Red Bricks

Nach einem gemütlichen Abend starten wir ebenso gemütlich in diesen wegen seines Datums für uns besonderen Tag. Wir wollen Tampere entdecken, sind aber unentschlossen, wo und womit wir beginnen sollen. Kirchenbesichtigungen scheinen uns naheliegend und ein guter Start. Wir steuern also einen Parkplatz in der Nähe der orthodoxen Kirche an. Sie liegt am einen Ende der Tuomiokirkonkatu, der lutherischer Dom am anderen. Parken hier ist nicht gerade billig, wir „gönnen“ uns eine Stunde. Die orthodoxe Kirche ist geschlossen, so können wir sie nur umrunden. Von außen ist sie mit ihren verzwiebelten Türmen aber sehr eindrucksvoll und vermittelt etwas Russland-Feeling.

orthodoxe Kirche von Tampere

orthodoxe Kirche von Tampere

Weiter geht es nun die Tuomiokirkonkatu entlang Richtung Dom. Die Straße an sich ist wenig interessant. Dann erreichen wir den Dom. Schon von außen wirkt der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bau irgendwie nach „neu auf alt gemacht“. Der Reiseführer hat uns verraten, dass er als eine der Hauptschöpfungen der finnischen Nationalromantik gilt. Doch, was wir uns darunter genau vorstellen sollen, ist uns bisher unklar, obwohl wir in Helsinki auch schon hier und da über den Begriff gestolpert sind

luterischer Dom, errichet nach Plänen von Lars Sonck

luterischer Dom, errichet nach Plänen von Lars Sonck

Der erste, äußere Eindruck hält sich auch im Inneren. Die Wände dieser mit vielen Bögen, aber gleichzeitig hallenartig gebauten Kirche sind reich mit Gemälden bekannter finnischer Künstler wie Hugo Simberg oder Magnus Enckel ausgemalt. So zeigt das Altarbild eine Interpretation des Auferstehungsthemas, links im Nebenschiff ist der „Garten des Todes“ dargestellt und oben rechts auf der Empore eine Variante des bekannten Bildes „der verwundete Engel“. Um die Empore herum läuft die „Girlande des Lebens“, getragen von zwölf nackten Jungen. Der Faltflyer erklärt uns, dass Menschen aus Tampere für die Gemälde  Vorlage standen.

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mit Gemälden bestückter Innenraum

Nicht nur die Wände und die Empore, auch die vielen Bögen und Wölbungen sind verziert und bemalt. So zeigt sich über einem etwa eine schwarze Schlange, umgeben von Engelsflügeln. Die meisten Bögen sind mit Rosen und Dornen ausgemalt. Immer wieder stellt sich mir die Frage: „Ist das Kitsch, oder kann das weg?“. Herr Zweibein formuliert es so: „Ein bisschen wie eine Kirche in einem Freizeitpark“. Aber irgendwie hat das Ganze auch etwas. Ob nun hübsch oder nicht, vergessen wird man diese Art der Kirchengestaltung so schnell sicher nicht.

ausgemalte Hauptwölbung

ausgemalte Hauptkuppel

ausgemalte Bögen und Wölbungen

ausgemalte Bögen und Wölbungen

Das Parkticket neigt sich seinem Gültigkeitsende entgegen und so steuern wir wieder das Auto an. Doch kurz vorher husche ich noch kurz in einen dieser witzig-alternativ aussehenden Klamotten- und Krimskramsläden, von denen es in Finnland einige gibt. Dann steuern wir einen Park an: Natur und Hundespaziergang scheint nach Kirchenbesichtigung eine gute Abwechslung zu sein. In der Tat lässt sich hier in schönstem Herbstwetter direkt am Wasser spazieren.

am Strand bei Pyynikki

am Strand bei Pyynikki

Da wir noch ausreichend Zeit haben bis das geplante Abendprogramm (ein Minimetalfestival) beginnt, entscheiden wir uns für einen Stadtrundgang. Mit einer Karte, in der Tourenvorschläge eingezeichnet und wichtige Punkte markiert und kurz erklärt sind, machen wir uns an unsere self-guided Tour durch Tampere und beginnen in dem Viertel, in dem unser Apartment gelegen hatte.

an der Esplandie

an der Esplanadie

Wir lernen etwas über den Aufschwung Tamperes im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die starke Ströumg des Flusses, der die beiden Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi verbindet, und die sich daraus ergebende Wasserkraft wurde zuerst von der Textilindustrie genutzt, dann kamen weitere Zweige dazu. Wir passieren die Stromschnellen zum ersten Mal im Norden bei Näsi-Park mit Blick auf eine zu einem Museumszentrum umgewandleten Maschinenbaufabrik.

über den Tammerkoski mit Blick auf das Museumszentrum Vapriikki

über den Tammerkoski mit Blick auf das Museumszentrum Vapriikki

Dann kommen wir zum Gebiet der Finlayson-Fabrik. Es war die erste in Tampere gegründete. Für die vielen Arbeiter reichten die in der Stadt vorhandenen Kirchen bald nicht aus und so ließ der damalige Fabrikleiter eine kleine Kirche errichten.

Finlayson-Kirche

Finlayson-Kirche

Nach der Kirche werden wir weiter durch das Finlayson-Areal geführt. Auch hier hat sich Kultur und Gastronomie in den alten Mauern angesiedelt. Ebenso wie das Gebäude der ehemaligen Papierfabrik Frenckell, das wir kurz darauf erreichen, nun eine Bühne des Tampere-Theaters beherbergt.

Industrie und Kultur - diese Beggnung prägt das ganze Stadtbild Tamperes

Industriegebäude und Kultur – diese Begnung prägt das ganze Stadtbild Tamperes

Dann laufen wir weiter flussabwärts und erreichen den zentralen Platz Tamperes. Hier ist gerade mächtig was los: Es spielt laute Musik und überall laufen junge Menschen mit bunten Hosen voller Aufnäher herum. Es findet eine Art Studentenabschlussfest statt, das die ganze Stadt durchzieht. Die Veranstaltung ist als eine Art Kneipentour mit Laufzetteln gestaltet, so viel kann uns eine Finnin erklären. Den vielen repräsentativen Gebäude am Platz kann das bunte Treiben wenig anhaben.

Keskustori

am Keskustori

Blick zum nachträglich gebauten Glockenturm der alten Kirche und dem Tampere-Theater

Blick zur alten Kirche und dem Tampere-Theater

Dann führt uns der Weg mitten hindurch durch die gemütliche Markthalle. Hier neigt sich die Betriebsamkeit schon dem Ende zu, doch strahlt die Halle ein ganz besonderes Flair aus. Hier würden wir sicherlich öfter einen Kaffee trinken, würden wir in der Stadt wohnen.

in der Kauppahalli

in der Kauppahalli

Wir sind am nördlichen Ende des Tammerkoski angelangt und setzen nun wieder auf die andere Seite über. Hier können wir noch einmal viele der Gebäue betrachten, an denen wir zuvor entlang gelaufen sind. So etwa den markanten Schornstein der Papierfabrik Frenckells und die Stromschnellen, an denen die Fabrik angesiedelt war.

markantes Stadtbild

markantes Stadtbild mit Schornstein der Frenckells-Papierfabrik im Vordergrund

Jeden Meter, den wir in dieser Stadt gelaufen sind, habe ich mich mehr in sie verliebt. Die Mischung aus alten Industrie-Backsteingebäuden, viel Kultur und einigen schnuckelig aussehenden Cafés, haben es mir und uns angetan. Tampere werden wir in bester Erinnerung behalten.

Wooden City

Es ist Mittwochmorgen. Noch am Abend haben wir Turku verlassen. Es bot sich kein schöner Übernachtungsplatz und das schwedische Flair der Stadt hat zwar durchaus seinen Reiz, aber wir wollen noch etwas mehr Finnland-Feeling bevor wir das finnische Festland verlassen und die Heimreise mit Zwischenetappe Ålandinseln beginnt. Die Nacht war kalt und so organisieren wir uns zunächst eine warme Unterkunft für den Abend. Dann fahren wir weiter Richtung Tampere. Auf dem Weg dorthin legen wir einen Stopp im Städtchen Rauma ein. Die Altstadt soll laut Reiseführer sehr lohnend zu sein. So treten wir ein in die Straßen unzähliger Holzhäuser.

Straße in Rauma

Rauma – Weltkulturerbe und größte Holzstadt Skandinaviens

Kunsthandwerk, Boutiquen, Kaffees all das findet sich aneinander gereiht in den bunten Holzhäusern. Doch die Straßensaison der Cafés ist vorbei und mit Hunden können wir uns nicht hineinsetzen. Allerdings finden wir auf einem Marktplatz einen kleinen, schnuckeligen Kaffeestand. Das ist auch gut. Mit warmem Kaffee im Bauch steuern wir die Kirche an.

Heiligkreuzkirche

zur Heiligkreuzkirche

Die ehemalige Franziskanerkirche wird uns durch ein Faltblatt erklärt. In fast jeder Kirche, die wir in Finnland besucht haben, gab es bisher ein solches kostenloses Faltblatt mit kurzen Informationen zur Kirche. Ein toller Service, sehr einladend und aufmerksam. In der bunt ausgemalten Kirche sitzt eine der Holzfiguren, die hier und da das Stadtbild zieren. Es ist als ob hier ständig jemand säße und ununterbrochen Andacht halten würde.

in der Heiligkreuzkirche

in der Heiligkreuzkirche

Dann ziehen wir weiter zur nächsten Kirche – diese soll aber nur noch in Ruinen zaghaft zu erkennen sein. Als wir aus der Kirche hinaustreten glitzert die Sonne uns entgegen. Unser Weg führt uns noch einmal zum Marktplatz. Hier ist es auf einmal deutlich ruhiger als ein paar Momente zuvor. So hat der Stand, wo wir eben noch Kaffee getrunken haben, mittlerweile die Schotten dicht gemacht.

Richtung Marktplatz und Rathaus

Richtung Marktplatz mit Rathaus

Die Gassen werden jetzt enger und sind teilweise auch für den Autoverkehr gesperrt. Das macht es viel gemütlicher und lässt einen besser von vergangenen Zeiten träumen. Parkende und vorbeifahrende Autos verhaften einen eben doch im Hier und Jetzt.

Gassen mit Charme

Gassen mit Charme

Dann sind wir an der Kirchenruine angekommen. Unscheinbar sind ihre alten, bis zum Boden verfallenen Mauern in dem kleinen Grünstück versteckt. Sie wirken fragil und etwas verloren. Wie vergänglich die Dinge doch sind.

Überreste der Dreifaltigkeitskirche (erbaut im 15. Jahrhundert)

Überreste der Dreifaltigkeitskirche (ehemals erbaut im 15. Jahrhundert)

Nach diesem schönen Ausflug in die alte, hölzerne Altstadt von Rauma setzen wir unseren Weg fort nach Tampere, wo uns bald viele rote Backsteine begrüßen. Eine ganz andere Welt. Doch diese Welt muss bis zum nächsten Tag warten. Wir machen es uns erstmal in unserem Apartment gemütlich und genießen die Annehmlichkeiten einer richtigen Wohnung. In Finnland natürlich mit Sauna und, in diesem Fall, auch mit einem dieser vollverglasten Balkone, die uns bei unseren verschiedenen Stadtrundgängen schon aufgefallen sind. Die Finnen wissen eben wie man mit Kälte umgeht.

Wohnen wie die Finnen

Wohnen wie die Finnen

quite old and new stones

Nach einem gemütlichen Sonntag mit kleinem Kunst- und Kulturprogramm wollen wir noch einmal in Helsinki auf Erkundungstour gehen: Bei strahlend blauem Himmel machen wir uns daher auf den Weg in Richtung Stadt. Unser Ziel ist die Festung und Inselgruppe Suommenlinna vor den Toren Helsinkis. Wir haben bewusst den Montag für unseren Asflug gewählt und hoffen auf gemäßigten Publikumsverkehr. Am Marktplatz finden wir aber erstmal ein ziemliches Gedräge vor. Es ist Heringsmarkt – wie immer Anfang Oktober in Helsinki. Als wir am Fähranleger ankommen, weist uns die Hinweistafel dauarufhin, dass die nächste Fähre erst in einer halben Stunde fährt. Das Boot ist aber zum Glück bereits ein paar Minuten darauf schon am Anleger. So können wir an Deck auf die Abfahrt warten und haben Zeit die Sonne zu genießen, unsere Blicken über das nahegelegene Freibad schweifen zu lassen (quasi ein riesiger, schwimmender Steg mit Becken) und ein paar lustige Fotos zu machen.

Matrosin Chili

Matrosin Chili

Dann legt das Schiff ab. Das Stadtzentrum rückt ferner. Dom, Riesenrad und Kathedrale liegen nun in einer Linie aufgereiht hinter uns. Deutlich lässt sich der archtiektonische Unterschied zwischen dem Zentrum mit Marktplatz und Dom links und der Halbinsel Katanjokka mit der Kathedrale rechts erkennen.

Blick zurück

Dom – Riesenrad – Kathedrale

Wir passieren verschiedene, kleine vorgelagerte Inseln während wir uns Suomenlinna nähern. Dann sind wir auch schon da. In der Touri-Info holen wir schnell noch eine Übersichtskarte, dann beginnen wir unsere Tour über die Insel, aber wir kommen nicht weit. Im Park an der Kirche machen wir erstmal eine Pause auf einer sonnebeschienen Bank und lassen die übrigen Menschen, die mit uns angekommen sind, sich verlaufen. So können wir dann in Ruhe den Weg beginnen und den blauen Schildern folgen, die die Richtung weisen. Rasch kommen wir zu einer kleinen Brücke und erlaufen eine zweite Insel. Hier sieht es gleich viel mehr nach Festung aus.

Brücke

Brücke und Pier Suomenlinnazentrum

Unter dicken Mauern hindurch kommen wir auf den Hof der Festung und spazieren am Pipers Park vorbei. Dann „erklimmen“ wir die Wälle von Kustaanmiekka. Große Kanonen sind hier aufgestellt und es zeigt sich ein schöner Blick über das Meer, die Felsen der Insel und die Stadt.

Blick zur Stadt

Blick zur Stadt

Ein Stück des Weges über die Wälle ist leider gesperrt. Er muss restauriert werden. Der Untergrund hat begonnen den Menschen nachzugeben, die hier in Massen kommen. So stehen im Blick über die Anlage manchmal auch Baustellenfahrzeuge und aufgeschüttete Erdhügel. Hier und da ist ein Gerüst aufgestellt. Aber es gelingt leicht, das auszublenden.

Wälle von

Wälle von Kustaanmiekka

Hoch oben auf Wällen und Befestigungsanlagen umrunden wir die Ladzunge am südlichen Ende der Insel bis wir zur Königspforte gelangen. Wir passieren sie und suchen nun selbstständig einen Weg zurück. Dabei steuern wir das U-Boot an, das Herr Zweibein schon zuvor erspäht hatte.

U-Boot Vesikko

U-Boot Vesikko

Als wir am U-Boot ankommen, müssen wir feststellen: Es hat seine Saison gestern beendet. Wir können es also nicht mehr besichtigen. Eine Infotafel gibt aber einen kleinen Überblick über seine Geschichte und seine Eckdaten. Ein paar Schritte weiter und wir sind wieder an der Brücke angekommen, die die beiden Inseln verbindet. Hinter ihr erhebt sich die Kirche, in deren Park wir ein kleines Päuschen eingelegt haben.

Blick zur Suomenlinna-Kirche

Blick zur Kirche von Suomenlinna

Auf einem kleinen Steg unweit der Brücke machen wir erneut eine Sonnenpause. Die warmen Strahlen müssen genutzt werden – aber vor allem fährt die nächste Fähre erst in einer dreiviertel Stunde und da warten wir gerne in der Sonne auf dem Wasser. Dann treffen wir und die Fähre am Anleger ein. So eine Inselerkundung macht ganz schön müde, die Hunde verschlafen die Überfahrt.

Dösen an Deck

müder Matrose

Wieder an Land angekommen, steuern wir die Straßenbahnhaltestelle an. Wir wollen noch eine ungewöhnliche Kirche besuchen. Und in der Tat: Als wir uns der Kirche nähern, erkennen wir sie nur, weil wir wissen, dass wir gerade auf sie zulaufen. Doch wo ist der Eingang?

zur Temppeliaukkio-Kirche

zur Temppeliaukkio-Kirche

Der Eingang zeigt sich uns, als wir einmal um die Kirche, beziehungsweise den Felshügel herum sind. Außer dem Aushangkasten, der rechter Hand etwas entfernt steht, erinnert auch jetzt noch nicht viel an eine Kirche. Wäre der Eingang etwas schmaler, könnte er genauso gut zu einer Tiefgarage führen.

unscheinbarer Kircheneingang

unscheinbarer Kircheneingang

Doch dann betrete ich einen wunderschönen Kirchenraum. Die Naturbelassenheit des Raumes spricht mich sofort an – insofern man eben bei einer in den Felsen gesprengten Kirche von „naturbelassen“ sprechen kann. Es ist ruhig hier. Im Hintergrund spielt leise Klaviermusik. Licht flutet von oben den Raum. Der nackte Fels erinnert an eine Höhle. Man braucht gar nicht viel um Atmosphäre zu schaffen, denke ich, und Herr Zweibein pflichtet mir bei, nachdem er die Kirche auch besichtigen konnte.

ein bisschen wie eine Höhle - das Innere der Temppeliaukkio-Kirche

ein bisschen wie eine Höhle – das Innere der Temppeliaukkio-Kirche

city flair

Als wir den Tag beginnen, glänzen das bunte Herbstlaub der Bäume um uns und die Fenster der Wohnblocks neben uns. Wir sind auf einem Campingplatz in Helsinki. Hier haben wir am Tag zuvor am frühen Abend eingecheckt. Jetzt steht Stadterkundung auf dem Programm und so steuern wir die nahegelegene Metro an. Sie spuckt uns am Bahnhof aus, wo wir wieder ins Tageslicht aufsteigen.

am Bahnhofsplatz

am Bahnhofsplatz

Herr Zweibein, der sich hier schon etwas auskennt, führt uns zielsicher zum Senatsplatz. Hier empfängt uns der Dom, der erhaben über dem Platz thront, etwas verhalten: Er hat seine linke Seite in weiß gehüllt. Mit sehr viel Fantasie hat das etwas von einem unvollendeten Christo, ohne ist es einfach nur eine Baustelle.

Senatsplatz, lutherischer Dom

Senatsplatz, lutherischer Dom

Wir steigen die Treppen hinauf und ich trete ein. Herr Zweibein wartet derweil mit den Vierbeinern draußen. Mich empfängt ein großer, hallenartiger Raum. In der Mitte, wo Längs- und Querschiff aufeinander treffen, stehen große Skulpturen: Luther – Melanchton – Agricola (finn. Reformator). Den vierten Platz nimmt die Kanzel ein – laut Reiseführer ein sehr ansehnliches Exemplar, nach meinem Geschmack ziemlich überdimensioniert und nicht gerade hübsch.

Luther im luther. Dom

Luther im luther. Dom

Während nun Herr Zweibein das Innere des Doms erforscht, sitze ich auf den Stufen zum Dom, genieße die Sonnenstrahlen und lasse meinen Blick schweifen: Vor mir liegen spiegelbildlich das Regierungpalais und gegenüber die Universität. Hinter den Dächern der Häuser kann man Schiffsdächer sich abzeichnen sehen.

Blick über den Senatsplatz (links: Regierungsapalais)

Blick über den Senatsplatz (links: Regierungsapalais)

Wir steuern den Marktplatz an. Hier herrscht reges Treiben: Möwen kreischen, vor dem Fähranleger zur Suomenlinna-Festung hat sich eine lange Schlange gebildet. Obst und Gemüse, meist aus Finnland, wollen den Besitzer wechseln, ebenso allerhand Andenken von schöner Handarbeit bis Ramsch. An Ständen mit Lappland-Andenken vorbeizulaufen fühlt sich komisch an an diesem sonnigen Herbsttag im maritimen Süden und in der großen Stadt. Wir lassen den Markt hinter uns und legen eine kleine Pause am daneben gelegenen Wasserbasin ein. Während wir die Beine baumeln lassen, schauen wir im Reiseführer nach, wo wir nun weiter hinwollen.

Am Marktplatz

Am Marktplatz

Nichtsahnend habe ich im Vorhinein gerade das Stadtviertel näher ins Auge gefasst, in dem Herr Zweibein vor einem knappen Jahr seine Unterkunft während einer Messe in Helsinki hatte. Auf einer Brücke setzen wir auf die Halbinsel über und steuern auf die Uspenski-Kathedrale zu.

Uspenski-Kathedrale im Stadtteil Katajanokka

Uspenski-Kathedrale im Stadtteil Katajanokka

Wie schon im lutherischen Dom ist es schwer in der Masse der Touristen die Stimmung in der Kirche zu erfassen. Ich frage nach Gottesdienstzeiten – beide leider für uns recht ungünstig. Ich setze mich und lasse meinen Blick immer wieder zu der reich verzierten Kuppel schweifen. Sie hat etwas gen Himmel weisendes – viel mehr als die Ikonostasenwand, die auf mich immer mehr wie eine Trennwand wirkt.

Kuppel der Uspenski-Kathedrale

Kuppel der Uspenski-Kathedrale

Von dem Platz vor der Kathedrale hat man einen schönen Blick über das Helsinkier Zentrum und vor allem auch auf den Dom. Irgendwie hat das etwas Symbolisches vom Wahrzeichen einer Konfession zu dem der anderen zu blicken.

Blick über Helsinkis Zentrum und zum Dom

Blick über Helsinkis Zentrum und zum Dom

Nun wollen wir die Halbinsel umrunden und Herr Zweibein erinnert sich: Ganz nah bei der Kathedrale war doch ein kleiner Hundeauslauf. Auf diesen steuern wir nun zu und machen die Leinen los. Die Hunde finden das richtig gut: Nach all den Eindrücken einfach mal die Sau rauslassen, raufen und toben. Prima!

glücklich im Hundeauslauf

glücklich im Hundeauslauf

Dann passieren wir den Fähranleger der Vikingline und kommen schließlich in einem kleinen Park direkt am Wasser an. Hier kann man mit schönen Blicken auf die gegenüberliegenden Ufer den Weg entlangschlendern. Das maritime Flair tut der „kleinen“ Großstadt gut. Zumindest erhält die an den Ufern entlang gezogene und auf verschiedene Insel verteilte Stadt dadurch eine gewisse Weite.

maritimes Flair

maritimes Flair

Schon nähern wir uns dem Ende unserer Inselumrundung und kommen vorbei an verschiedenen Schiffen. Wir brauchen kurz um sie als Eisbrecher identifizieren zu können. Dafür betrachtet Herr Zweibein sie dann umso genauer.

Eisbrecher im sonnigen Herbst

Eisbrecher im sonnigen Herbst

Jetzt erreichen wir den Hafen, den wir von der Brücke zur Halbinsel schon gesehen haben. Wir passieren das Kasino und teure Yachten. In der Sonne trinken wir bei böigem Wind noch einen Kaffee. Dann ist es Zeit um den Rückweg zum Campingplatz anzutreten.

Booet im Hafen

Boote im Hafen (links: Kasino Helsinki)

Auf dem Markt nehmen wir ein paar Pilze für das Abendessen und rote, kleine Äpfel mit. Dann huschen wir in eine alte, gemütliche Tram. Sie bringt uns zum Bahnhof und damit zu einer Station der einlinigen Metro. Den Nachmittag und beginnenden Abend verbringen wir gemütlich. Schließlich ist Samstag und wir wollen nochmal in die Stadt fahren, um ein wenig von Helsinkis Nachtleben mitzubekommen.

eastern feeling

Rückblick: Als wir morgens aufwachen, ist die Stimmung etwas trüb. Wir haben den Wecker verschlafen. Auch Herr Vierbein bereitet uns Sorgen: Er verweigert sein Fressen. Also starten wir nicht zu einer Zwei-‚Tages-Tour. Trotzdem steuern wir den Nationalpark an, in dem wir eigentlich wandern wollten – man kann dort ja auch kürzere Wege gehen. Doch als wir dort ankommen, ist gerade ein Trailrunning-Event. Mensch und Hund nicht ganz fit und dann durch den Trubel laufen? Das muss nicht sein. Wir ändern unsere Pläne: Statt Wanderung fahren wir in die nächste größere Stadt, mieten uns ein Hostel-Zimmer und entspannen im Warmen in echten Betten. In der Nacht ist irgendetwas komisch: Ich fühle mich zu jung, um auf einen Flur zu schlurfen und partylaunige, junge Menschen um Ruhe zu bitten…

Den nächsten Tag beginnen wir genauso gemütlich wie wir den Vortag beschlossen haben. Dann machen wir uns gut erholt daran Kuopio zu entdecken. Wir steuern die Innenstadt an und gelangen recht schnell an den Marktplatz. Auf der einen Seite eine Markthalle, auf der anderen das Rathaus und drum herum verschiedene Kaufhäuser. Und auch unter dem Marktplatz findet sich nicht nur eine Tiefgarage, sondern ebenso Geschäfte und Restaurants.

Markthalle

an der Markthalle von Kuopio

Wir laufen weiter zum lutherischen Dom, dem wir uns von der Hinterseite nähern. Die Außenfassade des Baus ist sehr interessant gestaltet. Die Kreuzachse der Kirche ungewöhnlich stark ausgeprägt.

wir nähern uns dem lutherischen Dom

wir nähern uns dem lutherischen Dom

Als wir die Kirche betreten, sind wir von Schlichtheit der Kirche überrascht. Alles ist vor allem in Weiß gehalten, ein paar goldene Verzierungen heben sich ab. Trotz der kreuzförmigen Architektur ist alles auf Altar und Kanzel konzentriert. Als wir den Dom verlassen, stehen wir in gerader Achse zu einem Park. Er ist erstaunlich bunt für die Jahreszeit.

der Snellmann-Park

der Snellmann-Park

Durch den Park schlendern wir zum Passagierhafen. Hier liegen verschiedene Ausflugs- und Restaurantschiffe ruhig auf dem Wasser. In einem Boot sind die Tische noch eingedeckt, die Gläser nicht ganz ausgetrunken. Gestern muss hier eine große Feier stattgefunden haben.

Boot im Hafen

Boot im Hafen

Dann laufen wir weiter zur orthodoxen Kathedrale St. Nikolai. Wir sind neugierig auf den orthodoxen Glauben hier in Finnland. Wenn auch zahlenmäßig nur wenige Orthodoxe hier leben, prägen die Einflüsse doch die Region. Die Kathedrale ist Sitz des einzigen Metropoliten in ganz Finnland – wir hatten sie uns größer vorgestellt.

St.-Nikolaus Kathedrale

St.-Nikolaus Kathedrale

Als wir die Kirche betreten, schlägt uns der Geruch von Weihrauch entgegen. Wir werden ausgesprochen freundlich empfangen und sofort mit Informationsmaterial und Postkarte versorgen. Freundlich werden wir gebeten uns umzusehen. Es ist eindrücklich, wie sehr sich die innere Gestaltung der Kirche von der aus evangelischen oder katholischen Kirchen gewohnten unterscheidet. Als ich nachfrage, ob ich ein Foto machen dürfe, wird das Licht extra kamerafreundlich heruntergeregelt.

Ikonostase in der Kirche

Ikonostase in der Kirche

Da weder das Freilichtmuseum noch das orthodoxe Kirchenmuseum heute geöffnet haben, nutzen wir die Zeit in der Stadt noch für einen Café-Besuch. Das Café war uns zu Anfang unserer Tour gleich aufgefallen. Es ist extrem gemütlich eingerichtet, der Kaffee schmeckt vorzüglich. Ich hatte nicht gewusst, welch grandiosen Milchschaum man aus Hafermilch zaubern kann.

im Café

im Café

Dann fahren wir zum Koli-Nationalpark und damit Richtung Nordkarelien. Hier wollen wir die nächsten Tage wandern gehen. Am Parkplatz angekommen drehe ich mit den Hunden eine gemütliche Abendrunde in dem märchenhaften Wald: Schweigend liegt er in Nebel gehüllt rechts und links des Weges. Der Boden unter den Tannen ist moosbewachsen, ein paar bunte Birken und einige Findlinge haben sich dazwischen verirrt. Als ich eine Natursteintreppe hinaufteige warte ich nur darauf, dass Rotkäppchen vor mir den Weg passiert und frage mich, welche Märchenfiguren für die Gegend wohl typisch sind. Ich freue mich auf den nächsten Tag und darauf, länger an diesem Ort zu verweilen. Da kann mir auch der sehr mäßige Wetterbericht die Vorfreude nicht verderben.

just a little city

Auf unserem Weg zu dem angesteuerten Nationalpark, wollen wir natürlich nicht nur die Kilometer hinter uns bringen, sondern auch etwas „mitnehmen“ – der Weg ist schließlich das Ziel. Daher planen wir einen Halt in dem Städtchen Kajaani ein. Die Beschreibung im Reiseführer klang nach einer netten, übersichtlichen Stadtbesichtigung. Es ist nicht gerade warm an diesem Vormittag als wir durch das überschaubare Zentrum laufen. (Auch, wenn manche Finnen das durchaus anders sehen, und nur mit einem T-Shirt bekleidet sind).

Altes Rathaus in Kajaani

Altes Rathaus in Kajaani

Vom alten Rathaus biegen wir nach rechts ein und kommen schnell zu der kleinen Insel Linnasaari, auf der die Ruine der Kajaaninlinna steht. Mitten über die Insel führt eine Straße. Wir wundern uns. Später lesen wir auf einer Infotafel, dass über die Insel schon seit langer Zeit eine Brücke führt, um beide Stadtteile miteinander zu verbinden.

Burgruine Kajaaninlinna auf der Insel Linnasaari

Burgruine Kajaaninlinna auf der Insel Linnasaari

Dann laufen wir in einer Schleife Richtung Kirche. Man muss sich erst gewöhnen an Finnland. Es ist ganz anders hier als Norwegen – gerade, was Baulichkeiten betrifft. Während in Norwegen alles adrett gerichtet war, wirkt hier alles eher funktional und sehr schlicht. Die russischen Einflüsse auf Finnland sind nicht zu übersehen. Die Kirche jedoch ist auffällig aufwändig gestaltet und erweckt sofort unsere Aufmerksamkeit.

evangelische Kirche (1896)

evangelische Kirche in Kajaani (1896)

Als wir vorsichtig an der Türe ziehen, freuen wir uns: Sie hat tatsächlich geöffnet! Wir treten ein und finden im Vorraum einen kurzen Infotext auf richtig gutem Deutsch. So ausgerüstet machen wir uns an die Erkundung der Kirche, die im Innenraum fortsetzt, was das Äußere kennzeichnet.

Kirche in Kajaani, Innenraum

Kirche in Kajaani, Innenraum

Besonders springen uns die Gemälde hier ins Auge. Das Altarbild zeigt weder Kreuzigung, noch Auferstehung, sondern, wie Jesus dem im Glauben schwankenden und im Wasser unterzugehen drohenden Petrus die Hand reicht und ihm hilft. Eine Osterszene, die wohl einst Altarbild war, ziert nun die rechte Empore, während die Kreuzigung auf der linken Empore zu finden ist. Ein interessantes Ensemble.

Altarbild

Altarbild

Als wir die Kirche verlassen, verwechseln wir eine Gebetsanliegenbox mit einer Spendenbox. Wir bemerken es zwei Sekunden „zu spät“. Dieses Finnisch ist einfach so unverständlich. Einen Café-Besuch später sitzen wir auch schon wieder im Auto auf dem Weg weiter Richtung Süden. Das Wetter und die eigene Gesundheit meinen es gerade nur ein bisschen gut mit uns. Wir wollen trotzdem wandern gehen, denn morgen sieht die Welt bekanntlich ja schon wieder ganz anders aus.

two lazy days

First lazy day

Wir erwachen an einem See ein paar Kilometer nördlich von Sodankylä. Das Wetter ist bedeckt, doch auf der anderen Seite war dadurch die Nacht mild. Wolken haben ja auch ihr Gutes. Wieder andererseits macht dieser Grauschleier auch im Kopf benebelt. Nun ja, das Wetter ist eben das Wetter. Wir machen uns auf den Weg nach Sodankylä und besuchen dort die alte, lappländische Holzkirche. Sie ist eine der ältesten in Finnland, und wohl die am besten Erhaltenste. Wobei besuchen übertrieben ist. Wir laufen um sie herum, denn für Besucher geöffnet war sie nur bis August.

Holzkirche Sodankylä

Holzkirche Sodankylä

Dann schnappen wir die beiden Vierbeiner und machen uns an den hiesigen Naturpfad. Solche Naturpfade gibt es viele in Finnland. Sie sind praktisch, bieten sie doch immer eine gute Hundespaziergehmöglichkeit. So schlendern wir in herbstlicher Stimmung den Fluss entlang und überlegen, dass wir die nächsten beiden Tage langsam angehen wollen.

Fluss

Am Kitinen entlang

An einer Infotafel fällt uns ein Bild auf: Es zeigt ein samisches Lager mit Rentieren und Hund. Darunter wird über die Entstehung des Ortes Sodankylä aus einer kleinen Samensiedlung zur jetzigen Größe informiert. Der Stil des Bildes kommt uns bekannt vor: Bei unserem letzten Lapplandbesuch hatten wir eine Postkarte mit ähnlichem Motiv gekauft. Beide Bilder sind von dem samischen Künstler Alarissto.

Bild auf einer Infotafel über Sodankylä

Bild auf einer Infotafel über Sodankylä

Zurück am Auto sehen wir, wie die Kirchentür aufgeht und ein finnischer Reisebus sich entleert. Wir mogeln uns unter die Finnen, die deutlich älter sind als wir, aber so können wir doch noch einen Einblick in die Kirche erhaschen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause setzen wir dann unseren Weg nach Rovaniemi fort. Dort erledigen wir einige Besorgungen, dann machen wir uns im Naherholungsgebiet am Hausberg an einen Abendspaziergang. Wir erklimmen einen Aussichtsturm und können über die Lichter der Stadt in der Dämmerung schauen.

Blick über Rovaniemi

Blick über Rovaniemi

Second lazy day

Wir beginnen den Tag an der Arctic Circle Hiking Area etwas nördlich von Rovaniemi – aber nicht mit Wandern, sondern mit Planen. Eigentlich wollten wir in den nächsten Tagen den Bärenpfad erwandern, aber irgendwie werden unsere Planungen nicht rund. Da wir nichts übers Knie brechen wollen, ändern wir unsere Pläne: Wir haben auch andere ansprechende Trails gefunden. Doch zunächst wollen wir in der Hiking Area eine Runde drehen. Über eine große, federnde Hängebrücke gelangen wir auf die andere Flusseite.

Auf einer Hängebrücke in die Hiking Area

Auf einer Hängebrücke in die Hiking Area

Wir kombinieren verschiedene Routenvorschläge und laufen viel durch Mischwald. Immer wieder geht es auch auf Planken über nasse Stellen. Manche sind morschig und rutschig. Gegen Ende unseres Weges entlässt uns der Wald plötzlich in einen großen Sumpf. Hier geht es nur noch auf Planken vorwärts. Unter uns gluckst das Wasser. Eine Hütte steht etwas verloren mitten im gelbem Sumpfgras.

Hütte im Sumpf

Hütte im Sumpf

An der Hütte angekommen erfahren wir auf einer Infotafel: Das Sumpfgras wurde früher geerntet, getrocknet und als Tierfutter verwendet. Die Arbeit, im Sumpf Gras zu mähen, kommt mir unheimlich mühselig vor. Dann ist unsere Runde durch den Sumpf auch schon vorbei und wir kehren auf ähnlichen Wegen wie bisher zu unserem Auto zurück. Wir haben nicht mehr viel vor: Wir werden heute nur noch den nächsten Nationalpark für eine nette Tagesrunde morgen anfahren.

the northernmost

Unser Weg nach Tromsø beginnt an einem wunderschönen Rastplatz direkt am Målselva. Die Sonne scheint, das Wetter ist mild. Es ist ein Morgen, an dem man nicht zuerst nach der Jacke sucht, sondern die Fleeceweste über dem Langarmshirt vollkommen reicht. So frühstücken wir an diesem Samstagmorgen mit Blick auf den sonnenbeschienen Fluss und sanft wärmenden Strahlen auf der Haut.

Am

Morgen am Målselva

Auf unserer Fahrt führt die E6 bald nach Osten. Wir nähern uns Nordkjosbotn und vor uns zeigt sich eine tolle Aussicht auf den Balsfjorden. Da wir hier die E6 verlassen und auf die E8 wechseln, bleibt uns diese Aussicht bis Tromsø erhalten.

Auf der E8 am entlang

Auf der E8 entlang des Balsfjord

In der größten Stadt Nordnorwegens angekommen, zieht es uns zunächst zu einem Einkaufsarreal: Wir wollen hier und da unsere Trekkingausrüstung aufrüsten. Anschließend steuern wir zielsicher die Strandpromenade von Tromsø an und genießen die Stimmung des heraufziehenden Abends.

Abendstimmung

Abendstimmung am Strand des Folkepark

Ruhig liegt der Fjord vor uns. Das Wasser kräuselt sich nur leicht und die Berge ringsum ragen stumm in die Höhe. Ein paar Boote fahren, ein paar Menschen paddeln. Die Luft wird kühler, aber ist sehr angenehm.

Abendstimmung am

Abendstimmung

Wir folgen dem Weg an der Küste bis wir in eine Sackgasse geraten, dann kehren wir um. Viele Menschen sitzen an den im Park verstreuten Picknickplätzen und genießen den frühen Abend. Wir finden, sie haben Recht, schnappen uns im Auto Kocher und Reiseführer und suchen uns einen noch freien Platz. Wir kochen einen warmen Tee und stöbern in unseren Reiseunterlagen.

Reiseplanungen

Tee und Reiseplanungen

Später am Abend erkunden wir das Nachtleben der Stadt und trinken ein Bier der nördlichsten Brauerei der Welt in dem angeblich nördlichsten Rock-Café der Welt im Blå Rock Café. Gemütlich ist es hier.

Am Sonntagvormittag steuern wir dann die Seilbahnstation Fjellheisen an. Von hier kann man nicht nur mit der Bahn fahren, sondern sich die Aussicht auch erwandern. Bei den Einwohnern von Tromsø scheint das eine beliebte Sonntagsbeschäftigung zu sein, der Parkplatz ist gut gefüllt. Wir beginnen unseren Weg in einem niedrigen, knorrigen Birkenwäldchen. Steine und Wurzeln drücken sich durch den Boden unseres Weges. Dann beginnt der eigentliche Anstieg und schon bald zeigen sich erste Ausblicke auf die Stadt.

Blick auf Troms

Blick auf Tromsø

Immer weiter geht es den Berg hinauf. Wir übertreten die Baungrenze, der Weg wird steiniger. Die Sonne meint es gut mit uns. Dann haben wir die über 600 Höhenmeter überwunden und die Spitze des 671m hohen Fløya erreicht. Von hier haben wir einen weiten Blick über die Stadt und den Fjord. Wir können nicht nur weit, sondern auch in viele Richtungen blicken. Nur die Berge in unserem Rücken begrenzen unsere Sicht. Unter ihnen erhebt sich der Tromsdalstinden am eindrucksvollsten in die Höhe.

Tromsdalstinden

Tromsdalstinden (1284m)

In unserem Reiseführer stand, dass man bei kaum einer Stadt so sehr von einem Blick von oben profitiert, wie in Tromsø und tatsächlich, von hier oben kann man gut erkennen, wie sich die Stadt auf Festland und unterschiedlichen Inseln ausbreitet, die mit Brücken verbunden sind. Vor uns die Bergstation und der darunterliegende Teil auf dem Festland, dahinter Stadtzentrum und Flughafen auf Tromsøya, und nochmal dahinter die auf Kvaløya liegenden Häuser.

Blick über Trom und den Fjord

Blick über Tromsø und den Fjord

Langsam zieht der Himmel etwas zu, wir steigen ab. Dann fahren wir die Insel Kvaløya an, wo wir quasi direkt am Wasser mit unverstelltem Blick auf den Fjord etwas zu Mittag kochen. Dann steuern wir noch einmal das Stadtzentrum an. Leider ist der Himmel weiter zugezogen und bis wir das Zentrum erreichen, hat der Himmel seine Pforten mal wieder geöffnet. Daher verzichten wir auf einen Stadtbummel. Die Eismeerkathedrale können wir wegen einer Veranstaltung nicht besichtigen und so verlassen wir Tromsø wieder und setzen unseren Weg durch Nordnorwegen fort.

back through time

Meine Arbeit in den Bergen ist beendet, wir räumen unsere Zimmer im Bergcenter und packen den Bus. Ein letzter Blick zurück, dann geht es los Richtung Norden. In Trondheim stehen für mich Anfang der Woche noch zwei Tage Konferenzen an, da wollen wir das Wochenende in der Stadt nutzen. Als wir Trondheim nach einer gemütlichen Autofahrt erreichen ist es auch schon Zeit für den Nachmittagsspaziergang der Hunde. Wir steuern die Halbinsel Lade an, dort wollen wir auf dem Ladestien ein Stückchen laufen. Der Himmel ist bedeckt, das Wetter drückend. Aber der Weg führt lauschig am Fjord entlang und bietet schöne Aussichten auf Trondheim.

Blick über Trondheim

Blick über Trondheim, im Vordergrund: Lade

Anschließend fahren wir ein bisschen den Fjord entlang, um mögliche Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. Jetzt, da September ist, haben viele Campingplätze nicht mehr geöffnet. Nachdem wir fündig geworden sind, kehren wir nach Trondheim zurück, ziehen durch die abendlichen Gassen und kehren hier und da ein. Das Trondheimer Nachtleben ist sympathisch – aber wie immer teuer. Besonders gut gefällt es uns im Viertel Nedre Bakklandet, das mit seinen bunten alten Holzhäuschen einen besonderen Charme hat. Dorthin zieht es uns daher auch am nächsten Vormittag zurück, als wir eine Stunde überbrücken müssen, bis das Museum öffnet, das wir besuchen wollen. Wir genießen also eine gemütliche Vormittagsstunde bei einem guten, starken Kaffee.

in Nedre Bakklandet

Straße in Nedre Bakklandet

Es ist Zeit: Wir fahren zum Trøndelag Freilicht Museum in Sverresborg. Das Museum ist sehr ansprechend gestaltet und die Hunde dürfen mithinein. Es gibt einen Teil mit alten Häusern und Höfen, die man im Vorbeigehen besichtigen kann, sie tragen Nummern und eine Broschüre erklärt uns ausführlich die einzelnen Häuser. So lernen wir einiges über den Hausbau in Norwegen. Als wir zur Burg hochlaufen, sind alte Spiele aufgebaut. Wir fragen uns wieso – aber als eine geführte Gruppe mit Kindern dort Station macht, wird es uns klar.

Spielfiguren

Spielfiguren

Von der Burg hat man eine herrliche 360°-Aussicht über Trondheim und natürlich das Freileichtmuseum. Der Berg der Sverresborg liegt ungefähr in der Mitte des Museum. Hier kann man sich über die meisten Höfe des Museums von oben einen Überblick verschaffen.

verfallene Mauern der Sverresborg - Hof aus Oppdal - Trondheim

verfallene Mauern der Sverresborg – Hof aus Oppdal – Trondheim

Wir lernen, wie die norwegischen Höfe aufgebaut sind und bald schon können wir auch ohne Beschreibung die Elemente der verschiedenen Höfe durch die Zeiten identifizieren: Über den Viehställen sind meistens Heulager, zu denen Rampen führen. Das Wohnhaus ist das einzige Haus mit Fenstern, Vorratsspeicher sind auf Stelzen gebaut, damit Mäuse sich nicht an den Vorräten zuschaffen machen nicht können.

Hof aus Oppdal mit außergewöhnlich aufwändig gestaltetem Wohnhaus

Hof aus Oppdal mit außergewöhnlich aufwändig gestaltetem Wohnhaus

Genau hinschauen, ist in diesem Museum die Devise. Denn neben den großen Höfen, findet man auch ein Baumhaus. Liebevoll in Miniaturgröße gestaltet: Mit Tür, Fenstern, einer Terrasse und sogar einem Balkon für die Steinwesen, die hier wohnen.

Miniatur-Baumhaus

Miniatur-Baumhaus

Dann steuern wir die kleine Abteilung mit Häusern von Südsamen an. Leider ist das Sommerhaus gerade nicht aufgebaut. Dafür das Wintererdhaus, das so verwachsen ist, dass wir es zuerst für einen einfachen Hügel halten und gar nicht bemerken. Auch ein Speicherhaus ist hier zu finden. Es ist nicht nur auf kleinen Stelzen gebaut, sondern auf großen. So ist der Vorrat nicht nur vor Mäusen, sondern auch vor Wildtieren geschützt. Mein Hund samischer Abstammung muss natürlich davor posieren.

Chili vor einen südsamischen Vorratsspeicher

Frau Hund vor einen südsamischen Vorratsspeicher

Dann besichtigen wir den Teil des Museums, in dem Häuser des historischen Trondheims aufgebaut sind. Hier kann man einige Häuser auch von innen besichtigen. So kann man die Druckerei besuchen, einen Hutladen, die Poststation und sogar einen Zahnarzt. Es ist wie eine Reise zurück in der Zeit.

Im "Stadtteil" des Museums

Im „Stadtteil“ des Museums

Wir betreten einen Kolonialwarenladen. Hier gibt es bunte Bonbons in verschiedenen Zusammenstellungen zu kaufen. Wir entscheiden uns für eine Beeren- und eine Lakritzmischung und freuen uns wie kleine Kinder über diese besonderen Schätze.

bunte, süße Bonbons

bunte, süße Bonbons

Nach einem Maler mit allerlei bunten Farben, einer alten Apotheke mit vielen Schächtelchen und Döschen, sowie alten Skiern aus Holz mit geschnitzten Verzierungen, darf auch das Haus des Nachtmannes nicht fehlen. Dafür müssen wir ein Stückchen laufen – Nachtmänner wohnten außerhalb, der Kontakt mit ihnen wurde gemieden. Sie waren dafür zuständig, Fäkalien, Leichen, Kadaver zu entsorgen. Eine zehn minütige Geschichte zum Anhören nimmt uns mit auf die Spuren dieser verachteten Menschen und das Schicksal ihrer Familien.

im Haus des Nachtmannes

im Haus des Nachtmannes

Gute drei Stunden haben wir nun im Freilichtmuseum verbracht. Es hat sich gelohnt, aber wir sind etwas müde. Wir machen Mittagspause und dösen im Sonnenschein. Dann bringen uns unsere knurrenden Mägen zurück nach Nedre Bakklandet. Dort gibt es einen Imbiss, von dem wir bei unserem letzten Trondheimbesuch schon eine Filiale gefunden haben, und der uns sofort überzeugt hatte. Dann schlendern wir noch einmal durch die alten Häuser. Ich kann mich kaum sattsehen, die Stadt wird mir immer sympathischer, je länger ich hier bin.

Blick über die Speicherhäuser von der alten Stadtbrücke aus

Blick über die Speicherhäuser von der alten Stadtbrücke aus

Die Entdeckungslust hat uns noch nicht ganz verlassen, und so fahren wir in die andere Fjordrichtung wie am Vortag die Küste entlang. Wir finden eine kleine Parkbucht, gehen mit den Hunden an der Küste spazieren und verbringen einen netten Abend bei Meerbrise und leichtem Wellenrauschen.

Herr und Frau Hund spielen Fangen am Trondheimfjord

Herr und Frau Hund beim Rennen am Trondheimfjord

an unexpected day off

Da ich zufällig einen Tag mehr frei habe und ein Termin in Oslo ansteht, beschließen wir den freien Tag in Oslo zu verbringen. Oder besser gesagt: Den Nachmittag. Den Vormittag benötigen wir für die Fahrt. Obwohl wir schon einen Großteil am Abend vorfahren wollten, kamen wir nicht weit. Baustelle folgte auf Baustelle und wir mussten immer wieder auf das Ledebil warten – dieses Fahrzeug, das einen durch die Baustelle führt. An einer Baustelle dauerte es eine halbe Stunde bis es uns schließlich durch die Baustelle geleitete. Durch die Verkehrslage war es dann auch schwierig einen Rastplatz zu finden und wir mussten weiter fahren, als wir eigentlich wollten. So blieb trotz der unfreiwilligen und ungeplanten Nachtfahrt noch ein gutes Stück Fahrt für den Vormittag übrig. Gegen 14.00 kommen wir in Oslo am Viking Ship Museum an und entern es nach einer kleinen Rast. Nach den vielen Tagen einsam in den Bergen ist es ein kleiner Kulturschock: Unzählige Touristen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt wuseln um uns herum.

Repräsentatives "Ausflugsschiff"

Repräsentatives „Ausflugsschiff“

Drei Boote werden hier im Wesentlichen ausgestellt: Sie waren alle drei Funde aus Gräbern. Bevor sie zur Grabbeigabe wurden, waren sie aber fahrbare Schiffe. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Ein gut erhaltenes „Ausflugsboot“ mit schönen Verzierungen. Ein gut erhaltenes Boot, das seetauglich über die Meere schipperte, und ein sehr schlecht erhaltenes Boot – mehr Gerippe denn Boot ist es jetzt, obwohl auch dieses Boot einst über die Meeresoberfläche glitt.

Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen...

Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen…

Als wir das erhaltene, seetaugliche Boot näher betrachten, wundern wir uns, dass es keinerlei Kajüte oder Rückzugsmöglichkeit gibt. Wind und Wetter auf der hohen See war man in diesem Boot recht schutzlos ausgesetzt. Und trotzdem segelten die Wikinger weit über heimatliche Gefilde hinaus. Bis ans Mittelmeer kamen sie. Und das alles auf einem zwar stattlichen, aber nicht gerade gastlichen oder gar heimeligen Boot.

Auf Deck eines seetauglichen Wikingerschiffs

Auf Deck eines seetauglichen Wikingerschiffs

Mehr noch als die Schiffe beeindruckt mich aber das Kunsthandwerk. Denn neben den Schiffen sind auch die Grabbeigaben ausgestellt, die hier gefunden wurden. Die meist ornamenthaften Arbeiten aus Holz und Metall sind aufwändig und beeindruckend. Es muss lange gedauert haben, sie zu fertigen.

kunstvoller Schlittenzug (Grabbeigabe)

kunstvoller Schlittenzug (Grabbeigabe)

Spannend ist auch, dass gerade die auffälligen Tierköpfe noch nicht sicher zugordnet werden konnten. Wo sie befestigt waren, und was ihr Zweck war, weiß keiner so genau. Das lässt Raum für die eigene Fantasie.

Tierkopf

Tierkopf

Anschließend beschließen wir, dass uns die Zeit die uns für ein Freilichtmuseum noch bliebe, zu gedrängt ist. Wir fahren daher an den Badebereich der Museumshalbinsel Bygdøy, schlendern durch den Park und am Strand entlang. Wir erklimmen einen kleinen Felsen und lassen die Füße überm Wasser baumeln, während wir die Boote und Schiffe im Oslofjord beobachten.

Am Oslofjord (Strand Hulk der Halbinsel)

Am Strand Hulk der Halbinsel Bygdøy

Wir fahren stadteinwärts und statten noch einem kleinen Bio-Laden einen Besuch ab. Der junge Mann will bereits schließen, sein Kollege ist krank und er hat zwei Jobs. Aber wir dürfen uns noch schnell umschauen. Der Laden ist sehr gemütlich eingerichtet, mit lauter alter Holzkisten uns hat eine gute Auswahl. Allerdings stehen nirgends Preise, so dass das Bezahlen spannend wird. Nach diesen kleinen Erledigungen gönnen wir uns eine Nacht auf dem Campingplatz und profitieren den ersten Abend von unserem Vorzelt. Die Hunde finden das sehr gut – auch wenn Chili die trubelige Atmosphäre auf dem Campingplatz nach all der Zeit in Stille und Einsamkeit doch manchmal gerne ordnen würde.

Bus mit Vorzelt

Bus mit Vorzelt