eastern feeling

Rückblick: Als wir morgens aufwachen, ist die Stimmung etwas trüb. Wir haben den Wecker verschlafen. Auch Herr Vierbein bereitet uns Sorgen: Er verweigert sein Fressen. Also starten wir nicht zu einer Zwei-‚Tages-Tour. Trotzdem steuern wir den Nationalpark an, in dem wir eigentlich wandern wollten – man kann dort ja auch kürzere Wege gehen. Doch als wir dort ankommen, ist gerade ein Trailrunning-Event. Mensch und Hund nicht ganz fit und dann durch den Trubel laufen? Das muss nicht sein. Wir ändern unsere Pläne: Statt Wanderung fahren wir in die nächste größere Stadt, mieten uns ein Hostel-Zimmer und entspannen im Warmen in echten Betten. In der Nacht ist irgendetwas komisch: Ich fühle mich zu jung, um auf einen Flur zu schlurfen und partylaunige, junge Menschen um Ruhe zu bitten…

Den nächsten Tag beginnen wir genauso gemütlich wie wir den Vortag beschlossen haben. Dann machen wir uns gut erholt daran Kuopio zu entdecken. Wir steuern die Innenstadt an und gelangen recht schnell an den Marktplatz. Auf der einen Seite eine Markthalle, auf der anderen das Rathaus und drum herum verschiedene Kaufhäuser. Und auch unter dem Marktplatz findet sich nicht nur eine Tiefgarage, sondern ebenso Geschäfte und Restaurants.

Markthalle

an der Markthalle von Kuopio

Wir laufen weiter zum lutherischen Dom, dem wir uns von der Hinterseite nähern. Die Außenfassade des Baus ist sehr interessant gestaltet. Die Kreuzachse der Kirche ungewöhnlich stark ausgeprägt.

wir nähern uns dem lutherischen Dom

wir nähern uns dem lutherischen Dom

Als wir die Kirche betreten, sind wir von Schlichtheit der Kirche überrascht. Alles ist vor allem in Weiß gehalten, ein paar goldene Verzierungen heben sich ab. Trotz der kreuzförmigen Architektur ist alles auf Altar und Kanzel konzentriert. Als wir den Dom verlassen, stehen wir in gerader Achse zu einem Park. Er ist erstaunlich bunt für die Jahreszeit.

der Snellmann-Park

der Snellmann-Park

Durch den Park schlendern wir zum Passagierhafen. Hier liegen verschiedene Ausflugs- und Restaurantschiffe ruhig auf dem Wasser. In einem Boot sind die Tische noch eingedeckt, die Gläser nicht ganz ausgetrunken. Gestern muss hier eine große Feier stattgefunden haben.

Boot im Hafen

Boot im Hafen

Dann laufen wir weiter zur orthodoxen Kathedrale St. Nikolai. Wir sind neugierig auf den orthodoxen Glauben hier in Finnland. Wenn auch zahlenmäßig nur wenige Orthodoxe hier leben, prägen die Einflüsse doch die Region. Die Kathedrale ist Sitz des einzigen Metropoliten in ganz Finnland – wir hatten sie uns größer vorgestellt.

St.-Nikolaus Kathedrale

St.-Nikolaus Kathedrale

Als wir die Kirche betreten, schlägt uns der Geruch von Weihrauch entgegen. Wir werden ausgesprochen freundlich empfangen und sofort mit Informationsmaterial und Postkarte versorgen. Freundlich werden wir gebeten uns umzusehen. Es ist eindrücklich, wie sehr sich die innere Gestaltung der Kirche von der aus evangelischen oder katholischen Kirchen gewohnten unterscheidet. Als ich nachfrage, ob ich ein Foto machen dürfe, wird das Licht extra kamerafreundlich heruntergeregelt.

Ikonostase in der Kirche

Ikonostase in der Kirche

Da weder das Freilichtmuseum noch das orthodoxe Kirchenmuseum heute geöffnet haben, nutzen wir die Zeit in der Stadt noch für einen Café-Besuch. Das Café war uns zu Anfang unserer Tour gleich aufgefallen. Es ist extrem gemütlich eingerichtet, der Kaffee schmeckt vorzüglich. Ich hatte nicht gewusst, welch grandiosen Milchschaum man aus Hafermilch zaubern kann.

im Café

im Café

Dann fahren wir zum Koli-Nationalpark und damit Richtung Nordkarelien. Hier wollen wir die nächsten Tage wandern gehen. Am Parkplatz angekommen drehe ich mit den Hunden eine gemütliche Abendrunde in dem märchenhaften Wald: Schweigend liegt er in Nebel gehüllt rechts und links des Weges. Der Boden unter den Tannen ist moosbewachsen, ein paar bunte Birken und einige Findlinge haben sich dazwischen verirrt. Als ich eine Natursteintreppe hinaufteige warte ich nur darauf, dass Rotkäppchen vor mir den Weg passiert und frage mich, welche Märchenfiguren für die Gegend wohl typisch sind. Ich freue mich auf den nächsten Tag und darauf, länger an diesem Ort zu verweilen. Da kann mir auch der sehr mäßige Wetterbericht die Vorfreude nicht verderben.

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