi – Fiellogahjohka (38,5 km)

Wir erwachen früh, draußen wird es hell. Als wir um 7.30 loslaufen ist der Morgen noch etwas neblig, aber die Luft klar. Bald kommen wir zu einer ersten Stelle, an der wir ein Gewässer passieren müssen. Ruhig liegt plätschert der Njávgoaijohka vor uns seinen Flusslauf entlang.

kleiner Flusslauf

erste Gewässerquerung durch den Njávgoaijohka

Der Fluss ist zwar weder besonders breit noch tief, doch genug Trittsteine für trockene Füße gibt es nicht. Ich ziehe also meine Schuhe aus und wechsel zu Trakkingsandalen. Herr Zweibein läuft in seinen Barfußschuhen einfach so durch den Fluss. Das Wechseln der Schuhe ist irgendwie nervig zeitraubend, wie ich finde. Es will nicht so richtig warm werden an diesem Morgen und so suchen wir, als wir nach 7,5km bei Áhkojoga gámma angekommen sind, in einem Erdhügel-Shelter Zuflucht und zünden uns drinnen ein Feuer ein.

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Shelter bei Áhkojoga gámma

Als wir weiterlaufen, klart es immer mehr auf. Unser Weg führt jetzt steil hinab zum Čeavrresjohka. Ich entscheide mich, diesmal nur die Socken auszuziehen. Das geht immerhin schneller. Nach etwas sumpf und recht flachen Bachläufen, führt der steinige Weg nun kilometerweit über offene Fjelllandschaft und kleinere Geröllfelder. Dann zeichnet sich die Kuivi Hütte am Horizont ab. In der Weite der Landschaft ist sie von weithin sichtbar. Wir passieren auf Steinen den seichten Kamajohka und haben um 13.00 die Hütte erreicht. Nun liegen die ersten 17,5km des Tages hinter uns. Bei einer Tasse Tee und ein paar Snacks reden wir über den weiteren Tag. „Wie weit ist es denn noch zur nächsten Hütte?“, frage ich Herrn Zweibein. „Moment, ich schau mal nach. Hm, so zwischen 12 und 14 km.“ „Es ist ja noch so früh, und heute steht ja nur noch der Gipfel des Kuivi auf dem Plan. Das sind 8km, da brauchen wir nur noch 2 Stunden für.“ „Wir können den Gipfel auch auslassen und zur nächsten Hütte laufen…“ Als Herr Zweibein in meine Augen blickt, merkt er jedoch, dass das nicht meine Hintergedanken waren: „Ne, also Hütte oder Berg.“, sagt er. „Na, dann Berg, immerhin ist der Trail nach dem Berg benannt, es ist bestimmt schön da oben.“ Eine gemütlichen Mittagspause und viele Steine später stehen wir dann auch gegen 15.00 auf dem Gipfel des Kuivi.

Auf dem Gipfel des Kuivi

Auf dem Gipfel des Kuivi (641m)

Von hier oben genießen wir eine Rundumsicht über die Weite Lapplands. Hier ist nichts, außer Bergen, Hügeln, ein paar Farbtupfern. Keine Stadt, keine Autos, kein Mensch weit und breit. An diesem Tag haben wir in der Nähe des Flusses eine Wanderin getroffen, sonst sind wir bisher niemandem begegnet – abgesehen von einigen Rentierherden. Die ruhige Stille des weiten Landes beeindruckt.

Blick in die Weite

Blick in die Weite

Als wir wieder hinabsteigen, kommt wieder ein Gespräch auf. „Du, ich hab überlegt, wenn wir jetzt noch den ganzen Nachmittag Zeit haben, dann versuch ich mal in dem Fluss bei der Hütte baden zu gehen. Danach kann man ja in der Hütte wieder aufwärmen“, sage ich zu Herrn Zweibein. „Hm, ich hab gerade etwas ganz anderes überlegt“, kommt es zurück, „wir könnten ja vielleicht doch zu der nächsten Hütte laufen, immerhin wird es gerade mal 16.00 Uhr sein, bis wir wieder an der Hütte zurück sind und was machen wir dann den ganzen Abend? Der war gestern schon so lang und da waren wir eine gute Stunde später an der Hütte. Außerdem: Die Sonne scheint und wir haben bestes Wanderwetter“. Wir wägen die Fakten ab: Wenn wir wieder an der Hütte sind, liegen 25,5 km hinter uns, 13 müssten wir zur nächsten Hütte noch laufen. Das hieße an diesem Tag 38,5 km zu laufen… Wieder an der Kuivi Hütte entscheiden wir: Wir werden laufen. Wir schultern also wieder unsere Rucksäcke, die wir für den Hin- und Zurückweg auf den Berg in der Hütte gelassen hatten, passieren wieder den Kamajohka und ziehen los.

Blick von der Kuivi Hütte über den Kamajohka

Blick von der Kuivi Hütte über den Kamajohka

Die Nachmittagssonne meint es gut mit uns und taucht die Landschaft um uns in ein zart-goldenes, verträumtes Licht. Der Weg wird irgendwann sumpfiger, doch nette Menschen haben den Sumpf mittels Planken gut passierbar gemacht. Das tut auch mal gut, nicht auf Füße und Weg schauen zu müssen, sondern einfach vor sich hin laufen zu können.

Sumpflandschaft in spätem Nachmittagslicht

Sumpflandschaft in spätem Nachmittagslicht

Fjelllandschaft und Birkenwäldchen wechseln sich ab. Als wir uns dem Punkt nähern, an dem wir auf den Kevo-Trail stoßen, wechselt die Landschaft jedoch etwas: Immerwieder geht es steil in Täler hinunter und auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinauf. Als die Abendsonne an Kraft verliert und für uns erstmal hinter einem Bergrücken verschwindet, treffen wir auf den Kevo-Trail. Nun sind es noch 3km bis zu der angesteuerten Hütte. Wir schlagen ein rasches Tempo an, wir wollen nur noch ankommen. Doch als wir eine Wandererin treffen, merken wir: Diese Hütte hat nichts mit den ruhigen, einsamen, bisherigen Hütten zu tun. Und als wir dann nach einem knackigen, steilen Abstieg, an der Hütte ankommen, treffen wir mehr auf einen belebten Rast- und Zeltplatz. An einen Platz in der Hütte ist gar nicht erst zu denken. Ganz hinten in dem Tal am Fiellogahjohka finden wir einen Zeltplatz. Wir zünden erstmal ein Feuer an, wärmen und trocknen uns. Trotz einigen Planken sind etwas nasse Füße an den sumpfigen Stellen nicht zu vermeiden gewesen.

wärmendes Feuer

wärmendes Feuer

Immerhin können wir unser Zelt auf Paletten aufbauen, die es hier zu diesem Zweck gibt. So haben wir einen federnden Untergrund und keine bohrenden Wurzeln oder Steine im Boden. Als wir uns in unsere Schlafsäcke kuscheln, rauscht im Hintergrund kontinuierlich der Wasserfall, zu dessen Fuße wir uns befinden.

Tag 3: Fiellogahjohka – Parkplatz Sulaoja (30 km)

Nach einer eisigen Nacht kommen wir diesmal nicht ganz so früh in die Gänge wie am Vortag. Erster Tagesordnungspunkt: Den Fiellogahjohka queren. Bis fast zu den Knien reicht uns das kalte Wasser. Die Schuhe zu wechseln habe ich mir diesmal gespart. Die Sonne scheint und die Schuhe sind recht schnell trocken zu laufen. Auf die Flussquerung folgt ein zackiger Anstieg, dann können wir einen Ausblick auf den Wasserfall und die andere Flusseite, auf der das Lagerareal liegt, genießen.

Blick auf den Fiellogahjohka, seinen Wasserfall und die andere Flussseite (Lagerstätte)

Blick auf den Fiellogahjohka, seinen Wasserfall und die andere Flussseite (Lagerstätte)

Wir laufen weiter flott: Einerseits um die Schuhe zu trocknen, andererseits um die vielen Menschen zu passieren. Wir überholen zwei tschechische Wanderer, mit denen wir am Vortag kurz geredet hatten. „Na, heute wieder 38km?“, fragt die Frau. „Ne, heute nur 28“, antworten wir. Die Frau nimmt das zur Kenntnis und sagt zu ihrem Begleiter gewandt: „Die sind wahnsinnig“. Der Weg führt zunächst immer wieder in kleine Täler und auf der anderen Seite wieder hinauf. Dann laufen wir durch Birkenwald direkt an der Schlucht des Kevo-Canyon entlang. Die Sonne scheint. Es ist fast schon warm. Dann führt er Weg wieder in offene Fjellandschaft. Das bedeutet wieder mehr Steine als festen Boden unter den Füßen. Immerhin haben wir aber jetzt schon länger wieder unsere Ruhe. Eigentlich wollten wir die ersten 18km des Tages quasi am Stück durchlaufen, und dann eine lange Pause bei Ruktajärvi einlegen – der Hütte von der aus, der uns schon bekannte Weg wieder zum Parkplatz zurückführt. Doch das war etwas zu vermessen geplant und so machen wir an einer geeigneten Stelle eine kurze Mittagsrast.

kleine MIttagsrast am Fluss

kleine Mittagsrast an einem Fluss durchs Fjell

Nach der Rast kommen wir auch wieder zügiger voran. Endlich können wir das Fjell hinter uns lassen und bekommen wieder mehr Boden unter den Füßen zu spüren. Dann geht der Weg wieder etwas abwärts und die Landschaft ändert sich noch mehr: Es wird wieder farbiger, wir laufen auf sandigem Boden zwischen Birken. Ein kleiner steiler Abstieg, dann kommen wir an dem Zeltplatz Geavvogeašláttu vorbei. Der beschaulich zwischen zwei kleinen Seen liegt, die mit einem Bachlauf verbunden sind.

am Zeltplatz Geavvogeašláttu

am Zeltplatz Geavvogeašláttu

Nun sind es noch 3km über leicht zu laufenden, meist sandigen Boden, dann haben wir Ruktajärvi erreicht. Nun haben wir über die Hälfte der Tagesetappe geschafft. Von hier sind es „nur noch“ 12km bis zum Auto zurück. In der Hütte ist niemand, nur das Shelter ist besetzt. So kehren wir in die Hütte ein und machen erstmal ein Feuer im Kamin an. Dann erfrischen wir uns bei vielleicht 8 Grad Außentemperatur im nahegelegen See und wärmen uns anschließend am eingeheizten Ofen wieder die Füße. Außerdem finden wir Zwiebeln und Kartoffeln in der Hütte. Aus denen zaubern wir uns nun Bratkartoffeln: Kokosöl habe ich sowieso zur Hautpflege dabei, jetzt kann es als Bratfett dienen. Salz fehlt allerdings, wir nehmen dafür einfach gesalzene Erdnüsse.

Bratkartoffeln

Bratkartoffeln aus Hüttenfunden

Gestärkt, erfrischt und erholt ziehen wir nach dieser ausgiebigen Rast wieder los. Das letzte Wegstück erscheint uns nun als ausgiebigerer Nachmittag-/Abendspaziergang. Wir laufen weiter auf Sandboden den See entlang, dann führt uns eine kleine kurze Treppe wieder auf den langen Kamm zwischen den beiden Seen.

"Aufstieg" auf den Kamm zwischen den Seen

„Aufstieg“ auf den Kamm zwischen den Seen

Der Weg über den Kamm verläuft in sanften Wellen über sandig-steinigen Untergrund. Diesmal ist die Sicht ist gut: Das Wasser glitzert zu beiden Seiten des Kammes unter uns. Die tiefstehende Sonne fällt durch die Birken, und verzaubert mit ihrem besonderen Licht den weiteren Weg.

Birkenwäldchen in später Nachmittagssonne

Birkenwäldchen in später Nachmittagssonne

Als die Sonne ihr letztes, schönes Abendlicht zur Erde wirft, sind wir wieder am Parkplatz angekommen. Plötzlich haben wir es geschafft: 86,5 km Weite und Wildnis Lapplands liegen hinter uns. Plötzlich haben wir wieder ein Auto, nicht nur einen Rucksack. Das fühlt sich noch ein wenig unwirklich an, und auch, wenn wir alles gelaufen sind, müssen wir erst richtig ankommen.

zurück am Parkplatz zum Kevo Nature Reserve

zurück am Parkplatz zum Kevo Nature Reserve

on the go

Gestern vormittag haben wir die samische Kultur in Karasjok erkundet: Einen Park mit „Gebäuden“ – also verschiedenen Zelten und Erdhügeln -, ein Museum mit vielen Trachten der Sami aus unterschiedlichen Regionen und zu unterschiedlichen Anlässen, und natürlich das Städtchen selbst.

An einer zur Kunstschule umgewandelten ehemaligen Tankstelle

An einer zur Kunstschule umgewandelten ehemaligen Tankstelle

Dann ging es auch schon weiter und wir haben wir die norwegisch-finnische Grenze passiert. Zwei Monate Norwegen sind damit auf einmal abgeschlossen, EU und Euro haben uns wieder.

Grenze Norwegen - Finnland bei Karigasniemi

Grenze Norwegen – Finnland bei Karigasniemi

Jetzt stehen wir am Eingang zum Kevo Naturreservat, Schultern unsere Rucksäcke und verabschieden uns für die nächsten fünf Tage.

a touch of gold

Wir erwachen direkt am Alta River und während wir noch müde blinzeln, scheint uns die Sonne entgegen. Das bedeutet, die Wanderung, die wir bisher mit einem kleinen Fragezeichen versehen hatten, wird in Angriff genommen. Aber erstmal Dinge sortieren und dann vom Cmapingplatz wieder in die Stadt fahren. So ein Nordtrip wäre ja langweilig, ohne die Besichtigung von VW-Autohäusern. Und da unser T4 vor zwei Jahren ein finnisches VW-Autohaus kennengelernt hat, würde er gerner mal Bekanntschaft mit einem norwegischen machen. Der Aufenthalt gestaltet sich aber recht kurz. Die kaputte Batterie wird uns bestätigt und getauscht. Dann können wir wieder mit Tourismus weitermachen und steuern die Norlichtkathedrale an, die uns schon am Vortag ins Auge gefallen war und uns neugierig gemacht hat.

Nordlyskathedrale in Alta

Nordlyskathedrale in Alta

Die 2013 fertiggestellte Kirche ist äußerst modern, aber trotzdem sehr ansprechend gestaltet. Die Farben Gold und Blau und Eichenholz prägen den Innenraum. Mit Stäben wurden Nordlichter angedeutet und mit LED’s hinterlegt. Nach meinem Empfinden aber alles stilvoll. Die Architektonik geht auf. Ein sehr heller und leuchtender Raum, der himmelwärts zieht. Und so ist nicht nur der Christus stark zum Himmel gewandt: Im Lichtturm, an dessen Außenseite 12 goldene Bilder für die 12 Apostel hängen, ist die Jakobs-Leiter dargestellt.

Altarraum

Altarraum

Lichtturm, Außenseite

Lichtturm, Außenseite

Nach der Kirchenbesichtigung steuern wir dann zügig den Ausgangspunkt für unsere Wanderung an. Der Aufenthalt im Autohaus hat eben doch etwas Zeit gekostet. Wir verlassen Alta in südlicher Richtung, passieren eine Hütte und fahren dann noch ein gutes Stück auf einem Schotterweg entlang. Dann sind wir an Ausgangsparkplatz angekommen. Der Weg zum Alta Canyon ist zwar nicht markiert, aber da es keinen anderen gibt, nicht zu übersehen. Kaum sind wir losgelaufen, nimmt uns die wilde Weite Lapplands in Beschlag.

Weite

Weite

Die nachmittägliche Sonne lässt die herbstliche Stimmung golden erstrahlen. Die Natur wirkt auf mich oft wie eine (minimalistisch) gemalte Landschaft. Ein paar horizontale Pinselstriche in Blautönen und dahinter Senkrechte zunächst in grün, dann in rot, übergehend in Orange und einen Hauch Gold. Wir kommen zu einem kleinen See.

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Ein See wie ein Gemälde

Auf dem Weg will so mancher Morast durchwatet und so mancher Fluss durchschritten werden. Die Planken, die einem dabei anfänglich noch halfen, sind schnell passé. Jetzt hilft nur noch: Einfach durch.

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Trotzdem sind wir flott unterwegs und kommen zügig voran. Nach 1,5 Stunden haben wir die 8km zwischen Parkplatz und Canyon fast ganz hinter uns gelassen und wir können einen ersten Blick auf den Fluss-Canyon werfen, der sich schon länger in der Ferne abzeichnete.

Alta-Canyon

Alta-Canyon

Nur noch ein kleiner Abstieg und keine fünf Minuten später stehen wir an einem Aussichtspunkt in den Canyon. Atemberaubend schlängelt sich hier den Fluss in 500m Tiefe durch das in den Farben des „indian summer“ schimmernde Tal.

Alta-Canyon

Alta-Canyon

Dann treten wir den Rückweg an. Die abendlicher gewordene Sonne bricht immernoch hier und da durch die Wolken, sie meint es ganz gut mit uns. Und da sie sich in der selben Richtung befindet wie der Parkplatz, laufen wir nicht nur ihm, sondern auch der Sonne entgegen. Hinter uns flimmert der Horizont eingekeilt zwischen Bergen und Wolkendecke in einem sanften Gelbstreifen mit unwirklich blauem Blau darüber.

Horizont

Horizont

stone carvings

Nach einer wolkenverhangenen und wegen Baustellen holprigen Fahrt kommen wir um die Mittagszeit im Alta Museum an. Da die Ausstellung im Inneren um 15.00 schließt, der Freilichtteil jedoch länger geöffnet hat, schauen wir zuerst den inneren Ausstellungsteil an. Zunächst führt die Ausstellung in die Felszeichnungen ein, die am Außenbereich besichtigt werden können, und zeigt, wie die Menschen in der Steinzeit gelebt haben könnten. Wir erfahren, dass die Zeichnungen in vier verschiedene Episoden eingeteilt werden können und etwa zwischen 2000 und 6500 Jahre alt sind. Dann geht es durch ein Sammelsurium an Exponaten über die Kultur in die Region: Nordlichter – Widerstandsbewegung gegen ein geplantes Kraftweg – Silber- und Schmuckschätze – die samische Religion und vieles mehr.

Ausstellungsteil zu den Felszeichnungen

Ausstellungsteil zu den Felszeichnungen

Nachdem wir uns mit einem heißen Eintopf gegen das Schietwetter gerüstet haben, ziehen wir dann los zum Außenteil. Der Pfad verläuft auf einem Steg an den Felsen vorbei und beschreibt einen Bogen in östlicher und einen in westlicher Richtung. Er verläuft meist auf einem Holzsteg – so ist klar markiert, wo Besucher laufen dürfen und wo nicht. Wir beginnen an der Westküste und damit mit den Felsmalereien, die mit roter Farbe nachgezeichnet sind. So sind sie leicht zu erkennen.

Bärenjagd und Rentiereinzäunung

Bärenjagd und Rentiereinzäunung

In einem Begleitbuch können wir viel zu den Zeichnungen erfahren. Vieles ist fraglich. So ist zum Beispiel nicht ganz klar, warum diese Zeichnungen angebracht wurden. War es ein religiöser Zweck? Oder eine Art Sprache, ja, Geschichten? Oder doch einfach „Kunst“? So oder so geben die Zeichnungen Einblick in das Leben vor vielen tausenden von Jahren. Die Geschichten, die sie erzählen bleiben der eigenen Fantasie überlassen.

Boot

Boot (Logo des Museums), Mensch mit Elchkopfstab, Rentierherde

Rentiere spielen hier eine sehr wichtige Rolle. Aber auch Elche sind ein häufiges Motiv. Sie wurden wohl als Verbindung zwischen Land und Wasser gesehen, da sie sich als Landtiere gerne im Wasser aufhalten. Dann folgen Bären und hier und da ein Fisch, von denen der Heilbutt am meisten dargestellt wird. Natürlich sind auch einige Menschen dargestellt. Unbelebtes ist eher selten abgebildet. Eine Ausnahme stellen Boote dar.

Boot mit Drachenkopf

Boot mit Drachenkopf

Dann haben wir den Westteil besichtigt und laufen zur östlichen Bucht hinüber. Jetzt sind unsere Augen gefragt. Das Begeitbuch hilft bei der Orientierung: Hier sind alle Zeichnungen abgebildet, das hilft beim (Wieder-)Erkennen auf dem Stein. Einzelne Zeichnungen sind klar erkennbar und so findet man dann auch die meisten der nicht so schnell zu sehenden Abbildungen.

Rentier - und was noch?

Rentier – und was noch?

Man muss sich Zeit lassen, dann trennen sich die alterungs- und witterungsbedingten Striche von den Zeichnungen und man erkennt immer mehr. So ist zum Beispiel bei einem Stein, der fast schon ein Wimmelbild darstellt, eine Art Hund auszumachen. Vielleicht ist es aber doch auch ein Polarfuchs. Die Wissenschaftler sind sich da nicht so sicher.

Hund oder Polarfuchs?

Hund oder Polarfuchs? – das Tier mir spitzer Schnauze, spitzen Ohren und spitzem, buschigen Schwanz

So endet unsere Reise in eine längst vergangene Welt mit vielen Fragezeichen, Eindrücken und Bildern und Ideen im Kopf, was, wie gewesen sein könnte.

the northernmost

Unser Weg nach Tromsø beginnt an einem wunderschönen Rastplatz direkt am Målselva. Die Sonne scheint, das Wetter ist mild. Es ist ein Morgen, an dem man nicht zuerst nach der Jacke sucht, sondern die Fleeceweste über dem Langarmshirt vollkommen reicht. So frühstücken wir an diesem Samstagmorgen mit Blick auf den sonnenbeschienen Fluss und sanft wärmenden Strahlen auf der Haut.

Am

Morgen am Målselva

Auf unserer Fahrt führt die E6 bald nach Osten. Wir nähern uns Nordkjosbotn und vor uns zeigt sich eine tolle Aussicht auf den Balsfjorden. Da wir hier die E6 verlassen und auf die E8 wechseln, bleibt uns diese Aussicht bis Tromsø erhalten.

Auf der E8 am entlang

Auf der E8 entlang des Balsfjord

In der größten Stadt Nordnorwegens angekommen, zieht es uns zunächst zu einem Einkaufsarreal: Wir wollen hier und da unsere Trekkingausrüstung aufrüsten. Anschließend steuern wir zielsicher die Strandpromenade von Tromsø an und genießen die Stimmung des heraufziehenden Abends.

Abendstimmung

Abendstimmung am Strand des Folkepark

Ruhig liegt der Fjord vor uns. Das Wasser kräuselt sich nur leicht und die Berge ringsum ragen stumm in die Höhe. Ein paar Boote fahren, ein paar Menschen paddeln. Die Luft wird kühler, aber ist sehr angenehm.

Abendstimmung am

Abendstimmung

Wir folgen dem Weg an der Küste bis wir in eine Sackgasse geraten, dann kehren wir um. Viele Menschen sitzen an den im Park verstreuten Picknickplätzen und genießen den frühen Abend. Wir finden, sie haben Recht, schnappen uns im Auto Kocher und Reiseführer und suchen uns einen noch freien Platz. Wir kochen einen warmen Tee und stöbern in unseren Reiseunterlagen.

Reiseplanungen

Tee und Reiseplanungen

Später am Abend erkunden wir das Nachtleben der Stadt und trinken ein Bier der nördlichsten Brauerei der Welt in dem angeblich nördlichsten Rock-Café der Welt im Blå Rock Café. Gemütlich ist es hier.

Am Sonntagvormittag steuern wir dann die Seilbahnstation Fjellheisen an. Von hier kann man nicht nur mit der Bahn fahren, sondern sich die Aussicht auch erwandern. Bei den Einwohnern von Tromsø scheint das eine beliebte Sonntagsbeschäftigung zu sein, der Parkplatz ist gut gefüllt. Wir beginnen unseren Weg in einem niedrigen, knorrigen Birkenwäldchen. Steine und Wurzeln drücken sich durch den Boden unseres Weges. Dann beginnt der eigentliche Anstieg und schon bald zeigen sich erste Ausblicke auf die Stadt.

Blick auf Troms

Blick auf Tromsø

Immer weiter geht es den Berg hinauf. Wir übertreten die Baungrenze, der Weg wird steiniger. Die Sonne meint es gut mit uns. Dann haben wir die über 600 Höhenmeter überwunden und die Spitze des 671m hohen Fløya erreicht. Von hier haben wir einen weiten Blick über die Stadt und den Fjord. Wir können nicht nur weit, sondern auch in viele Richtungen blicken. Nur die Berge in unserem Rücken begrenzen unsere Sicht. Unter ihnen erhebt sich der Tromsdalstinden am eindrucksvollsten in die Höhe.

Tromsdalstinden

Tromsdalstinden (1284m)

In unserem Reiseführer stand, dass man bei kaum einer Stadt so sehr von einem Blick von oben profitiert, wie in Tromsø und tatsächlich, von hier oben kann man gut erkennen, wie sich die Stadt auf Festland und unterschiedlichen Inseln ausbreitet, die mit Brücken verbunden sind. Vor uns die Bergstation und der darunterliegende Teil auf dem Festland, dahinter Stadtzentrum und Flughafen auf Tromsøya, und nochmal dahinter die auf Kvaløya liegenden Häuser.

Blick über Trom und den Fjord

Blick über Tromsø und den Fjord

Langsam zieht der Himmel etwas zu, wir steigen ab. Dann fahren wir die Insel Kvaløya an, wo wir quasi direkt am Wasser mit unverstelltem Blick auf den Fjord etwas zu Mittag kochen. Dann steuern wir noch einmal das Stadtzentrum an. Leider ist der Himmel weiter zugezogen und bis wir das Zentrum erreichen, hat der Himmel seine Pforten mal wieder geöffnet. Daher verzichten wir auf einen Stadtbummel. Die Eismeerkathedrale können wir wegen einer Veranstaltung nicht besichtigen und so verlassen wir Tromsø wieder und setzen unseren Weg durch Nordnorwegen fort.

Colourful Autumn

Am Abiskonational angekommen, erkunden wir zunächst kurz das Infozentrum. Eine gute Idee, wie sich herausstellt: Die angelegten Wege wurden neu markiert, das in unserem Wanderführer beschriebene Wegzeichen ist also nicht mehr aktuell. Wir finden heraus, dass wir uns statt an die gelbe Blume an drei diagonale Punkte auf orangenem Grund halten müssen. Wir beginnen unseren Weg auf dem „Naturstin“ und tauchen ein in eine bunte, herbstliche Welt. Neben uns rauscht der Fluss, die Luft schmeckt nach Herbst. Schnell fällt uns auf: In Schweden werden sumpfige Passagen weitaus großzügiger mit Planken ausgestattet, so dass wir trockenen Fußes laufen können.

Auf gut gangbaren Pfaden in den Abisko

Auf gut gangbaren Pfaden in den Abisko

Der Weg ist leicht gangbar, wir kommen zügig voran. Dann tut sich vor uns ein tolles Panorama in Richtung der Berge auf. Gerade hier, wo der Fluss eine kleine Biegung macht, und die Berge in den Blick kommen, laden uns zwei Steine in passender Sitzhöhe zur Mittagrast ein. Viel schöner kann man wohl keine Brote schmausen.

herbstliches Panorama

herbstliches Panorama

Jetzt biegt der Weg vom Fluss ab. Frau Vierbein freut sich über den Weg, denn sie hat vor Kurzem herausgefunden, dass es hier in der Gegend leckere Beeren gibt. Diese sucht sie nun nebenher, zupft immer wieder zielsicher eine ab und lässt diese in ihrem Mund verschwinden. Wir laufen an einem See vorbei. Still und verträumt liegt er dabei. Er strahlt unheimlich viel Ruhe aus.

See Name

Vuolip Njágajárvi

Schon sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Die acht Kilometer vergingen wie im Flug – und ein bisschen auch wie im Traum. Wir sind noch unternehmungslustig und laufen weiter um den Canyon des Abiskojåkka zu erkunden. Dreißig Meter hat sich der Fluss hier in den Schieferstein eingegraben.

Schlucht

Abiskojåkka Canyon von oben

Zunächst schauen wir von oben hinunter, dann überqueren wir eine Brücke. Nun kann man auch den Torneträsk, in den der Abiskojåkka mündet, sich in der Ferne abzeichnen. Wir steigen wir auf einem kleinen Weg eine Etage tiefer. So kann man ein bisschen in den Canyon eintauchen. sehen.

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Abiskojåkka Canyon – „halbe Etage“

Für unseren weiteren Weg müssen wir wieder über die Brücke. So schwindelsicher Frau Vierbein sonst ist, diese Brücke ist ihr nicht geheuer. Während Herr Vierbein locker und fröhlich vorausläuft, schleicht sie auf halber Höhe über die Brücke.

Chili findet das suspekt

so eine doofe Brücke

Wir laufen weiter den Abiskojåkka entlang und erkunden den Flusslauf. Der Canyon liegt nun hinter uns und wir laufen auf einen wasserumspülten Felsen. Richtung See haben Menschen Steintürmchen im Wasser aufgebaut.

Blick

„im“ Abiskojåkka

Unser Weg führt uns wieder etwas weg vom Flusslauf. Wir laufen an niedrigen Birken vorbei. Das Farbspiel nicht nur an den Bäumen, sondern auch am Boden ist faszinierend. Die satten Rottöne in ihren unterschiedlichen Nuancen ziehen mich in ihren Bann.

Farbenspiel

buntes Farbenspiel

Dann haben wir den Torneträsk erreicht. Am schmalen Sandstrand fühlen wir uns fast wie am Meer. Wir testen das Goretex unserer Schuhe und waten durch verästelte Wasserläufe über kleine Inselchen, während die Hunde am Strand entlang toben. Schwimmen wird wohl nie ihres, aber durch’s Wasser fetzen, das ist für sie eines der besten Dinge, die man sich vorstellen kann.

Toben vor eindrucksvoller Kulisse

fast wie am Meer

into the light

Campingplatz, das bedeutet fließendes Wasser und so beginnen wir den Tag gemütlich und vor allem damit Geschirr, Kochutensilien und Zweibeiner mit eben diesem zu beglücken. Es ist wieder gegen Mittag bis wir losfahren. Zunächst geht es weiter gen Norden auf der E6. Das Wetter ist etwas klarer als am Vortag, trotzdem regnet es immer wieder. Auf den Schildern  sind Ortsnamen mittlerweile auch auf samisch angeschrieben. Nach Innhavet verlassen wir die E6 und fahren Richtung Drag. Hier soll der schönere Weg verlaufen, von dem aus man auch den Stetind, einen besonders markanten Berg bewundern kann. In Drag steuern wir zuerst das lulesamische Zentrum Arran an.

lulesamisches Zentrum Arran

lulesamisches Zentrum Arran

Hier gibt es eine kleine Ausstellung über das Leben der Samen am Meer. Wir erfahren etwas über die Bootsbaukunst und den Fischfang. Den Handel mit Stockfisch und Pelz. Samen am Meer, das gibt uns Einblick in eine neue Seite der samischen Kultur, die wir so noch nicht kannten. Sogar einen Lapinporokoira können wir hier auf einem alten Foto erblicken.

Aufsteller der kleinen Ausstellung

Aufsteller der kleinen Ausstellung

Da die Fähre von Drag nach Kjøpsvik wohl nicht sehr oft fährt, entscheiden wir uns, doch wieder zur E6 zurück zu fahren und noch einen Abstecher zum Dyreberget nach Borges zu machen, wo man Felsenmalereien aus der Steinzeit entdecken kann. Auf der Fahrt dorthin bricht immer mal wieder die Sonne durch die Wolken. Dann nähern wir uns über rutschige Steine dem Felsen mit den Zeichnungen. Wie ein Vorbote tauchen kurz vor der Stelle mit den vielen Tierzeichnungen übereinander und nebeneinander zwei einzelne Gänse auf.

Felszeichnungen aus der Steinzeit

Felszeichnungen aus der Steinzeit

Von dem großen Bild sehen wir nur wenig. Die Sonne spiegelt zu sehr auf dem nassen, dunklen Stein und ohne Sonne ist es zu dunkel. Trotzdem, ein paar Umrisse können wir erkennen, vor allem das Rentier ist auszumachen. Die Bedeutung der Zeichnungen ist heiß diskutiert. Es gibt viele Theorien, aber keine konnte bisher eindeutig erwiesen werden. Auffällig ist: Die meisten abgebildeten Tiere sind schwer zu erjagen.

Hinweistafel neben dem spiegelnden Felsen mit den Zeichnungen

Hinweistafel neben dem spiegelnden Felsen mit den Zeichnungen

Hier oben bei den Felsen können wir auch den Ausblick über Fjordwasser und Bergpanorama genießen und den Fähren beim Ein- und Auslaufen zu sehen. Der Gedanke, ob wir nicht doch zu den Lofoten fahren sollen kommt auf.

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Blick von den Felsen über den Fjord

Wieder im Auto angekommen, prüfen wir daher unsere Wegoptionen, bleiben dann aber bei unserem ursprünglichen Plan heute noch nach Narvik zu fahren. Am Fährhafen reihen wir uns bei den schon wartenden Autos ein. Wir haben fast 1,5 Stunden Zeit bis die nächste Fähre kommt. Während nun Herr Zweibein etwas zu Kochen aufsetzt, schnappe ich mir Frau Vierpfote und nutze den geraden Teer für ein paar Übungen. Frau Hund möchte auch im Urlaub ihren Kopf betätigen dürfen. Gerade als wir das letzte Schüsselchen wieder ausgeputzt haben, dürfen wir auf die Fähre fahren. Das nennt sich dann wohl perfektes Timing. Von Bord der Fähre können wir zurück auf den Fähranleger sehen und dem Boot, das bald die Lofoten ansteuern wird, beim Ent- und Beladen zusehen.

Fähre Richtung Lofoten

Fähre Richtung Lofoten

Deutlich spektakulärer zeigt sich aber der Blick von der Frontseite unseres Fährschiffes. Es hat noch etwas aufgeklart und die Abendsonne tut ihr Möglichstes, die Bergkette vor uns in interessantem Licht erscheinen zu lassen. Wir stehen an der Reling, trinken unseren obligatorischen Fährfahrtkaffee und während uns der Wind durch die Haare weht, können wir unsere Augen nicht von der Bergkette abwenden.

Bergkette am Tysfjord

Bergkette am Tysfjord

Als wir von dem Fährschiff runter und weiter in die Berge hinein fahren, hoppeln auch schon Rentiere direkt vor uns über die Fahrbahn. Ein Stückchen weiter sehen wir eine ganze Herde an einer Bergflanke stehen. Sie schauen gemächlich kauend zu uns herüber. Der Unterschied dieser halbdomestizierten Tiere zu dem wilden und scheuen Rentier des Dovrefjells, von dem wir kommen, ist unübersehbar.

Auf diesem Bild ist eine Rentierherde versteckt

Rentierherde (Such- und Wimmelbild)

Bei schöner Abendstimmung versuchen wir doch noch den Stetind zu sehen zu bekommen. Aber der Abstecher lohnt kaum: Der Berg hüllt sich in Nebel. Immerhin, wir haben es wenigstens versucht. Der restliche Weg nach Narvik ist schön und vergeht daher wie im Flug. Doch irgendetwas lässt uns nicht kurz vor Narvik übernachten. Die Lichter der Stadt und ihres Hafens ziehen uns an. Uns so fahren wir in Richtung der Häuser, die sich wie ein Lichterkegel an eine Bergflanke schmiegen und betrachten, wie sich die bunten Lichter der Schiffe im dunklen Wasser verschwimmend spiegeln. Hinter Narvik verlassen wir die E6 und biegen auf die E10 und damit Richtung Schweden ab. Nicht weit nach der Abzweigung richten wir dann unser Nachtlager her.

northpoint to northpoint

Der Urlaub hat begonnen, die letzten Konferenzen sind abgehakt. Von nun an gibt es kein Refugium in den Bergen mehr. Von nun an gibt es für uns Zweifüßler und die Vierpfoter nur noch den VW-Bus. Nach der letzten Konferenz sind wir am Nachmittag noch in Trondheim los und gern Norden gefahren. Nun beginnen wir den Tag kurz vor Namsskogan auf einem kleinen Rartplatz direkt am Fluss. Die letzten Arbeitstage waren anstregend und so starten wir gemütlich in den nassen Morgen. Die ganze Fahrt hatte uns Regen begleitet und auch in der Nacht schlug er immer wieder gegen unser Auto. Besserung scheint so schnell auch nicht in Sicht. Noch ein Grund mehr, den Tag gemütlich anzugehen. Als wir dann losfahren, verlassen wir recht schnell Nord-Trøndelag und kommen in die Provinz Nordland. Der Tag neigt sich dem Mittag zu, wir sind in Nordnorwegen – zumindest hat sich das jemand einmal so ausgedacht und es wurde eine hübsche Brücke errichtet, die an Polarlichter erinnern soll.

Grenze zwischen Nord-Trøndelag und Nordland

Grenze zwischen Nord-Trøndelag und Nordland

Die weitere Fahrt ist geprägt von Regenschauern und grauen Wolken. Größere Pausen können dan nicht locken und stoppen erst wieder in Mosjøen, wo wir erstmal einen heißen und bunten Eintopf kochen: Gelbe, grüne und rote Paprika, mit orangenen und gelben Karotten und lila Zwiebeln in roter Tomatensauce. Das hebt das Wohlgefühl und so gestärkt spazieren wir durch das immernoch von Regenschauern geprägte Mosjøen und schlendern durch die Sjøgata.

alte Tankstelle (hergerichtet wie 1933)

alte Tankstelle (hergerichtet wie 1933)

Hier stehen 100 Holzhäuser aus dem Jahre 1866. Bunt und dicht reihen sie sich aneinander. Alles ist hübsch hergerichtet und die Schaufenster der Läden und Cafés sind von alten Gegenständen gerpägt. Leider ist in der Nebensaison bei schlechtem Wetter hier kaum Betrieb und in norwegische Cafés oder Restaurants darf man mit Hunden nicht hinein. Daher bleibt es bei einem Spaziergang durch den pitoresken Stadtteil.

Landhandel und Café Vikgården

Landhandel und Café Vikgården

Nachdem alle (inklusiver Kamera) abgetrocknet im Auto sitzen, geht die Fahrt wieder weiter. Die Straße führt uns entlang an wildem Gewässer und hauptsächlich durch Waldgebiete. In Mo i Rana legen wir einen kurzen Stop ein und machen ein paar Besorgungen. So waren etwa ddie Wasservorräte im Auto versiegt und wollten wieder aufgefrischt werden. Dann fahren wir in den Abend hinein und kommen nach einer guten Stunde am Polarkreis an. Hier legen wir eine kleine Rast ein, so dass sich Zwei- und Vierbeiner stärken und die Beine vertreten können.

Am Polarkreis

Am Polarkreis

Für unser Nachtlager verlassen wir aber zuerst das Gebirge wieder und fahren einen Campingplatz an, dessen lange Rezeptionsöffnungszeiten wir vorher recherchiert hatten. So sind wir nun also im hohen Norden angekommen. Wir sind gespannt, was wir hier erleben werden