A nebulous and misty forest

Gut gelaunt laufen wir am Montagmorgen los auf den Herajärven Kjerros (Herajärvi Trail). Wir haben Proviant für 2,5 Tage eingepackt und sind gespannt, was der Weg bringen mag. Wir haben verschiedene Schlafplatzoptionen im Hinterkopf. Ruhig und verschlafen, etwas neblig liegt der Wald vor uns, als wir unsere Tour beginnen.

Beginn des Herajärvi-Trail

Beginn des Herajärvi-Trail – das Tor zu einer anderen Welt

Wir laufen vorbei an Tannen, mossbedecktem Waldboden, ein paar orange verfärbten Birken. Je weiter wir in das Waldgebiet dringen, desto tiefer und dichter umgibt uns der morgendliche Nebel. Er gibt allem einen Hauch des Unwirklichen, Nebulösen. Er macht aus dem Wald einen besonderen Ort. Und auch die nebligen Lichtungen die wir passieren, scheinen wie aus einer anderen Welt.

neblige Lichtung

neblige Lichtung

Der Weg verläuft als schmaler Pfad. Für kurze Strecken führt er eben über weich-federnden Waldboden, aber meist ist der Weg von Steinen und Wurzeln durchzogen. Sie erschweren das Vorankommen. Denn durch die hohe Luftfeuchtigkeit sind sie nass und rutschig. Man muss gut Acht geben, wohin man tritt. Der Weg erklimmt immer wieder kleine Anhöhen und führt dann wieder steil hinab. Das viele Moos, das hier wächst, freut sich indes über das feuchte Klima: Es hat sich mit dem Wasser vollgesaugt und liegt in kräftigen Farben neben uns. Immer wieder staune ich über den Artenreichtum.

im Märchenwald

im Märchenwald

Auf einer etwas längeren Anhöhe passieren wir auf rutschigen Planken eine großes Moorgebiet. Die ersten 8 Kilometer liegen nun hinter uns und wir pausieren an einer überdachten Feuerstelle. Das Feuer will nicht richtig anziehen, aber wir können wenigstens unsere nasse Kleidung ausziehen und etwas auslüften.

auf Planken zum Rastplatz Ryläys

auf Planken zum Rastplatz Ryläys

Dann gehen wir weiter. Wir passieren einen Aussichtsturm und lassen ihn links liegen. Es ist nichts zu sehen als Nebel. Die anfängliche Freude über diesen mystischen Hauch auf dem Wald trübt sich. Denn für keinen einzigen der steilen, rutschigen An- und Abstiege wird man mit Aussicht belohnt. Unter einem schwimmt nur Nebel – und wenn man nicht aufpasst, schwimmen die Füße auf den nackten Felsen, über die der Weg immer wieder führt. Als wir weitere 10 km später in Kiviniemi ankommen, ändern wir daher unsere losen Pläne: Wir werden nur den nördlichen Herajärvi-Trail laufen und hier übernachten. Der Platz hier ist ansprechend, und etwas abseits gibt es sogar ein Saunahäuschen. Hier möchten wir gerne den Nachmittag und Abend verbringen – es kommt ja nicht nur darauf Kilometer auf den Zähler zu bringen, sondern auch einfach Zeit in der Natur zu verbringen.

open shelter in Kiviniemi

open shelter in Kiviniemi

Wir bringen erstmal unsere Rucksäcke in das Shelter. Dann säge und hacke ich eine erste Fure Holz, damit wir das Feuer in der Mitte des Shelters, das gerade als wir an der Hütte angekommen sind zwei finnische Teenager angemacht haben, am Leben erhalten können und es warm und gemütlich haben. Dann schnappen wir die beiden Bierdosen und Gemüsechips, die wir für einen netten Abend eingepackt haben und steuern das Saunahüttchen an. Das Bier stelle ich erstmal im See kalt, während Herr Zweibein Holz für den Saunaofen zurecht macht.

so kann man Bier auch kühlen

so kann man Bier auch kühlen

Nach unserer „original“ finnischen Sauna mit Bier – die Kombination steht bei Finnen sehr hoch im Kurs – kehren wir zu unserem Nachtlager zurück. Aus der Glut ist schnell wieder ein Feuer entfacht. Und so kochen wir im Schein der Feuers und einer in der Saunahütte gefundenen Kerze unser vorbereitetes Essen und schlafen schließlich mit Blick auf knisterndes Feuer ein.

Am Feuer

Am Feuer

Da wir das Feuer die Nacht über am Leben erhalten, erwachen wir am Morgen, wie wir eingeschlafen sind: Mit Blick auf das Lagerfeuer und dem Knacken von Holz im Ohr. Wir starten gemütlich in den Tag – durch die Planänderung haben wir es nicht eilig.

Blick in das Shelter

Blick in das Shelter

Dann ziehen wir los – und müssen nach ein paar Metern laufen auch schon den See überqueren. Dafür liegt hier ein kleines Boot an einem Seil, das man zu sich her ziehen kann. Der Steg zum Boot ist voller Jugendlicher: Netterweise lässt der Gruppenleiter uns vor. Auf dem Boot erfahren wir, dass die Jugendlichen ein deutsch-finnischer Austausch ist. Ein tolles Schulprojekt, denke ich.

mit Seilbootfähre über den See

mit Seilbootfähre über den See

Wir laufen zunächst am Seeufer durch lichten Birkenwald, dann kommen wir wieder in dichteren Mischwald. Es ist neblig wie am Vortag, jedoch ein klein wenig lichter – aber vielleicht sagen uns das auch unsere Motivation und unser Optimismus. Neben uns zieren Spinnweben die Bäume, als nasse Dekorationsfäden hängen sie im Nebel.

nasse Spinnweben

nasse Spinnweben

Dann haben wir den Platz erreicht, den wir eigentlich als erste mögliche Übernachtungsstelle ins Auge gefasst hatten. Wir sind froh die Nacht in Kiviniemi verbracht zu haben – auch, wenn es hier am See auch nett ist. Wir machen etwas abseits der Feuerstelle eine kleine Rast. Die Feuerstelle ist von dem Teil der Jugendgruppe besetzt, die mit dem Kanu übergesetzt ist. Dann treffen auch die Jugendlichen ein, die hinter uns gewandert sind. Herr und Frau Vierpfote verfolgen das rege Treiben natürlich interessiert.

Am Rastplatz Lakkala

Am Rastplatz Lakkala

Wir ziehen weiter und passieren zunächst einige Sumpfgebiete auf Planken. Hier kommen wir nur langsam vorwärts, denn die nassen Planken sind teilweise morsch und durchgehend rutschig. Die Hunde hinter uns laufend tasten sich unsere Füße vorwärts und probieren aus, welche Trittart am meisten Trittsicherheit gewährleistet. Die Augen staunen derweil über das satte Grün der unterschiedlichen Moos- und Flechtenarten, die hier wachsen.

Grüne Pflanzenpracht im Sumpfgebiet

Grüne Pflanzenpracht im Sumpfgebiet

Dann führt der Weg wieder auf eine Anhöhe. Eine Lichtung taucht vor uns im Nebel auf. Große Birken stehen hier, einige niedrige Büsche und wie wahllos hingeworfen mossbewachsene Steine. Große und Kleine. Die Lichtung hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Man wartet geradezu darauf hier Irrlichtern und Elfen zu begegnen oder von Tom Bombadil auf einen Kaffee eingeladen zu werden.

Lichtung

Lichtung

Kurz darauf biegen wir vom offiziellen Weg ab und folgen einem kleinen Rundweg, der unter anderem zur Pirunkirkko führt: Ich verstehe nur Kirche (kirkko) und würde eine Kirche mitten in dieser Natur zu gerne besichtigen. Der Weg führt an einem verträumten See vorbei von einer Waldseite zur anderen. Ganz ruhig ist es hier. Keine Tiere sind zu hören, keine Wind. Stille umgibt uns. Der Wald schreibt seine eigene Zeit. Hier im „Regenwald, in dem jemand die Heizung ausgeschalten hat“ herrscht ein ganz eigenes Tempo – oder auch Nicht-Tempo.

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Waldsee

Der Weg führt die nächste Anhöhe hinauf zu einer Lichtung ähnlich der ersten. Hier gibt es aber eine Feuerstelle, eine mietbare Hütte und eine kleine Schutzhütte. Wie legen nochmal eine Rast ein. Es ist Mittagszeit. Während wir eine Kleinigkeit kochen, ruhen sich die Hunde aus. Sie sind müde. Auch ihnen macht die Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Sie stürzen sich nur so auf jede Wasserstelle, die wir passieren. Da Frau Zweibein am liebsten mit erhöhtem Kopf liegt, krallt sie sich meine Füße als Kopfkissen – ein praktisches Heizkissen. Sowieso entwickelt sie sich zu einer guten Wanderbegleiterin und reicht mir nach jeder Pause den umgefallenen Wanderstock, so dass ich mich mit dem schweren Rucksack nicht bücken muss.

Mittagspause

müde Krieger

Während wir gekocht haben, hat es draußen zu regnen begonnen. Wir packen daher bevor wir weiterziehen alles sicher in unsere Rucksäcke und ziehen ihnen den Regenschutz über. Dann erreichen wir die „Pirunkirkko“. Ich sage noch: „Sollen wir uns die Infotafel zuerst durchlesen?“. Doch wir sind zu neugierig und denken uns „die können wir auch später noch lesen“. Allerdings finden wir keine Kirche. Steile Treppen führen uns nur zu Felsen auf halber Höhe einer Steilwand. Wir kehren also doch zur Infotafel zurück: Die „Kirche“ entpuppt sich als Höhle, die im Volksmund „Teufelskirche“ genannt wird. Höhlenbesichtigung mit Hunden und großen Rucksäcken ist allerdings nicht nach unserem Geschmack. Wir ziehen also weiter. Wieder über denselben Bergrücken zurück zum eigentlichen Weg: 9 Kilometer liegen noch vor uns, bis wir das Auto erreichen. 9 Kilometer durch Nebel, über Wurzel und Steine, runter und hoch, wieder runter und hoch. 9 Kilometer an Aussichtsfelsen vorbei, unter denen sich nur Nebel erstreckt. Uns fehlt der Weitblick. Dann haben wir es geschafft: 38 Kilometer und zwei Tage in dieser unwirklichen, nebelbehafteten Welt liegen hinter uns. Jetzt heißt es wieder Ankommen im Hier und Jetzt.

 

vast wilderness

Tag 1: Parkplatz Sulaoja – Njávgoaivi (18 km)

Am späten Donnerstagvormittag erreichen wir mit dem Auto den Parkplatz des Kevo Strict Naturereserve: Der Kuivi-Trail liegt vor uns. Der Plan: Die 86,5 km mit drei Übernachtungen, also in vier Tagen zu laufen – mit dem Joker in der Hinterhand auch eine vierte Nacht und einen fünften Tag zu brauchen.Der Kuivi-Trail verläuft zunächst gleich mit dem Kevo-Trail über ein schmales Stück Land zwischen zwei Seen bis zur Ruktajärvi-Hütte. Während der Kevo-Trail dann jedoch „nur“ durch den Kevo-Canyon verläuft, nimmt der Kuivi-Trail mehr Fjelllandschaft mit und macht einen Abstecher zum Gipfel des Kuivi. Berglandschaft, ein Gipfel und dann eine Schlucht – das scheint uns ein abwechslungsreicher Trail zu werden.

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Übersichtskarte: Der Kuivi-Trail beschreibt die Schlaufe und führt dann zurück zum Ausgangspunkt

Guter Stimmung und voller Erwartung laufen wir gegen halb zwölf los. Das Wetter meint es erstmal nicht so gut mit uns. Bald müssen wir unseren Regenschutz überwerfen, und als wir auf dem Abschnitt zwischen den Seen über den erhöhten Kamm laufen (ein Abschnitt, auf den ich mich sehr gefreut hatte), zerrt der Wind an uns und die Sicht ist nicht besonders optimal. Trotzdem finden wir etwas Windschatten um eine erste kleine Pause zu machen. Dabei klart es sogar hin und wieder etwas auf.

Blick auf den ...

Blick auf den Nuorttajávri

Der Wolkenhimmel ist nun rissig, aber die Sonne kann nicht beständig hindurchscheinen. Wir steigen irgendwann hinab von dem Kamm und auf einer Seite der Landzunge am Wasser entlang. Der Weg ist sandig, der Wind wühlt Wellen auf dem See auf, die harsch gegen das Ufer branden. Man fühlt sich fast wie an der See. Dann erreichen wir die offene Wildnishütte am Ruktajärvi. Wir sind neugierig und erkunden den Platz: Es gibt eine Schlafhütte, ein Holzlager, ein kleines Müllhäuschen, eine Komposttoilette und ein offenes Shelter.

Shelter in Ruktajärvi

Shelter am Ruktajärvi

Im Windschutz des Shelters können wir etwas auruhen, die Sonnenstrahlen genießen, die gerade zu uns durchdringen, auf den ruhigen, unbewegten See blicken und unseren Gedanken nachhängen. Die ersten 12km liegen nun hinter uns.

Blick auf den See bei Ruktajärvi

Blick auf den Ruktajärvi

Als die Sonne wieder hinter Wolken verschwindet, wird es Zeit wieder loszuziehen: 6km trennen uns nun noch von unseren heutigen Übernachtsungsort, der Hütte in Njávgoaivi. Zunächst führt der Weg noch sandig und mit Wurzeln der Birken neben uns durchsetzt durch einen lichtes Birkenwäldchen. Dann entlässt uns das kleine Wäldchen in die offene Fjelllandschaft. Wieder zerrt der Wind an uns. Die Sami, Volk der Sonne und des Windes, das ergibt plötzlich sehr viel Sinn für mich. Mein Rentierhund scheint in seinem Element, eifrig und aufmerksam schreitet Frau Vierpfote voran. Dann haben wir die Hütte erreicht, es ist erst 17.15 – ein langer Abend liegt vor uns. Wir machen es uns erstmal in der Hütte gemütlich und sind froh, hier Schutz vor der Kälte draußen zu finden.

Njávgoaivi open wilderness hut

Njávgoaivi open wilderness hut

Wir beobachten auf dem Thermometer vor dem Hüttenfenster, wie die Temperatur langsam sinkt. Irgendwann sind es noch weniger als vier Grad. Wir sind müde, es gibt nichts mehr zu tun, wir gehen früh zu Bett.

Tag 2: Njávgoaivi – Fiellogahjohka (38,5 km)

Wir erwachen früh, draußen wird es hell. Als wir um 7.30 loslaufen ist der Morgen noch etwas neblig, aber die Luft klar. Bald kommen wir zu einer ersten Stelle, an der wir ein Gewässer passieren müssen. Ruhig liegt plätschert der Njávgoaijohka vor uns seinen Flusslauf entlang.

kleiner Flusslauf

erste Gewässerquerung durch den Njávgoaijohka

Der Fluss ist zwar weder besonders breit noch tief, doch genug Trittsteine für trockene Füße gibt es nicht. Ich ziehe also meine Schuhe aus und wechsel zu Trakkingsandalen. Herr Zweibein läuft in seinen Barfußschuhen einfach so durch den Fluss. Das Wechseln der Schuhe ist irgendwie nervig zeitraubend, wie ich finde. Es will nicht so richtig warm werden an diesem Morgen und so suchen wir, als wir nach 7,5km bei Áhkojoga gámma angekommen sind, in einem Erdhügel-Shelter Zuflucht und zünden uns drinnen ein Feuer ein.

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Shelter bei Áhkojoga gámma

Als wir weiterlaufen, klart es immer mehr auf. Unser Weg führt jetzt steil hinab zum Čeavrresjohka. Ich entscheide mich, diesmal nur die Socken auszuziehen. Das geht immerhin schneller. Nach etwas sumpf und recht flachen Bachläufen, führt der steinige Weg nun kilometerweit über offene Fjelllandschaft und kleinere Geröllfelder. Dann zeichnet sich die Kuivi Hütte am Horizont ab. In der Weite der Landschaft ist sie von weithin sichtbar. Wir passieren auf Steinen den seichten Kamajohka und haben um 13.00 die Hütte erreicht. Nun liegen die ersten 17,5km des Tages hinter uns. Bei einer Tasse Tee und ein paar Snacks reden wir über den weiteren Tag. „Wie weit ist es denn noch zur nächsten Hütte?“, frage ich Herrn Zweibein. „Moment, ich schau mal nach. Hm, so zwischen 12 und 14 km.“ „Es ist ja noch so früh, und heute steht ja nur noch der Gipfel des Kuivi auf dem Plan. Das sind 8km, da brauchen wir nur noch 2 Stunden für.“ „Wir können den Gipfel auch auslassen und zur nächsten Hütte laufen…“ Als Herr Zweibein in meine Augen blickt, merkt er jedoch, dass das nicht meine Hintergedanken waren: „Ne, also Hütte oder Berg.“, sagt er. „Na, dann Berg, immerhin ist der Trail nach dem Berg benannt, es ist bestimmt schön da oben.“ Eine gemütlichen Mittagspause und viele Steine später stehen wir dann auch gegen 15.00 auf dem Gipfel des Kuivi.

Auf dem Gipfel des Kuivi

Auf dem Gipfel des Kuivi (641m)

Von hier oben genießen wir eine Rundumsicht über die Weite Lapplands. Hier ist nichts, außer Bergen, Hügeln, ein paar Farbtupfern. Keine Stadt, keine Autos, kein Mensch weit und breit. An diesem Tag haben wir in der Nähe des Flusses eine Wanderin getroffen, sonst sind wir bisher niemandem begegnet – abgesehen von einigen Rentierherden. Die ruhige Stille des weiten Landes beeindruckt.

Blick in die Weite

Blick in die Weite

Als wir wieder hinabsteigen, kommt wieder ein Gespräch auf. „Du, ich hab überlegt, wenn wir jetzt noch den ganzen Nachmittag Zeit haben, dann versuch ich mal in dem Fluss bei der Hütte baden zu gehen. Danach kann man ja in der Hütte wieder aufwärmen“, sage ich zu Herrn Zweibein. „Hm, ich hab gerade etwas ganz anderes überlegt“, kommt es zurück, „wir könnten ja vielleicht doch zu der nächsten Hütte laufen, immerhin wird es gerade mal 16.00 Uhr sein, bis wir wieder an der Hütte zurück sind und was machen wir dann den ganzen Abend? Der war gestern schon so lang und da waren wir eine gute Stunde später an der Hütte. Außerdem: Die Sonne scheint und wir haben bestes Wanderwetter“. Wir wägen die Fakten ab: Wenn wir wieder an der Hütte sind, liegen 25,5 km hinter uns, 13 müssten wir zur nächsten Hütte noch laufen. Das hieße an diesem Tag 38,5 km zu laufen… Wieder an der Kuivi Hütte entscheiden wir: Wir werden laufen. Wir schultern also wieder unsere Rucksäcke, die wir für den Hin- und Zurückweg auf den Berg in der Hütte gelassen hatten, passieren wieder den Kamajohka und ziehen los.

Blick von der Kuivi Hütte über den Kamajohka

Blick von der Kuivi Hütte über den Kamajohka

Die Nachmittagssonne meint es gut mit uns und taucht die Landschaft um uns in ein zart-goldenes, verträumtes Licht. Der Weg wird irgendwann sumpfiger, doch nette Menschen haben den Sumpf mittels Planken gut passierbar gemacht. Das tut auch mal gut, nicht auf Füße und Weg schauen zu müssen, sondern einfach vor sich hin laufen zu können.

Sumpflandschaft in spätem Nachmittagslicht

Sumpflandschaft in spätem Nachmittagslicht

Fjelllandschaft und Birkenwäldchen wechseln sich ab. Als wir uns dem Punkt nähern, an dem wir auf den Kevo-Trail stoßen, wechselt die Landschaft jedoch etwas: Immerwieder geht es steil in Täler hinunter und auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinauf. Als die Abendsonne an Kraft verliert und für uns erstmal hinter einem Bergrücken verschwindet, treffen wir auf den Kevo-Trail. Nun sind es noch 3km bis zu der angesteuerten Hütte. Wir schlagen ein rasches Tempo an, wir wollen nur noch ankommen. Doch als wir eine Wandererin treffen, merken wir: Diese Hütte hat nichts mit den ruhigen, einsamen, bisherigen Hütten zu tun. Und als wir dann nach einem knackigen, steilen Abstieg, an der Hütte ankommen, treffen wir mehr auf einen belebten Rast- und Zeltplatz. An einen Platz in der Hütte ist gar nicht erst zu denken. Ganz hinten in dem Tal am Fiellogahjohka finden wir einen Zeltplatz. Wir zünden erstmal ein Feuer an, wärmen und trocknen uns. Trotz einigen Planken sind etwas nasse Füße an den sumpfigen Stellen nicht zu vermeiden gewesen.

wärmendes Feuer

wärmendes Feuer

Immerhin können wir unser Zelt auf Paletten aufbauen, die es hier zu diesem Zweck gibt. So haben wir einen federnden Untergrund und keine bohrenden Wurzeln oder Steine im Boden. Als wir uns in unsere Schlafsäcke kuscheln, rauscht im Hintergrund kontinuierlich der Wasserfall, zu dessen Fuße wir uns befinden.

Tag 3: Fiellogahjohka – Parkplatz Sulaoja (30 km)

Nach einer eisigen Nacht kommen wir diesmal nicht ganz so früh in die Gänge wie am Vortag. Erster Tagesordnungspunkt: Den Fiellogahjohka queren. Bis fast zu den Knien reicht uns das kalte Wasser. Die Schuhe zu wechseln habe ich mir diesmal gespart. Die Sonne scheint und die Schuhe sind recht schnell trocken zu laufen. Auf die Flussquerung folgt ein zackiger Anstieg, dann können wir einen Ausblick auf den Wasserfall und die andere Flusseite, auf der das Lagerareal liegt, genießen.

Blick auf den Fiellogahjohka, seinen Wasserfall und die andere Flussseite (Lagerstätte)

Blick auf den Fiellogahjohka, seinen Wasserfall und die andere Flussseite (Lagerstätte)

Wir laufen weiter flott: Einerseits um die Schuhe zu trocknen, andererseits um die vielen Menschen zu passieren. Wir überholen zwei tschechische Wanderer, mit denen wir am Vortag kurz geredet hatten. „Na, heute wieder 38km?“, fragt die Frau. „Ne, heute nur 28“, antworten wir. Die Frau nimmt das zur Kenntnis und sagt zu ihrem Begleiter gewandt: „Die sind wahnsinnig“. Der Weg führt zunächst immer wieder in kleine Täler und auf der anderen Seite wieder hinauf. Dann laufen wir durch Birkenwald direkt an der Schlucht des Kevo-Canyon entlang. Die Sonne scheint. Es ist fast schon warm. Dann führt er Weg wieder in offene Fjellandschaft. Das bedeutet wieder mehr Steine als festen Boden unter den Füßen. Immerhin haben wir aber jetzt schon länger wieder unsere Ruhe. Eigentlich wollten wir die ersten 18km des Tages quasi am Stück durchlaufen, und dann eine lange Pause bei Ruktajärvi einlegen – der Hütte von der aus, der uns schon bekannte Weg wieder zum Parkplatz zurückführt. Doch das war etwas zu vermessen geplant und so machen wir an einer geeigneten Stelle eine kurze Mittagsrast.

kleine MIttagsrast am Fluss

kleine Mittagsrast an einem Fluss durchs Fjell

Nach der Rast kommen wir auch wieder zügiger voran. Endlich können wir das Fjell hinter uns lassen und bekommen wieder mehr Boden unter den Füßen zu spüren. Dann geht der Weg wieder etwas abwärts und die Landschaft ändert sich noch mehr: Es wird wieder farbiger, wir laufen auf sandigem Boden zwischen Birken. Ein kleiner steiler Abstieg, dann kommen wir an dem Zeltplatz Geavvogeašláttu vorbei. Der beschaulich zwischen zwei kleinen Seen liegt, die mit einem Bachlauf verbunden sind.

am Zeltplatz Geavvogeašláttu

am Zeltplatz Geavvogeašláttu

Nun sind es noch 3km über leicht zu laufenden, meist sandigen Boden, dann haben wir Ruktajärvi erreicht. Nun haben wir über die Hälfte der Tagesetappe geschafft. Von hier sind es „nur noch“ 12km bis zum Auto zurück. In der Hütte ist niemand, nur das Shelter ist besetzt. So kehren wir in die Hütte ein und machen erstmal ein Feuer im Kamin an. Dann erfrischen wir uns bei vielleicht 8 Grad Außentemperatur im nahegelegen See und wärmen uns anschließend am eingeheizten Ofen wieder die Füße. Außerdem finden wir Zwiebeln und Kartoffeln in der Hütte. Aus denen zaubern wir uns nun Bratkartoffeln: Kokosöl habe ich sowieso zur Hautpflege dabei, jetzt kann es als Bratfett dienen. Salz fehlt allerdings, wir nehmen dafür einfach gesalzene Erdnüsse.

Bratkartoffeln

Bratkartoffeln aus Hüttenfunden

Gestärkt, erfrischt und erholt ziehen wir nach dieser ausgiebigen Rast wieder los. Das letzte Wegstück erscheint uns nun als ausgiebigerer Nachmittag-/Abendspaziergang. Wir laufen weiter auf Sandboden den See entlang, dann führt uns eine kleine kurze Treppe wieder auf den langen Kamm zwischen den beiden Seen.

"Aufstieg" auf den Kamm zwischen den Seen

„Aufstieg“ auf den Kamm zwischen den Seen

Der Weg über den Kamm verläuft in sanften Wellen über sandig-steinigen Untergrund. Diesmal ist die Sicht ist gut: Das Wasser glitzert zu beiden Seiten des Kammes unter uns. Die tiefstehende Sonne fällt durch die Birken, und verzaubert mit ihrem besonderen Licht den weiteren Weg.

Birkenwäldchen in später Nachmittagssonne

Birkenwäldchen in später Nachmittagssonne

Als die Sonne ihr letztes, schönes Abendlicht zur Erde wirft, sind wir wieder am Parkplatz angekommen. Plötzlich haben wir es geschafft: 86,5 km Weite und Wildnis Lapplands liegen hinter uns. Plötzlich haben wir wieder ein Auto, nicht nur einen Rucksack. Das fühlt sich noch ein wenig unwirklich an, und auch, wenn wir alles gelaufen sind, müssen wir erst richtig ankommen.

zurück am Parkplatz zum Kevo Nature Reserve

zurück am Parkplatz zum Kevo Nature Reserve

Colourful Autumn

Am Abiskonational angekommen, erkunden wir zunächst kurz das Infozentrum. Eine gute Idee, wie sich herausstellt: Die angelegten Wege wurden neu markiert, das in unserem Wanderführer beschriebene Wegzeichen ist also nicht mehr aktuell. Wir finden heraus, dass wir uns statt an die gelbe Blume an drei diagonale Punkte auf orangenem Grund halten müssen. Wir beginnen unseren Weg auf dem „Naturstin“ und tauchen ein in eine bunte, herbstliche Welt. Neben uns rauscht der Fluss, die Luft schmeckt nach Herbst. Schnell fällt uns auf: In Schweden werden sumpfige Passagen weitaus großzügiger mit Planken ausgestattet, so dass wir trockenen Fußes laufen können.

Auf gut gangbaren Pfaden in den Abisko

Auf gut gangbaren Pfaden in den Abisko

Der Weg ist leicht gangbar, wir kommen zügig voran. Dann tut sich vor uns ein tolles Panorama in Richtung der Berge auf. Gerade hier, wo der Fluss eine kleine Biegung macht, und die Berge in den Blick kommen, laden uns zwei Steine in passender Sitzhöhe zur Mittagrast ein. Viel schöner kann man wohl keine Brote schmausen.

herbstliches Panorama

herbstliches Panorama

Jetzt biegt der Weg vom Fluss ab. Frau Vierbein freut sich über den Weg, denn sie hat vor Kurzem herausgefunden, dass es hier in der Gegend leckere Beeren gibt. Diese sucht sie nun nebenher, zupft immer wieder zielsicher eine ab und lässt diese in ihrem Mund verschwinden. Wir laufen an einem See vorbei. Still und verträumt liegt er dabei. Er strahlt unheimlich viel Ruhe aus.

See Name

Vuolip Njágajárvi

Schon sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Die acht Kilometer vergingen wie im Flug – und ein bisschen auch wie im Traum. Wir sind noch unternehmungslustig und laufen weiter um den Canyon des Abiskojåkka zu erkunden. Dreißig Meter hat sich der Fluss hier in den Schieferstein eingegraben.

Schlucht

Abiskojåkka Canyon von oben

Zunächst schauen wir von oben hinunter, dann überqueren wir eine Brücke. Nun kann man auch den Torneträsk, in den der Abiskojåkka mündet, sich in der Ferne abzeichnen. Wir steigen wir auf einem kleinen Weg eine Etage tiefer. So kann man ein bisschen in den Canyon eintauchen. sehen.

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Abiskojåkka Canyon – „halbe Etage“

Für unseren weiteren Weg müssen wir wieder über die Brücke. So schwindelsicher Frau Vierbein sonst ist, diese Brücke ist ihr nicht geheuer. Während Herr Vierbein locker und fröhlich vorausläuft, schleicht sie auf halber Höhe über die Brücke.

Chili findet das suspekt

so eine doofe Brücke

Wir laufen weiter den Abiskojåkka entlang und erkunden den Flusslauf. Der Canyon liegt nun hinter uns und wir laufen auf einen wasserumspülten Felsen. Richtung See haben Menschen Steintürmchen im Wasser aufgebaut.

Blick

„im“ Abiskojåkka

Unser Weg führt uns wieder etwas weg vom Flusslauf. Wir laufen an niedrigen Birken vorbei. Das Farbspiel nicht nur an den Bäumen, sondern auch am Boden ist faszinierend. Die satten Rottöne in ihren unterschiedlichen Nuancen ziehen mich in ihren Bann.

Farbenspiel

buntes Farbenspiel

Dann haben wir den Torneträsk erreicht. Am schmalen Sandstrand fühlen wir uns fast wie am Meer. Wir testen das Goretex unserer Schuhe und waten durch verästelte Wasserläufe über kleine Inselchen, während die Hunde am Strand entlang toben. Schwimmen wird wohl nie ihres, aber durch’s Wasser fetzen, das ist für sie eines der besten Dinge, die man sich vorstellen kann.

Toben vor eindrucksvoller Kulisse

fast wie am Meer

bright views, wood and sun

Wir müssen zum Einkaufen fahren und beschließen, wenn man sowieso 40 Minuten einfache Fahrt hat, aus der Einkaufsfahrt  einen ganzen Ausflug zu machen und vor Ort noch eine schöne, ausgedehnte Runde laufen zu gehen. Dazu suchen wir beim Frühstück in einem Online-Portal einen ansprechenden Weg heraus. Der Mjøastigin (M7) verspricht mit 6,7km Länge und knappen 400hm schöne Ausblicke und einen für die Region typischen Wald. Das klingt nach einer passenden Tour für das Zeitfenster. Wir steuern also den Parkplatz zum Wandergebiet Kåsen in Oppdal an. Der Weg ist gleich angeschrieben, wir legen los und kommen an einigen Jugendgruppen vorbei. Doch bald schon stehen wir etwas ratlos an zwei Wegweisern, die beide ein Wandersymbol haben, aber nicht verraten, auf welchen Weg sie sich nun beziehen. Wir wir kurz darauf mit der App prüfen, haben wir uns richtig entschieden und werden nach einem kurzen, aber knackigen Aufstieg mit der angekündigten wunderbaren Sicht über Oppdal und das die Stadt umgebende Tal bis hin zu den Bergen des Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark belohnt.

Blick über Oppdal

Blick über Oppdal

Beim Anblick der Stadt stellen wir mal wieder fest, wie viel Platz es hier eigentlich gibt und wie wenig gedrängt die Menschen daher wohnen. Ein deutsches Stadtbild würde sich wohl zumeist anders darstellen.

Blick weiter Richtung Nationalpark

Blick weiter Richtung Nationalpark

Wir laufen weiter an der Bergflanke des Allmannberget entlang, der Wald wird deutlich lichter und wir freuen uns über die Sonne, die warm und angenehm unsere Haut bescheint. Wir erkunden eine kleine Schutzhütte und betrachten auch heute die Naur ganz genau. Frau Hund leistet dabei Gesellschaft. Allerdings beschnuppert sie alles ganz genau um zu beurteilen, ob die Beeren, die hier überall wachsen, ihr munden könnten.T38B03Für lila Blümchen allerdings hat Frau Vierpfoter keinen Sinn und erachtet Pausen an diesen für sonnlos. Frau Zweibein allerdings erfreuen die Pflanzen dafür umso mehr.T38B04Dann endet die lichtere Passage wieder und der Wald wird wieder dichter. Ein traumhaftes Lichspiel aus Sonne und Schatten ergibt sich, begleitet von einer Melodie aus Schafsglocken und Wasserfall. Nun führt der Weg wieder abwärts. Wir pflücken uns ein paar Heidelbeeren, beobachten, wie uns die gut getarnten Schafe beobachten und staunen über riesige Ameisenhügel.

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Weiter in der Ebene angekommen, müssen wir dann noch das ein oder andere Hindernis überwinden. Anders als über steile „Holztreppen“, an denen die Latten weit auseinanderstehen, sind die Drahtzäune hier nicht zu überqueren. Ein Glück, dass wir so kleine Hunde haben, die man an solchen Stellen gut heben kann. Voll schöner Waldeindrücke kommen wir schließlich zufrieden am Auto an: So viel Grün und Sonne, das schmeichelt der Seele und schafft ein Gegengewicht nach so vielen Tagen mit Steinen und Kälte .

Around the Snøhetta and on the top

Wir haben ein paar Tage frei. Unser Ziel: Den Snøhetta, Norwegens zweithöchsten Berg, besteigen und etwas im Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark wandern gehen.

Wir wandern am Mittwoch bei herrlichstem Wanderwetter morgens gegen halb zehn in Kongsvold los. Unser Weg führt uns über die Driva, vorbei an Infotafeln über den Nationalpark und über Moschusochsen. Dann geht es auch gleich ein gutes Stück bergauf. Als wir den ersten Anstieg gemeistert haben, laufen wir auf einem Bergplateau und immer mit Aussicht auf den Snøhetta.

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Das Glück ist auf unserer Seite. Nicht nur das luftige, sonnige Wetter passt gut zu einer Wanderung, bald schon können wir auch Moschusochsen sehen. Sie stehen etwas entfernt. Doch einige Zeit später treffen wir auf eine zweite Gruppe. Sie ist so nah, dass wir lieber vom Weg runtergehen, um die Moschusochsen zu umrunden. Anlegen wollen wir uns mit diesen Tieren sicher nicht.

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Wir kommen gut voran und legen Kilometer um Kilometer zurück. Der Weg wird zunehmends schmaler, der Snøhetta kommt sichtbar näher. Wir freuen uns, wie gut man ihn sehen kann. Hat sich doch sein Gipfelkamm die letzten Wochen und Tage immer wieder in Wolken gehüllt. Doch heute ist die Sicht klar und je näher man kommt kann man auch die Gipfelstation erspähen.

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Nach 3 Stunden Wanderung und guten 10 km Weg legen wir eine kurze Mittagsrast ein. Die Sonne bescheint meistens unsere Haut. Es weht ein mäßiger, aber recht kühler Wind. Wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, wird es fühlbar kälter. Optimales Wetter für eine Wanderung und gleichzeitg ein Wetter, das die Länge der Pausen überschaubar bleiben lässt.

T25B04Je weiter wir kommen,desto öfter müssen wir Furten und kleinere Bäche passieren. Manchmal reichen große Schritte, aber meistens balancieren wir über Steine, die in den Furten natürlicherweise verteilt liegen.

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Die Gegend wird langsam karger. Wir kommen an einem Bergsee und an schroffen Berghängen vorbei, die etwas an überdimensionale Schildkrötenpanzer erinnern. Durch ein kleines Felsenmeer schlängeln wir uns schließlich nach Reinheim. Insgesamt sind wir ungefähr 15km unterwegs als wir die Selbstversorgungshütte erreichen.

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Wir legen einen kurzen Stopp ein und erkunden, was so eine norwegische Hütte zu bieten hat, und genießen die Blicke ringsum und zurück auf die schroffen Berghänge, die wir gerade passiert haben.T25B07

Dann ziehen wir weiter in Richtung Åmotdalshytta. Auch, wenn hier in Reinheimen schon ein Schild den Weg Richtung Snøhetta weist, wir haben uns für einen anderen Weg entschieden. Wir wollen um den Snøhetta herum laufen und ihn von hintern besteigen.

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So führt uns unser Weg tiefer in die Berge und den Nationalpark hinein. Zunehmend wird es immer karger und steiniger. In einiger Entfernung links neben uns liegt die Flanke des Snøhetta. Der Wind trägt immer wieder etwas von der Kälte des Schnees zu uns hinüber.

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Dann führen markierte Steine über einen kleineren Bergrücken. Ein Weg im klassischen Sinne ist in den ganzen Steinen nicht auszumachen. Manchmal müssen wir ganz schön klettern und sind froh, so geschickte Hunde an unserer Seite zu haben.

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Als wir den Bergrücken passiert haben und wieder tiefer ins Tal kommen, können wir sehen, wie sich in der Ferne Umrisse wilder Rentiere abzeichnen. Als wir uns weiter nähern, entdecken sie uns auch und entschließen sich zur Flucht. So können wir sie zählen: Ungefähr acht Rentiere galoppieren die gegenüberliegende Bergflanke entlang. Wir laufen weiter über Steine und Geröll. Vor uns liegt nun ein breites Tal, umsäumt von Bergketten. Es ist einsam und karg hier. Je länger wir laufen, kühlt es merklich ab und so beschließen wir nach knapp 23 km unser Nachtlager aufzubauen. Während Herrchen das Zelt aufbaut, dösen die Hunde schonmal und bewachen die Rucksäcke.

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Dann steht es: Unser Domizil auf Zeit. Irgendwo mitten im Nirgendwo. Mitten in den norwegischen Bergen bietet es uns ein Heim für diese Nacht.

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Der Abend meint es gut mit uns. Später zeigen sich noch ein paar schöne Blicke über die Berge im Glanz der gemächlich untergehenden Sonne.

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In der Nacht rüttelt der Wind immer wieder an unserem Zelt und wir hören von Zeit zu Zeit Regentropfen auf die Zeltplane fallen. Wir sind froh, dass es im Zelt gemütlich und trocken ist. Nach dieser rauen Nacht empfängt uns ein grauer, sehr windiger Morgen. Tiefer, dicker Nebel hängt um die Berge. Trotzdem machen wir uns auf den Snøhetta zu erklimmen. Auf unserem Weg hinauf sehen wir lange Zeit nichts außer Steinen, roten Wegmarkierungen und Nebel. Man hat kein Gefühl, wie lange man schon durch diese gefühlt endlose Steinwüste läuft. Nur der Blick auf die GPS-Karte sagt einem immer wieder, dass man wohl doch vorankommt und Stein um Stein die 1000 Höhenmeter abarbeitet, die es bis zum Gipfel an diesem Tag zu erklimmen gilt.

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Als wir schon etwas an Höhe gewonnen haben, bricht immer wieder der Nebel in unserem Rücken auf und wir können immer wieder kurze Aussichten erhaschen.

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Über uns zieht sich der Nebel jedoch zu. Es wird kälter, je höher wir kommen. Irgendwann werden die endlos scheinenden Steine von Schnee unterbrochen. Steine und Schnee wechseln sich fortan ab. Wüssten wir nicht, dass der Berg eine Spitze hat, würde es scheinen, als ginge es unendlich bergauf. Dann haben wir den Kamm des Snøhetta erreicht. Rechts und links von uns fallen die Seiten schroff ab. Allerdings sehen wir nicht weit, nur die abfallende Wand neben demm Kamm auf dem wir laufen, daneben Nebel. Der Kamm ist breit genug um schwindelfrei und mit gutem Gefühl vorwärts laufen zu können. Irgendwann zeichnet sich im Nebel vor uns ein Gebäude ab und wir wissen: Wir nähern uns dem höchsten Punkt des Snøhetta. Gegen vier Uhr nachmittags haben wir den Stortoppen mit 2286 moh erreicht. Wir beschließen, erstmal einen heißen Tee zu kochen. Währenddessen lichtet sich auch der Nebel. Nach und nach können wir Fetzen von Bergen erkennen und immer wieder zeigt sich flüchtig ein Panorama.

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Bis wir uns ans Absteigen machen hat sich der Nebel dann weitestgehend gelichtet: Wir können jetzt rundum in die Ferne blicken. Mit diesem Weitblick vor Augen geht es nun immer tiefer hinab. Wir passieren eine Höhenlinie nach der anderen bis wir irgendwann kurz vor Reinheim beschließen unser Zelt aufzubauen. Gerade rechtzeitig: Als wir im Zelt sitzen, plätschert es nur so vom Himmel. Die nasse Nacht geht nahtlos in einen nassen Morgen über. Den größten Teil unseres Rückweges nach Kongsvold regnet es. So bleibt uns nichts anderes übrig als stetig voran zu wandern. Es wird sofort kalt, wenn man etwas länger stehen bleibt. Nach mehreren Stunden durch den Regen maschieren, lichtet sich nach und nach der Himmel ein wenig und als wir gegen 14.20 wieder unser Auto erreichen, scheint wieder die Sonne.

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Vårstigen

Eigentlich wollten wir schon seit ein paar Tagen den Vårstigen laufen, aber das Wetter hielt uns immer wieder davon ab. Da eh auch Büroarbeit anstand, erledigten wir bei Wind und Regen lieber diese, als eine Wanderung zu unternehmen. Gestern Abend entschieden wir dann: Morgen gehen wir, der Wetterbericht scheint uns einigermaßen gewogen, und egal, was das Wetter morgen macht, wir gehen.

Wir fahren zeitig zu unserem Ausgangspunkt. Der Wetterbericht hat gutes Wetter vor allem für den Vormittag angesagt und wir wollen auch nicht in Zeitnot kommen. Als wir loslaufen, nieselt es. Durch einen kleinen Tunnel, der dem Geruch nach wohl gerne von den freilaufenden Schafen als Unterstand genutzt wird, passieren wir die E6 und befinden uns auf dem Vårstigen – dem ehemaligen Weg durch das Drivatal, bzw. das Dovrefjell. Hier liefen Pilgerer und Könige lange bevor es die ausgebaute Straße unten im Tal gab.

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Infotafel am Anfang des Weges

Der Weg beginnt mit einem Aufstieg zum höchsten Punkt der Tour. Während wir stetig an Höhe gewinnen, fängt es stärker an zu regnen. Die Aussicht von oben zeigt sich daher wolkenverhangen und eher düster. Nun führt der Weg erstmal bergab, dann wieder bergauf. Die Pfade sind vom vielen Regen wasserüberspült und die glatten Steine, über die das Wasser fließt, daher zeitweise recht rutschig. Als die Sonne kurz durchbricht, laufen wir an einem Regenbogen entlang. Kurz darauf wird es laut und wir nähern uns einem Wasserfall. Recht rasch nach dem Wasserfall trennen sich der Vårstigen und der Pilgerweg, die bis hierher gemeinsam verliefen, und für uns beginnt ein längerer Abstieg. Immer wieder müssen wir genau aufpassen, wohin wir treten, denn die Steine sind glatt und rutschig. Schilder erklären derweil etwas über den einstigen Weg, so auch als wir an zerfallenen Berghütten vorbeikommen.

verfallene Berghütte

verfallene Berghütte

Dann wird der Weg steiler und bald zeigt sich uns eine schöne Aussicht über das Drivatal. Es zieht langsam auf und wird etwas klarer.

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Blick das Drivatal entlang, Richtung Endpunkt des Vårstigen

Am Zielpunkt des Vårstigen angekommen, beschließen wir nicht auf einem Parkplatz an der E6 rasten zu wollen. Wir laufen also kurz an der E6 entlang und können dann auch schon Richtung Driva abbiegen. Wir erobern eine kleine Kieselzunge – perfekt für eine Rast. Die Hunde dürfen sich die Beinchen ausrennen und nutzen die Gelegenheit nach Herzenslust zu toben.

"Hasch mich"

„Hasch mich“

"Nö, ich hab selber Spaß"

„Nö, ich hab selber Spaß“

"Da hat's doch geknistert"

„Da hat’s doch geknistert“

Als die Hunde sich etwas ausgetobt haben, ist es Zeit für eine kleine Stärkung für alle. Und dann gilt es auch schon den Rückweg anzutreten, denn unser Auto fährt uns leider nicht selbstständig abholen. Der Rückweg jedoch lohnt sich. Die Sonne zeigt sich und nach einigen Metern erhaschen wir einen hübschen Blick zurück auf unseren Rastplatz an der Driva.

Auf der kleinen Landzunge im Hintergrund haben wir gerastet

Auf der kleinen Landzunge im Hintergrund haben wir gerastet

Nun geht es den vorherigen Abstieg wieder hinauf. Aufwärts lässt sich der nasse Weg jedoch wesentlich besser treten. Manchmal wirkt es zwar mehr als laufe man ein kleines Bachbett entlang denn auf einem Weg, aber irgendwann hat man sich daran gewöhnt. Und manchmal wird auch aus einem eigentlich befestigten Weg ein kleiner Balanceakt.

kaputter Steg

kaputter Steg

Sonnenbeschienen wirkt der Weg ganz anders. Lauschiger irgendwie. Die Sonne bricht durch die Birkenwäldchen und wärmt kräftig die Haut. Verschlungen und knorkig wachsen die Birken hier, so wie es die Witterungsbedingungen eben zulassen. Neben uns ragen lila Blumen in die Höhe, einige sind so hoch wie wir selbst.

Blumen und Birken zieren den Weg

Blumen und Birken zieren den Weg

Die Buchenwälder werden nur von den unzähligen Wasserfällen unterbrochen, die wir passieren und die unseren Weg mit ihrem Rauschen aus den unterschiedlichsten Richtungen begleiten. Sie bieten willkommene Erfrischung für Zwei- und Vierbeiner.

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mit einigem Getöse fällt das Wasser den Hang hinunter

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manche Weghilfen, wie diese Brücke, sind auch in bester Ordnung

Dann wir der Weg steiler. Wir nähern uns wieder dem höchsten Punkt. Als wir oben sind, können wir eine Aussicht genießen, die sich gänzlich anders zeigt, als noch ein paar Stunden zuvor.

Blick die Bergflanke entlang, die wir entlang und hoch gewandert sind

Blick zurück, rechter Hand die Bergflanke, die wir entlang und hoch gewandert sind

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Einblicke in den Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark

Insgesamt sind wir knapp 5 Stunden unterwegs und legen gut 12 km plus einiges an Höhenmetern zurück. Wen näheres zu der Tour interessiert, kann hier schauen: http://turapp.no/oppdal/tur/?id=1139&l=en-GB

at an ancient mine

Wir fahren morgens, wie am Abend zuvor beschlossen, los nach Folldal. Von der Folldal Gruver dort soll es schöne Wanderwege geben, so hatte uns eine Infotafel in der Nähe von Hjerkinn vor ein paar Tagen verraten. Wir kombinieren unseren Ausflug mit einem kleinen Einkauf. Möglichkeiten zum Einkaufen muss man nutzen und die letzten Rübchen und Karotten waren schon als Proviant verplant. So sorgen wir zunächst vor allem für Obst- und Gemüsenachschub. Dann fahren wir weiter zur Folldal Gruver. Die Mine war einst ein eigenständiger Ort, nun ist sie stillgelegt. Wir sehen uns zunächst ein bisschen auf dem Gelände um.

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Aussicht vom Parkplatz

In einem Infopunkt nehmen wir einen Plan zu den angelegten Wegen mit und besuchen eine kleine Ausstellung. Sie zeigt die Mienenarbeit von einst und das Wildleben des heutigen Naturschutzgebietes. Wir müssen nicht lange überlegen und entscheiden uns für den längsten Weg: Der grüne Weg 4 hat knapp 12km, wird als leicht gangbar und landschaftlich reizvoll beschrieben.

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Ein Blick auf die Karte

Zunächst sind wir kurz etwas orientierungslos und laufen kurz in die falsche Richtung. Wobei das natürlich nicht stimmt, denn wer mit einem Geographen zusammen wandert, der läuft natürlich nicht einfach mal in die falsche Richtung los, sondern erkundet die Gegend. Die Ausblicke vom alten Bergwerksgelände aus haben etwas Skurilles: Alte Industrie vor einer spektakulären Bergkulisse.

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Industrie und Gebirge

Dann haben finden wir den Wegweiser und laufen auf gut hergerichteten Wegen los. Wir passieren, eine Wildschranke im Boden. Die Hunde müssen sich etwas über die großen Abstände der Rohre kämpfen, aber sie sind ja beweglich und geschickt. Zunächst ist es waldig, doch je höher wir kommen, desto mehr nehmen die Bäume ab. Sie stehen nur noch vereinzelt und klein, dann gar nicht mehr. Dafür wachsen nun wieder verstärkt Flechten und Moose, die in ihrer Gleichförmigkeit eine weite Landschaft formen.

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Moos und Flechten soweit das Auge reicht

Zur Weite der Landschaft tragen neben den sich lang erstreckendenden Moos- und Flechtenlandschaften natürlich auch die Ausblicke bei, die umso interessanter werden je höher wir kommen.

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Ausblick

Wir sind erstaunt, wie gut man hier auf „beworbenen“ Touristenrouten laufen kann, ohne groß Menschen zu treffen. Ein Jogger hatte uns bei unserem kleinen Aufstieg überholt, sonst haben wir bisher noch keine Menschenseele gesehen. Nur Schafglocken läuten immer wieder aus verschiedenen Richtungen.

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noch mehr Blick

Wir nähern uns einem kleinen, gestauten Bergsee und einem lustig daneben sprudelnden Bergbach. Hier füllen wir unsere Wasserflasche auf. Das hatten wir zuhause vergessen, aber zum Glück gibt es hier ja fast überall frisches Wasser, das man einfach aus dem Fluss schöpfen kann, wenn man unterwegs ist. Das ist toll, denn so muss man kein Wasser mit sich herumschleppen.

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Gebirgsbach

Auch den Vierbeinern gefällt es, dass sie unterwegs immer wieder ihre Füßchen kühlen und ein paar Schluck trinken können. Jedes Wasser, an dem wir vorbeikommen, muss zumindest durchlaufen werden, und eigentlich muss auch immer wenigstens kurz die Zunge hineingetaucht werden.

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Herr und Frau Hund besetzen das Brückchen

Als wir weiterlaufen, passieren wir tatsächlich den Weg von zwei Menschen. Dann sind wir wieder alleine. Der Weg, auf dem wir bisher nebeneinander laufen konnten, wird nun recht schmal, so dass wir hintereinander gehen. Für die Hunde ein Zeichen, sich mehr in die Leinen zu legen. So laufen wir stumm vor uns hin, bewundern Landschaft und Vegetation. Das Wetter ist angenehm: Sonne, aber auch immer wieder Wolken, die für kurze Zeit Schatten spenden und ein leichter Wind. Der Weg führt nun weiter abwärts und vereinzelt stehen wieder Bäume zwischen Moss und Flechten.

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Natureinblicke

Dann passieren wir einen kleinen Fluss und befinden uns in einem kleinen, lichten Waldstück. Es führt uns auf eine Wiese mit einem kleinen Ensemble von Hütte verschiedener Größe. Mitten aus dem Gras ragt ein großer, runder Stein hervor. Herr Hund legt sich rasch zu dessen Füßen ins Gras, während Frauchen ein Foto macht und so beschließen die Zweibeiner auf dem Stein eine Rast einzulegen. Die Hunde finden das auch gut und fressen genüsslich etwas von der Karotte, die wir eigentlich für uns mitgenommen hatten. Wir picknicken mit Blick auf die Berge und die Hüttchen mit ihrem ganz besonderen Charme. Die Sonne wärmt angenehm unsere Haut.

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Eine alte kleine Hütte

Wir gehen an einem Berghof vorbei durch einen Wald. Dann passieren wir wieder eine Wildschranke im Boden. Während ich noch nachdenke, warum hier einfach nur große Platten liegen, schreit Frau Hund auf. Da höre ich ein Brummen und verstehe, dass die Platten elektrisch geladen sind. Durch meine dünnen Sohlen, merke auch ich das Kribbeln. Da gibt es erstmal eine kräftige Knuddeleinheit für Frau Hund. Herr Hund hat Glück gehabt: Er war mit Herrn Zweibein hinter uns und wird nun über die Platten getragen. Als wir weitergehen, führt der Weg auch bald schon über den nächsten Bach, so dass Frau Hund ihre Beine kühlen kann. Wieder zurück am Auto können wir beobachten, wie der Himmel sich über uns zusammenzieht und der Wind steifer wird. Es sieht nach Gewitter aus.

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Bergbaugebiet Folldal

Als wir wieder am Senter ankommen, hat es zu regnen angefangen. Das nennt man wohl Timing…

Around the Mehøe

Heute morgen kitzeln uns zum Erwachen ein paar Sonnenstrahlen. Da beschließen wir spontan eine etwas längere Wanderung zu unternehmen. Wir packen also alles zusammen, was man dazu brauchen kann, und ziehen los: Wir wollen den Mehørunden-Weg laufen. Als wir den direkt Startpunkt Dovregubbens Hall an der E6 erreichen, liegen die paar Häuschen noch recht verschlafen da. Der Wanderweg ist schnell gefunden. Er verläuft hier wie der Pilgerweg und schlägelt sich durch die Ebene grob in Richtung Hjerkinn. Es ist immer wieder sumpfig, unsere Augen und Füße suchen einen gangbaren Weg durch den Morast. Dann zweigt der Mehørunden ab, nach einem steilen und etwas nassen Anstieg auf einen kleinen Vorspung dürfen wir die erste Aussicht genießen.

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Blick auf den Avsjøen

Wir laufen immer weiter den Berg hinauf, immer mit Sicht auf ein Schneestück vor uns. Als wir kurz nach dem Schild mit der Aufschrift „Nasjonalpark“ anhalten, stellen wir fest, dass wir vom eigentlichen Weg abgekommen sind. Ob eine Markierung gefehlt hat oder ob wir in unserem strammen vor uns hin Laufen schlicht an ihr vorbeigelaufen sind, wissen wir nicht.

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Die steile Flanke des Falketind

Da wir aber nun schon einmal da sind, und es wirklich traumhaft hier ist, beschließen wir, unseren Weg fortzusetzen. Wir wollen unbedingt zu dem Schneestück gelangen. Als wir uns dem Mini-Gletscher nähern, können wir schon den kleinen Fluss hören, der von ihm kommt.

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Mini-Gletscher mit Fluss

Dann sind wir da: Wir haben Schnee und Eis unter den Füßen. Frau Hund findet, sie muss ihrem nordischen Dasein die Ehre erweisen und drückt erstmal genüsslich ihr Fell in den Schnee. Sowas Tolles aber auch! Sie würde das Schneefeld sofort zum Mitnehmen einpacken lassen, wenn das ginge. Nachdem wir den Mini-Gletscher überquert haben, erfrischen wir uns erstmal an dem eisigen, klaren Fluss. Das Wasser ist herrlich erfrischend und schmeckt etwas nach Schnee.
Wir kämpfen uns ohne Weg durch das Land um irgendwie wieder auf den Weg zurückzukehren, den wir verloren hatten. Zum Teil ist es sehr mühsam, entweder ist es sumpfig oder das hohe Buschwerk zwingt einen die Füße bei jedem Schritt ziemlich anzuheben. Aber manchmal laufen wir auch über Flechten, die sich anfühlen, als würde man über Wolken laufen (in Barfußschuhen merkt man das ja). Dann stoßen wir wieder auf den Weg. Da dem Weg folgen hier aber bedeuten würde, den Mehøe quasi zu umkreisen und dann auf demselben Weg hinauf- und wieder hinabzusteigen, beschließen wir, auf den Mehøe anders anzugehen. Querfeldein sind wir jetzt ja eh schon ein gutes Stück gelaufen. Unterwegs treffen wir einige Vögel, genießen die sich bietenden Aussichten und schnaufen ein wenig. Dann machen wir eine kurze Mittagsrast.

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Blick über den Avsjøen Richtung Hjerkinn

Nach einem weiteren Aufstieg sind wir oben angekommen. Man kann rundum sehen: Richtung Dovre-Nationalpark sehen wir die Schneefläche, auf der wir eben noch waren, Richtung Snøhetta-Gebirge hüllt sich der Gipfel des zweithöchsten Berges Norwegens mal wieder in Wolken und fern am Horizont zeichnet sich das Gebirge des Reinheimen Nationalpark ab.

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Die Hunde auf dem Gipfel – im Hintergrund das Gebirge des Reinheimen Nationalparks

Wir beginnen mit dem Abstieg und begegnen plötzlich einigen Menschen. Die Bergspitze scheint Anziehungskraft zu haben. Als wir aber nach den Abstieg zurück auf den Rundweg abzweigen, sind wir auch schon wieder allein. Die Landschaft wechselt von gebirgig zu losen Birkenwäldchen an einem Bach. Zeit für eine Erfrischung. Das Wasser schmeckt ganz anders, als das aus dem Eis, aber es ist auch herrlich frisch.

Auf dem letzten Wegstück

Auf dem letzten Wegstück

Dann sind wir wieder bei Dovregubbens Hall angekommen. Da wir noch etwas Zeit haben, beschließen wir dem Bergtroll Dovregubben einen Besuch abzustatten. Jetzt ist ganz schön was los in und an den Häuschen, die am Morgen noch so verschlafen da lagen. Wir besichtigen ein kleines Museum, das uns mit auf eine kleine Zeitreise zu norwegischem Wohnen in den Bergen vor einigen Jahrzehnten nimmt, und trinken in der Gaststätte einen typisch norwegischen Kaffee: tiefschwarz und sehr stark. Selbst im Souvenirladen, den wir eigentlich nur aus Neugier betreten, finden wir sogar etwas: Warme, flauschige Socken im Norwegendesign. Genau solche wie ich für das Senter, dessen Boden immer so kalt ist, gesucht habe.

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Der Dovregubben

Ich habe den Weg, den wir gegangen sind, auf einer Karte versucht nach zu zeichnen (die lila Punkte). Wir waren fünf Stunden auf unserer Wanderung unterwegs und schätzen, dass wir circa 15km unterwegs waren, so genau wissen wir es nicht.T12B00

On Pilgrims Paths

Recht spontan sind wir heute ein Stückchen auf Pilgerpfaden gelaufen. Der Pilgerweg gabelt sich ein Stück vor Hjerkinn und führt entweder zum Pilgerimssenter oder zu der Eysteinkyrkja.  So kann man hier einen schönen Rundweg laufen.

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Das Zeichen für den Pilgerweg

Das Wetter begleitet launenhaft unseren Weg. Mal scheint uns die Sonne auf die Haut, mal pustet uns der Wind kräftig entgegen und ein paar Wolken lassen Nieselregel fallen. Der Weg ist teilsweise recht feucht, weil es die letzten Tage so viel geregnet hat und so suchen wir immer wieder nach geeigneten Stellen zum Auftreten, ohne einzusinken. Die Panoramen und Weitblicke, die sich imer wieder ergeben, sind beeindruckend und tun der Seele gut. Sie bringen Weite mit sich, Freiheit, Durchatmen. Vereinzelt verirren sich auch ein paar Häuser in die Landschaft.

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ein Haus versteckt sich in der Landschaft

Abgesehen von den sumpfigen Stellen läuft es sich gut und angenehm. Wir laufen eher gemütlich, genießen den Weg. Er macht Lust ihm bald länger zu folgen. Die Hunde sind im Laufmodus und gehen fleißig voran. Man merkt, dass sie viel Freude an dieser Art des Laufens haben. Einfach laufen, nichts beachten und denken müssen, das tut nicht nur den Zweibeinern gut.

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Die Hunde haben Posten bezogen

Nur das Anhalten, damit Frauchen ihre Fotos machen kann, finden sie nicht immer grandios. Das gibt zwar Leckerchen, aber eigentlich ist es doch auch unnötig und stört das versunken vor sich hin Laufen.Man könnte doch auch einfach weiterlaufen, immer weiter. Aber man ist ein braver Hund und spielt mit. Wie gesagt, es gibt ja auch Leckerchen. Und wenn man es Frau Chili recht bedenkt, ist Fressen ja eigentlich noch besser als Laufen. Und man ist ja auch ein bisschen eitel und sieht ja auch ganz gut aus, so hübsch in die Landschaft trapiert (- auch, wenn Frauchen das noch lernen muss, die Hunde dann gut scharf zu stellen und zu belichten).T08B02

A windy day and cloudy view

Heute haben wir uns mal an eine etwas touristischere Unternehmung gewagt und den Viewpoint Snøhetta besucht. Der Wind blies uns dort mächtig um die Ohren und der Himmel war verhangen. Aber immerhin kein Regen wie die letzten Tage. Die Aussicht dort oben ist wirklich schön – auch, wenn sich in all den Wolken gerade der Snøhetta nicht wirklich zeigen wollte. Trotzdem habe ich versucht, ein paar Impressionen der beeindruckend weiten Berglandschaft einzufangen.

Blick Richtung Westen

Blick Richtung Hjerkinn

Blick Richtung Hjerkinn – bei den Häusern zwischen den Seen liegt unser Domizil

Die Hunde durften sich natürlich auch vor die Aussicht setzen und etwas posieren. Für sie war es recht aufregend, heute mal wieder auf so viele Menschen und vor allem auch Hunde zu treffen. Aber sie hatten Spaß. Sie haben eigentlich immer Spaß in den Bergen. Da gibt’s ja auch viel zu entdecken. Oft habe ich das Gefühl, die beiden finden Aussicht genau so spannend wie wir. Heute lag zudem wohl noch ganz besonders der Duft der vielen hier freilaufenden Schafe in der Luft. Diese Schafe sind echt toll, einige tragen eine Glocke und sie laufen einfach überall herum. Man trifft sie auch an Autostraßen, aber sie wissen ganz genau, wo Straße ist und wo nicht.

Arkos und Chili

Arkos und Chili