back through time

Meine Arbeit in den Bergen ist beendet, wir räumen unsere Zimmer im Bergcenter und packen den Bus. Ein letzter Blick zurück, dann geht es los Richtung Norden. In Trondheim stehen für mich Anfang der Woche noch zwei Tage Konferenzen an, da wollen wir das Wochenende in der Stadt nutzen. Als wir Trondheim nach einer gemütlichen Autofahrt erreichen ist es auch schon Zeit für den Nachmittagsspaziergang der Hunde. Wir steuern die Halbinsel Lade an, dort wollen wir auf dem Ladestien ein Stückchen laufen. Der Himmel ist bedeckt, das Wetter drückend. Aber der Weg führt lauschig am Fjord entlang und bietet schöne Aussichten auf Trondheim.

Blick über Trondheim

Blick über Trondheim, im Vordergrund: Lade

Anschließend fahren wir ein bisschen den Fjord entlang, um mögliche Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. Jetzt, da September ist, haben viele Campingplätze nicht mehr geöffnet. Nachdem wir fündig geworden sind, kehren wir nach Trondheim zurück, ziehen durch die abendlichen Gassen und kehren hier und da ein. Das Trondheimer Nachtleben ist sympathisch – aber wie immer teuer. Besonders gut gefällt es uns im Viertel Nedre Bakklandet, das mit seinen bunten alten Holzhäuschen einen besonderen Charme hat. Dorthin zieht es uns daher auch am nächsten Vormittag zurück, als wir eine Stunde überbrücken müssen, bis das Museum öffnet, das wir besuchen wollen. Wir genießen also eine gemütliche Vormittagsstunde bei einem guten, starken Kaffee.

in Nedre Bakklandet

Straße in Nedre Bakklandet

Es ist Zeit: Wir fahren zum Trøndelag Freilicht Museum in Sverresborg. Das Museum ist sehr ansprechend gestaltet und die Hunde dürfen mithinein. Es gibt einen Teil mit alten Häusern und Höfen, die man im Vorbeigehen besichtigen kann, sie tragen Nummern und eine Broschüre erklärt uns ausführlich die einzelnen Häuser. So lernen wir einiges über den Hausbau in Norwegen. Als wir zur Burg hochlaufen, sind alte Spiele aufgebaut. Wir fragen uns wieso – aber als eine geführte Gruppe mit Kindern dort Station macht, wird es uns klar.

Spielfiguren

Spielfiguren

Von der Burg hat man eine herrliche 360°-Aussicht über Trondheim und natürlich das Freileichtmuseum. Der Berg der Sverresborg liegt ungefähr in der Mitte des Museum. Hier kann man sich über die meisten Höfe des Museums von oben einen Überblick verschaffen.

verfallene Mauern der Sverresborg - Hof aus Oppdal - Trondheim

verfallene Mauern der Sverresborg – Hof aus Oppdal – Trondheim

Wir lernen, wie die norwegischen Höfe aufgebaut sind und bald schon können wir auch ohne Beschreibung die Elemente der verschiedenen Höfe durch die Zeiten identifizieren: Über den Viehställen sind meistens Heulager, zu denen Rampen führen. Das Wohnhaus ist das einzige Haus mit Fenstern, Vorratsspeicher sind auf Stelzen gebaut, damit Mäuse sich nicht an den Vorräten zuschaffen machen nicht können.

Hof aus Oppdal mit außergewöhnlich aufwändig gestaltetem Wohnhaus

Hof aus Oppdal mit außergewöhnlich aufwändig gestaltetem Wohnhaus

Genau hinschauen, ist in diesem Museum die Devise. Denn neben den großen Höfen, findet man auch ein Baumhaus. Liebevoll in Miniaturgröße gestaltet: Mit Tür, Fenstern, einer Terrasse und sogar einem Balkon für die Steinwesen, die hier wohnen.

Miniatur-Baumhaus

Miniatur-Baumhaus

Dann steuern wir die kleine Abteilung mit Häusern von Südsamen an. Leider ist das Sommerhaus gerade nicht aufgebaut. Dafür das Wintererdhaus, das so verwachsen ist, dass wir es zuerst für einen einfachen Hügel halten und gar nicht bemerken. Auch ein Speicherhaus ist hier zu finden. Es ist nicht nur auf kleinen Stelzen gebaut, sondern auf großen. So ist der Vorrat nicht nur vor Mäusen, sondern auch vor Wildtieren geschützt. Mein Hund samischer Abstammung muss natürlich davor posieren.

Chili vor einen südsamischen Vorratsspeicher

Frau Hund vor einen südsamischen Vorratsspeicher

Dann besichtigen wir den Teil des Museums, in dem Häuser des historischen Trondheims aufgebaut sind. Hier kann man einige Häuser auch von innen besichtigen. So kann man die Druckerei besuchen, einen Hutladen, die Poststation und sogar einen Zahnarzt. Es ist wie eine Reise zurück in der Zeit.

Im "Stadtteil" des Museums

Im „Stadtteil“ des Museums

Wir betreten einen Kolonialwarenladen. Hier gibt es bunte Bonbons in verschiedenen Zusammenstellungen zu kaufen. Wir entscheiden uns für eine Beeren- und eine Lakritzmischung und freuen uns wie kleine Kinder über diese besonderen Schätze.

bunte, süße Bonbons

bunte, süße Bonbons

Nach einem Maler mit allerlei bunten Farben, einer alten Apotheke mit vielen Schächtelchen und Döschen, sowie alten Skiern aus Holz mit geschnitzten Verzierungen, darf auch das Haus des Nachtmannes nicht fehlen. Dafür müssen wir ein Stückchen laufen – Nachtmänner wohnten außerhalb, der Kontakt mit ihnen wurde gemieden. Sie waren dafür zuständig, Fäkalien, Leichen, Kadaver zu entsorgen. Eine zehn minütige Geschichte zum Anhören nimmt uns mit auf die Spuren dieser verachteten Menschen und das Schicksal ihrer Familien.

im Haus des Nachtmannes

im Haus des Nachtmannes

Gute drei Stunden haben wir nun im Freilichtmuseum verbracht. Es hat sich gelohnt, aber wir sind etwas müde. Wir machen Mittagspause und dösen im Sonnenschein. Dann bringen uns unsere knurrenden Mägen zurück nach Nedre Bakklandet. Dort gibt es einen Imbiss, von dem wir bei unserem letzten Trondheimbesuch schon eine Filiale gefunden haben, und der uns sofort überzeugt hatte. Dann schlendern wir noch einmal durch die alten Häuser. Ich kann mich kaum sattsehen, die Stadt wird mir immer sympathischer, je länger ich hier bin.

Blick über die Speicherhäuser von der alten Stadtbrücke aus

Blick über die Speicherhäuser von der alten Stadtbrücke aus

Die Entdeckungslust hat uns noch nicht ganz verlassen, und so fahren wir in die andere Fjordrichtung wie am Vortag die Küste entlang. Wir finden eine kleine Parkbucht, gehen mit den Hunden an der Küste spazieren und verbringen einen netten Abend bei Meerbrise und leichtem Wellenrauschen.

Herr und Frau Hund spielen Fangen am Trondheimfjord

Herr und Frau Hund beim Rennen am Trondheimfjord

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