exploring a cozy island

Im Morgengrauen stehen wir am Fähranleger der Silja Line in Turku. Wir stehen ganz vorn und können so beobachten, wie sich die Fähre entlädt und Trailer eingeladen werden. Dann dürfen wir als erstes KFZ auffahren. Wir fahren ja auch nicht die ganze Strecke nach Stockholm durch, sondern wollen einen Pausetag auf den Ålandinseln einlegen.

im Morgengrauen am Fähranleger

im Morgengrauen am Fähranleger

Von Deck der Fähre können wir den Turkur Hafen im zarten Morgenlicht bewundern, dann ziehen wir uns in unsere Kabine zurück. Wir haben Schlaf nachzuholen. Nach einem ausgiebigen, sonnenbeschienen Brunch an Deck kommen wir dann um die späte Mittagszeit in Mariehamn an. Die Insel empfängt uns mit über 10 Grad und Sonnenschein. Weitere Pläne für unseren Aufenthalt haben wir keine gemacht und so steuern wir zunächst eine Burg an, deren Bild ich im Reiseführer ansprechend fand, – in der Hoffnung, dort eine nette Spaziergehstrecke zu finden. Wir haben Glück das kleine Freilichtmuseum nahebei hat offen.

Eingangstor zum Museum

Eingangstor zum Museum

Geöffnet bedeutet in diesem Fall: Das Gelände ist betretbar. Aber das reicht uns ja. Mit unserem angeeigneten Wissen aus mehreren Freilichtmuseen in Skandinavien und den kleinen Infotafeln, die hier stehen, können wir uns das kleine Areal gut selbst erarbeiten. Es sind natürlich typisch ländische Gebäude, die hier ausgestellt sind. Sie sind unter anderem maritim teilweise mit Reed gedeckt. Man entdeckt eben doch immer etwas Neues.

reedgeeckte Stallungen mit Glocke

reedgeeckte Stallungen mit Glocke

Schleißlich kommen wir zum Bootsanleger. Von hier aus hat man einen schönen Blick über das Wasser und auch zur Burg. Ein toller Ort, um ein paar Erinnerungsfotos zu machen.

im Hintergrund die Burg

Urlaubsmodels

Dann fahren wir weiter, aber nicht ohne noch einen Abstecher in eine Seitenstraße zu machen, um einmal vollen Blick über die alten Gemäuer zu bekommen. Ruhig und anmutig liegt Schloss Kastelholm hier direkt am Wasser.

Burg Kastelholm

Burg Kastelholm

Wir bleiben dran am Thema „altes Gemäuer“ und fahren Richtung Bomarsund – nach Osten. Hier liegen immer wieder Ruinenstücke am Straßenrand. Von der einstigen russischen Festung ist nicht mehr erhalten. Noch bevor sie je ganz fertig gestellt wurde, wurde sie im Krimkrieg in Schutt und Asche gelegt.

Reste des Notviken-Turm

Reste des Turms Notviken

In östlicher Richtung kommen wir nicht weiter, wir müssten zur nächsten Insel übersetzen. Daher steuern wir nun den Norden der Insel an. Wir fahren über enge, teilweise holprige Straßen, vorbei an verschiedenen Höfen und Kirchen. Die meisten Kirchen hier sind ähnlich gebaut. An der Marienkirche in Saltvik versuchen wir unser Glück, eine Kirche auch von innen zu besichtigen, doch die Türen sind verschlossen.

Marienkirche, Saltvik

Marienkirche, Saltvik

An einem Badestrand, desses Saison schon längst vorbei ist, können wir einen schönen Abend genießen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser und wir können ihr von einer tiefen Nachmittagssonne bis zum Sonnenuntergang mit den Augen folgen.

Badestrand nahe Geta

am Strand nahe Geta

Der nächste Tag empfängt uns leider eher grau und bedeckt. Wir gehen daher erstmal etwas Einkaufen und hoffen, dass die Sonne sich in der Zwischenzeit dazu bewegt, einmal durch die Wolken hindurch zu schauen. Wir fahren das südliche Ostende der Insel an. Hier landen wir recht unerwartet an einem größeren Fährhafen. Also drehen wir wieder um. Ein Schild zu einer Kapelli lässt uns auf dem Rückweg dann vom Weg abbiegen. Wir werden zu einem Waldparkplatz geführt, den Rest erkunden wir zu Fuß. Zunächst laufen wir auf einem breiten Waldweg, dann müssen wir uns entscheiden: Links zur Kapelle, rechts zu einem Hafen. Wir steuern zunächst die Kapelle an.

St-Olof-Kapelle

St-Olof-Kapelle

Die heutige Kapelle wurde auf den Ruinen der einstigen größeren Kirche errichtet. Damals, als hier ein wichtiger Hafen und Umschlagsplatz war. Heute ist hier ein ruhiger, friedlicher Platz im Wald. Nichts zeugt mehr von dem einstigen Rummel, der hier geherrscht haben muss. Das Innere der Kapelle ist schlicht und spartanisch, aber gerade so hat sie eine tolle Stimmung als einfache Waldkapelle.

Innensicht

Innensicht

Dann laufen wir zum angechrieenen „Hafen“. Wir rätseln, was sich dahinter wohl verbergen mag. Ein Schild erklärt es uns: An diesem Ort war einst ein Anlegepunkt für die Schiffe. Ein mittelalterlich gemachtes Boot veranschaulicht es uns. Wie an der Kirche ist es auch hier eine ganz besondere, friedliche Stimmung.

Boot im Hafen

Boot im Hafen

Nach unserem kleinen Ausflug in das Mittelalter steuern wir jetzt den Westen der Insel an. Hier setzen wir über eine kleine Brücke auf die Insel Eckerö über. Bald stehen wir wieder an einem Fährhafen und drehen wieder um. Wiedereinmal passieren wir ein Schild, dass uns in Åland willkommen heißt: autonom und demilitarisiert, so steht es hier. Die Åländer sind ein stolzes Volk. Schwedischsprachig und doch zu Finnland gehörig. Eine interessante Mischung der Kulturen. Wir biegen Richtung Norden nach Käringsund ab. Hier machen wir ein ausgedehntes Päuschen und genießen den Ausblick auf den Fischhafen. Dicht an dicht drängen sich hier die Holzschuppen nicht nur am, sondern auch über Wasser.

Hafen Kräringsund

Hafen Käringsund

Dann fahren wir weiter über die kleine Insel. Auch hier landen wir bald wieder an einem Punkt, an dem wir nicht weiterfahren dürfen. Also drehen wir nach der kleinen, älteren Brücke, die wir gerade passiert haben, wieder um und fahren zurück. Die frühe Abendstimmung hier am Wasser ist herrlich.

Abendstimmung auf Eckerö

Abendstimmung auf Eckerö

Wir übernachten noch auf Eckerö und am nächsten Morgen heißt es dann auch schon: Sich auf’s Abschiednehmen vorbereiten. Ein paar Vormittagsstündchen bleiben uns noch, dann müssen wir für die Fähre einchecken. Nachdem wir die Hunde in einem erspähten Hundeauslauf nochmal kräftig haben toben und rennen lassen, nutzen wir die Zeit für einen Hafenspaziergang in Mariehamn. Verlassen und einsam liegt er da. Man merkt deutlich, dass gerade nicht Saison ist.

im Sommer einer der gut besuchtesten Orte Mariehamns

Der Åss Pavillon am Hafen – im Sommer einer der gut besuchtesten Orte Mariehamns

Wir laufen einen Steg entlang, an dem kein einziges Boot vertäut ist, und blicken auf das Museumsschiff „Pommern“ und den Fährhafen, in dem gerade ein Boot der Viking Line liegt. Das erinnert uns daran, dass nun Zeit ist, dass auch wir uns zum Fährhafen zu begeben um auf die M/S Galaxy der Silja Line zu warten. Bald schon werden wir nun finnisches Hoheitsgebiet verlassen.

Blick über das Hafengelände Mariehamns

Blick über das Hafengelände Mariehamns

 

Red Bricks

Nach einem gemütlichen Abend starten wir ebenso gemütlich in diesen wegen seines Datums für uns besonderen Tag. Wir wollen Tampere entdecken, sind aber unentschlossen, wo und womit wir beginnen sollen. Kirchenbesichtigungen scheinen uns naheliegend und ein guter Start. Wir steuern also einen Parkplatz in der Nähe der orthodoxen Kirche an. Sie liegt am einen Ende der Tuomiokirkonkatu, der lutherischer Dom am anderen. Parken hier ist nicht gerade billig, wir „gönnen“ uns eine Stunde. Die orthodoxe Kirche ist geschlossen, so können wir sie nur umrunden. Von außen ist sie mit ihren verzwiebelten Türmen aber sehr eindrucksvoll und vermittelt etwas Russland-Feeling.

orthodoxe Kirche von Tampere

orthodoxe Kirche von Tampere

Weiter geht es nun die Tuomiokirkonkatu entlang Richtung Dom. Die Straße an sich ist wenig interessant. Dann erreichen wir den Dom. Schon von außen wirkt der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bau irgendwie nach „neu auf alt gemacht“. Der Reiseführer hat uns verraten, dass er als eine der Hauptschöpfungen der finnischen Nationalromantik gilt. Doch, was wir uns darunter genau vorstellen sollen, ist uns bisher unklar, obwohl wir in Helsinki auch schon hier und da über den Begriff gestolpert sind

luterischer Dom, errichet nach Plänen von Lars Sonck

luterischer Dom, errichet nach Plänen von Lars Sonck

Der erste, äußere Eindruck hält sich auch im Inneren. Die Wände dieser mit vielen Bögen, aber gleichzeitig hallenartig gebauten Kirche sind reich mit Gemälden bekannter finnischer Künstler wie Hugo Simberg oder Magnus Enckel ausgemalt. So zeigt das Altarbild eine Interpretation des Auferstehungsthemas, links im Nebenschiff ist der „Garten des Todes“ dargestellt und oben rechts auf der Empore eine Variante des bekannten Bildes „der verwundete Engel“. Um die Empore herum läuft die „Girlande des Lebens“, getragen von zwölf nackten Jungen. Der Faltflyer erklärt uns, dass Menschen aus Tampere für die Gemälde  Vorlage standen.

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mit Gemälden bestückter Innenraum

Nicht nur die Wände und die Empore, auch die vielen Bögen und Wölbungen sind verziert und bemalt. So zeigt sich über einem etwa eine schwarze Schlange, umgeben von Engelsflügeln. Die meisten Bögen sind mit Rosen und Dornen ausgemalt. Immer wieder stellt sich mir die Frage: „Ist das Kitsch, oder kann das weg?“. Herr Zweibein formuliert es so: „Ein bisschen wie eine Kirche in einem Freizeitpark“. Aber irgendwie hat das Ganze auch etwas. Ob nun hübsch oder nicht, vergessen wird man diese Art der Kirchengestaltung so schnell sicher nicht.

ausgemalte Hauptwölbung

ausgemalte Hauptkuppel

ausgemalte Bögen und Wölbungen

ausgemalte Bögen und Wölbungen

Das Parkticket neigt sich seinem Gültigkeitsende entgegen und so steuern wir wieder das Auto an. Doch kurz vorher husche ich noch kurz in einen dieser witzig-alternativ aussehenden Klamotten- und Krimskramsläden, von denen es in Finnland einige gibt. Dann steuern wir einen Park an: Natur und Hundespaziergang scheint nach Kirchenbesichtigung eine gute Abwechslung zu sein. In der Tat lässt sich hier in schönstem Herbstwetter direkt am Wasser spazieren.

am Strand bei Pyynikki

am Strand bei Pyynikki

Da wir noch ausreichend Zeit haben bis das geplante Abendprogramm (ein Minimetalfestival) beginnt, entscheiden wir uns für einen Stadtrundgang. Mit einer Karte, in der Tourenvorschläge eingezeichnet und wichtige Punkte markiert und kurz erklärt sind, machen wir uns an unsere self-guided Tour durch Tampere und beginnen in dem Viertel, in dem unser Apartment gelegen hatte.

an der Esplandie

an der Esplanadie

Wir lernen etwas über den Aufschwung Tamperes im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die starke Ströumg des Flusses, der die beiden Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi verbindet, und die sich daraus ergebende Wasserkraft wurde zuerst von der Textilindustrie genutzt, dann kamen weitere Zweige dazu. Wir passieren die Stromschnellen zum ersten Mal im Norden bei Näsi-Park mit Blick auf eine zu einem Museumszentrum umgewandleten Maschinenbaufabrik.

über den Tammerkoski mit Blick auf das Museumszentrum Vapriikki

über den Tammerkoski mit Blick auf das Museumszentrum Vapriikki

Dann kommen wir zum Gebiet der Finlayson-Fabrik. Es war die erste in Tampere gegründete. Für die vielen Arbeiter reichten die in der Stadt vorhandenen Kirchen bald nicht aus und so ließ der damalige Fabrikleiter eine kleine Kirche errichten.

Finlayson-Kirche

Finlayson-Kirche

Nach der Kirche werden wir weiter durch das Finlayson-Areal geführt. Auch hier hat sich Kultur und Gastronomie in den alten Mauern angesiedelt. Ebenso wie das Gebäude der ehemaligen Papierfabrik Frenckell, das wir kurz darauf erreichen, nun eine Bühne des Tampere-Theaters beherbergt.

Industrie und Kultur - diese Beggnung prägt das ganze Stadtbild Tamperes

Industriegebäude und Kultur – diese Begnung prägt das ganze Stadtbild Tamperes

Dann laufen wir weiter flussabwärts und erreichen den zentralen Platz Tamperes. Hier ist gerade mächtig was los: Es spielt laute Musik und überall laufen junge Menschen mit bunten Hosen voller Aufnäher herum. Es findet eine Art Studentenabschlussfest statt, das die ganze Stadt durchzieht. Die Veranstaltung ist als eine Art Kneipentour mit Laufzetteln gestaltet, so viel kann uns eine Finnin erklären. Den vielen repräsentativen Gebäude am Platz kann das bunte Treiben wenig anhaben.

Keskustori

am Keskustori

Blick zum nachträglich gebauten Glockenturm der alten Kirche und dem Tampere-Theater

Blick zur alten Kirche und dem Tampere-Theater

Dann führt uns der Weg mitten hindurch durch die gemütliche Markthalle. Hier neigt sich die Betriebsamkeit schon dem Ende zu, doch strahlt die Halle ein ganz besonderes Flair aus. Hier würden wir sicherlich öfter einen Kaffee trinken, würden wir in der Stadt wohnen.

in der Kauppahalli

in der Kauppahalli

Wir sind am nördlichen Ende des Tammerkoski angelangt und setzen nun wieder auf die andere Seite über. Hier können wir noch einmal viele der Gebäue betrachten, an denen wir zuvor entlang gelaufen sind. So etwa den markanten Schornstein der Papierfabrik Frenckells und die Stromschnellen, an denen die Fabrik angesiedelt war.

markantes Stadtbild

markantes Stadtbild mit Schornstein der Frenckells-Papierfabrik im Vordergrund

Jeden Meter, den wir in dieser Stadt gelaufen sind, habe ich mich mehr in sie verliebt. Die Mischung aus alten Industrie-Backsteingebäuden, viel Kultur und einigen schnuckelig aussehenden Cafés, haben es mir und uns angetan. Tampere werden wir in bester Erinnerung behalten.

Wooden City

Es ist Mittwochmorgen. Noch am Abend haben wir Turku verlassen. Es bot sich kein schöner Übernachtungsplatz und das schwedische Flair der Stadt hat zwar durchaus seinen Reiz, aber wir wollen noch etwas mehr Finnland-Feeling bevor wir das finnische Festland verlassen und die Heimreise mit Zwischenetappe Ålandinseln beginnt. Die Nacht war kalt und so organisieren wir uns zunächst eine warme Unterkunft für den Abend. Dann fahren wir weiter Richtung Tampere. Auf dem Weg dorthin legen wir einen Stopp im Städtchen Rauma ein. Die Altstadt soll laut Reiseführer sehr lohnend zu sein. So treten wir ein in die Straßen unzähliger Holzhäuser.

Straße in Rauma

Rauma – Weltkulturerbe und größte Holzstadt Skandinaviens

Kunsthandwerk, Boutiquen, Kaffees all das findet sich aneinander gereiht in den bunten Holzhäusern. Doch die Straßensaison der Cafés ist vorbei und mit Hunden können wir uns nicht hineinsetzen. Allerdings finden wir auf einem Marktplatz einen kleinen, schnuckeligen Kaffeestand. Das ist auch gut. Mit warmem Kaffee im Bauch steuern wir die Kirche an.

Heiligkreuzkirche

zur Heiligkreuzkirche

Die ehemalige Franziskanerkirche wird uns durch ein Faltblatt erklärt. In fast jeder Kirche, die wir in Finnland besucht haben, gab es bisher ein solches kostenloses Faltblatt mit kurzen Informationen zur Kirche. Ein toller Service, sehr einladend und aufmerksam. In der bunt ausgemalten Kirche sitzt eine der Holzfiguren, die hier und da das Stadtbild zieren. Es ist als ob hier ständig jemand säße und ununterbrochen Andacht halten würde.

in der Heiligkreuzkirche

in der Heiligkreuzkirche

Dann ziehen wir weiter zur nächsten Kirche – diese soll aber nur noch in Ruinen zaghaft zu erkennen sein. Als wir aus der Kirche hinaustreten glitzert die Sonne uns entgegen. Unser Weg führt uns noch einmal zum Marktplatz. Hier ist es auf einmal deutlich ruhiger als ein paar Momente zuvor. So hat der Stand, wo wir eben noch Kaffee getrunken haben, mittlerweile die Schotten dicht gemacht.

Richtung Marktplatz und Rathaus

Richtung Marktplatz mit Rathaus

Die Gassen werden jetzt enger und sind teilweise auch für den Autoverkehr gesperrt. Das macht es viel gemütlicher und lässt einen besser von vergangenen Zeiten träumen. Parkende und vorbeifahrende Autos verhaften einen eben doch im Hier und Jetzt.

Gassen mit Charme

Gassen mit Charme

Dann sind wir an der Kirchenruine angekommen. Unscheinbar sind ihre alten, bis zum Boden verfallenen Mauern in dem kleinen Grünstück versteckt. Sie wirken fragil und etwas verloren. Wie vergänglich die Dinge doch sind.

Überreste der Dreifaltigkeitskirche (erbaut im 15. Jahrhundert)

Überreste der Dreifaltigkeitskirche (ehemals erbaut im 15. Jahrhundert)

Nach diesem schönen Ausflug in die alte, hölzerne Altstadt von Rauma setzen wir unseren Weg fort nach Tampere, wo uns bald viele rote Backsteine begrüßen. Eine ganz andere Welt. Doch diese Welt muss bis zum nächsten Tag warten. Wir machen es uns erstmal in unserem Apartment gemütlich und genießen die Annehmlichkeiten einer richtigen Wohnung. In Finnland natürlich mit Sauna und, in diesem Fall, auch mit einem dieser vollverglasten Balkone, die uns bei unseren verschiedenen Stadtrundgängen schon aufgefallen sind. Die Finnen wissen eben wie man mit Kälte umgeht.

Wohnen wie die Finnen

Wohnen wie die Finnen

something familiar

Vier Nächte auf demselben Platz, das hatten wir den Urlaub nie. Es war gut, sich Zeit für Helsinki genommen zu haben, aber jetzt wollen wir weiter. Der Kocher allerdings mag bei dem Wind nicht so recht in die Gänge kommen und so verzögert sich das Frühstück etwas. Auch haben wir uns doch im Vorzelt eingerichtet die Tage. So dauert es ein wenig bis alles wieder verstaut ist und wir losfahren können. Auch ein paar Besorgungen stehen noch an, so will etwa das Hundefutter aufgefrischt werden. Es ist bereits Nachmittag als wir dann unser nächstes Ziel Turku ansteuern. Wir wagen es einfach direkt mit dem Auto in die Stadt zu fahren und finden auch prompt einen Parkplatz an der Domkirche. Hier empfängt uns eindrucksvoll Herr Per Brahe, der Gründer der gleich bei dem Dom gelegenen Universität.

Statur von Per Brahe

Statue von Per Brahe

Mikael Olavi Agricola hingegen steht etwas abseits, fast schon unscheinbar am Rand des Doms. Er ist nicht gerade dekorativ von einem Baustellenzaun umgeben. Dabei war er der finnische Reformator und seine Bibelübersetzung das erste gedruckte Buch auf finnischer Sprache.

der finnische Reformator Agricola

der finnische Reformator Agricola

Dann treten wir ein. In diesem aus dem Mittelalter stammenden Dom umgibt einen sofort etwas Vertrautes – ein Sakralbau wie man ihn kennt. Kein Klassizismus, kein Holz, sondern hoch gemauerte Steine, sogar das ein oder andere bunte Glasfenster. Mit einem gut gestalteten Infoflyer ausgestattet, machen wir uns auf die Erkundung des Gebäudes.

Dom von innen

Dom von innen (Hauptchor)

Der Raum erzählt von seiner bewegten Geschichte, seinen verschiedenen Erweiterungen und den vielen Stadtbränden, die er erleiden musste. Während die Wände im vorderen Bereich hauptsächlich weiß sind und hier und da Farbreste zu erkennen lassen, ist der Altarraum ganz ausgemalt. Im oberen Teil greifen zwei Gemälde wichtige kirchengeschichtliche Ereignisse auf: Christianisierung und Reformation in Finnland. Darunter sind Stationen aus dem Leben Jesu abgebildet.

Gemälde im Altarbereich

Gemälde im Altarbereich

Kurz nach diesem ersten Eindruck und Einblick kommt plötzlich eine große Gruppe Touristen. Wir erkunden daher zunächst die Seitenkapellen. Sie sind ganz unterschiedliche gestaltet. Zum Beispiel hebt sich in einer ganz im Gegensatz zum Altarraum sanft und ornamental die rote Farbe von den sonst dunkelweißen Wänden ab.

Seitenschiff

Seitenkapelle

Wir beschließen, das kleine Dommuseum zu besichtigen, das auf einer der beiden Emporen eingerichtet ist, und hoffen, dass danach wieder mehr Ruhe in der Kirche eingekehrt ist. Die kleine Sammlung zeigt die Gegenstände, welche die wechselvolle Geschichte des Doms überstanden haben. In zwei Modellen sieht man, wie sich die ursprüngliche mittelalterliche Kirche zur jetzigen Gestalt verändert hat.

im Vordergrund: der Dom heute, im Hintergrund: der Dom im Mittelalter

im Vordergrund: der Dom heute – im Hintergrund: der Dom im Mittelalter

Es ist ein Sammelsurium unterschiedlicher Dinge von Abendmahlsutensilien über Türgriffe, Kandelaber und Trauerstäben bis hin zu verschiedenen liturgischen Gewändern. Als besonders interessant gestaltet fällt mir ein textil verzierte Schachtel zur Aufbewahrung von Hostienteller und Kelchtuch auf.

Hostien (jh.)

Bursa (Ende 15. Jahrhundert)

Jetzt ist unten im Dom wieder Ruhe eingekehrt. So kehren wir noch einmal zurück, lassen den Raum wirken, hängen unseren Gedanken nach. Dann ist es Zeit zu gehen, die Vierbeiner würden Turku auch gerne erkunden und eine Schnüffeltour durch unternehmen.

Blick zurück zum Kirchturm

Blick zurück zum Kirchturm

quite old and new stones

Nach einem gemütlichen Sonntag mit kleinem Kunst- und Kulturprogramm wollen wir noch einmal in Helsinki auf Erkundungstour gehen: Bei strahlend blauem Himmel machen wir uns daher auf den Weg in Richtung Stadt. Unser Ziel ist die Festung und Inselgruppe Suommenlinna vor den Toren Helsinkis. Wir haben bewusst den Montag für unseren Asflug gewählt und hoffen auf gemäßigten Publikumsverkehr. Am Marktplatz finden wir aber erstmal ein ziemliches Gedräge vor. Es ist Heringsmarkt – wie immer Anfang Oktober in Helsinki. Als wir am Fähranleger ankommen, weist uns die Hinweistafel dauarufhin, dass die nächste Fähre erst in einer halben Stunde fährt. Das Boot ist aber zum Glück bereits ein paar Minuten darauf schon am Anleger. So können wir an Deck auf die Abfahrt warten und haben Zeit die Sonne zu genießen, unsere Blicken über das nahegelegene Freibad schweifen zu lassen (quasi ein riesiger, schwimmender Steg mit Becken) und ein paar lustige Fotos zu machen.

Matrosin Chili

Matrosin Chili

Dann legt das Schiff ab. Das Stadtzentrum rückt ferner. Dom, Riesenrad und Kathedrale liegen nun in einer Linie aufgereiht hinter uns. Deutlich lässt sich der archtiektonische Unterschied zwischen dem Zentrum mit Marktplatz und Dom links und der Halbinsel Katanjokka mit der Kathedrale rechts erkennen.

Blick zurück

Dom – Riesenrad – Kathedrale

Wir passieren verschiedene, kleine vorgelagerte Inseln während wir uns Suomenlinna nähern. Dann sind wir auch schon da. In der Touri-Info holen wir schnell noch eine Übersichtskarte, dann beginnen wir unsere Tour über die Insel, aber wir kommen nicht weit. Im Park an der Kirche machen wir erstmal eine Pause auf einer sonnebeschienen Bank und lassen die übrigen Menschen, die mit uns angekommen sind, sich verlaufen. So können wir dann in Ruhe den Weg beginnen und den blauen Schildern folgen, die die Richtung weisen. Rasch kommen wir zu einer kleinen Brücke und erlaufen eine zweite Insel. Hier sieht es gleich viel mehr nach Festung aus.

Brücke

Brücke und Pier Suomenlinnazentrum

Unter dicken Mauern hindurch kommen wir auf den Hof der Festung und spazieren am Pipers Park vorbei. Dann „erklimmen“ wir die Wälle von Kustaanmiekka. Große Kanonen sind hier aufgestellt und es zeigt sich ein schöner Blick über das Meer, die Felsen der Insel und die Stadt.

Blick zur Stadt

Blick zur Stadt

Ein Stück des Weges über die Wälle ist leider gesperrt. Er muss restauriert werden. Der Untergrund hat begonnen den Menschen nachzugeben, die hier in Massen kommen. So stehen im Blick über die Anlage manchmal auch Baustellenfahrzeuge und aufgeschüttete Erdhügel. Hier und da ist ein Gerüst aufgestellt. Aber es gelingt leicht, das auszublenden.

Wälle von

Wälle von Kustaanmiekka

Hoch oben auf Wällen und Befestigungsanlagen umrunden wir die Ladzunge am südlichen Ende der Insel bis wir zur Königspforte gelangen. Wir passieren sie und suchen nun selbstständig einen Weg zurück. Dabei steuern wir das U-Boot an, das Herr Zweibein schon zuvor erspäht hatte.

U-Boot Vesikko

U-Boot Vesikko

Als wir am U-Boot ankommen, müssen wir feststellen: Es hat seine Saison gestern beendet. Wir können es also nicht mehr besichtigen. Eine Infotafel gibt aber einen kleinen Überblick über seine Geschichte und seine Eckdaten. Ein paar Schritte weiter und wir sind wieder an der Brücke angekommen, die die beiden Inseln verbindet. Hinter ihr erhebt sich die Kirche, in deren Park wir ein kleines Päuschen eingelegt haben.

Blick zur Suomenlinna-Kirche

Blick zur Kirche von Suomenlinna

Auf einem kleinen Steg unweit der Brücke machen wir erneut eine Sonnenpause. Die warmen Strahlen müssen genutzt werden – aber vor allem fährt die nächste Fähre erst in einer dreiviertel Stunde und da warten wir gerne in der Sonne auf dem Wasser. Dann treffen wir und die Fähre am Anleger ein. So eine Inselerkundung macht ganz schön müde, die Hunde verschlafen die Überfahrt.

Dösen an Deck

müder Matrose

Wieder an Land angekommen, steuern wir die Straßenbahnhaltestelle an. Wir wollen noch eine ungewöhnliche Kirche besuchen. Und in der Tat: Als wir uns der Kirche nähern, erkennen wir sie nur, weil wir wissen, dass wir gerade auf sie zulaufen. Doch wo ist der Eingang?

zur Temppeliaukkio-Kirche

zur Temppeliaukkio-Kirche

Der Eingang zeigt sich uns, als wir einmal um die Kirche, beziehungsweise den Felshügel herum sind. Außer dem Aushangkasten, der rechter Hand etwas entfernt steht, erinnert auch jetzt noch nicht viel an eine Kirche. Wäre der Eingang etwas schmaler, könnte er genauso gut zu einer Tiefgarage führen.

unscheinbarer Kircheneingang

unscheinbarer Kircheneingang

Doch dann betrete ich einen wunderschönen Kirchenraum. Die Naturbelassenheit des Raumes spricht mich sofort an – insofern man eben bei einer in den Felsen gesprengten Kirche von „naturbelassen“ sprechen kann. Es ist ruhig hier. Im Hintergrund spielt leise Klaviermusik. Licht flutet von oben den Raum. Der nackte Fels erinnert an eine Höhle. Man braucht gar nicht viel um Atmosphäre zu schaffen, denke ich, und Herr Zweibein pflichtet mir bei, nachdem er die Kirche auch besichtigen konnte.

ein bisschen wie eine Höhle - das Innere der Temppeliaukkio-Kirche

ein bisschen wie eine Höhle – das Innere der Temppeliaukkio-Kirche

city flair

Als wir den Tag beginnen, glänzen das bunte Herbstlaub der Bäume um uns und die Fenster der Wohnblocks neben uns. Wir sind auf einem Campingplatz in Helsinki. Hier haben wir am Tag zuvor am frühen Abend eingecheckt. Jetzt steht Stadterkundung auf dem Programm und so steuern wir die nahegelegene Metro an. Sie spuckt uns am Bahnhof aus, wo wir wieder ins Tageslicht aufsteigen.

am Bahnhofsplatz

am Bahnhofsplatz

Herr Zweibein, der sich hier schon etwas auskennt, führt uns zielsicher zum Senatsplatz. Hier empfängt uns der Dom, der erhaben über dem Platz thront, etwas verhalten: Er hat seine linke Seite in weiß gehüllt. Mit sehr viel Fantasie hat das etwas von einem unvollendeten Christo, ohne ist es einfach nur eine Baustelle.

Senatsplatz, lutherischer Dom

Senatsplatz, lutherischer Dom

Wir steigen die Treppen hinauf und ich trete ein. Herr Zweibein wartet derweil mit den Vierbeinern draußen. Mich empfängt ein großer, hallenartiger Raum. In der Mitte, wo Längs- und Querschiff aufeinander treffen, stehen große Skulpturen: Luther – Melanchton – Agricola (finn. Reformator). Den vierten Platz nimmt die Kanzel ein – laut Reiseführer ein sehr ansehnliches Exemplar, nach meinem Geschmack ziemlich überdimensioniert und nicht gerade hübsch.

Luther im luther. Dom

Luther im luther. Dom

Während nun Herr Zweibein das Innere des Doms erforscht, sitze ich auf den Stufen zum Dom, genieße die Sonnenstrahlen und lasse meinen Blick schweifen: Vor mir liegen spiegelbildlich das Regierungpalais und gegenüber die Universität. Hinter den Dächern der Häuser kann man Schiffsdächer sich abzeichnen sehen.

Blick über den Senatsplatz (links: Regierungsapalais)

Blick über den Senatsplatz (links: Regierungsapalais)

Wir steuern den Marktplatz an. Hier herrscht reges Treiben: Möwen kreischen, vor dem Fähranleger zur Suomenlinna-Festung hat sich eine lange Schlange gebildet. Obst und Gemüse, meist aus Finnland, wollen den Besitzer wechseln, ebenso allerhand Andenken von schöner Handarbeit bis Ramsch. An Ständen mit Lappland-Andenken vorbeizulaufen fühlt sich komisch an an diesem sonnigen Herbsttag im maritimen Süden und in der großen Stadt. Wir lassen den Markt hinter uns und legen eine kleine Pause am daneben gelegenen Wasserbasin ein. Während wir die Beine baumeln lassen, schauen wir im Reiseführer nach, wo wir nun weiter hinwollen.

Am Marktplatz

Am Marktplatz

Nichtsahnend habe ich im Vorhinein gerade das Stadtviertel näher ins Auge gefasst, in dem Herr Zweibein vor einem knappen Jahr seine Unterkunft während einer Messe in Helsinki hatte. Auf einer Brücke setzen wir auf die Halbinsel über und steuern auf die Uspenski-Kathedrale zu.

Uspenski-Kathedrale im Stadtteil Katajanokka

Uspenski-Kathedrale im Stadtteil Katajanokka

Wie schon im lutherischen Dom ist es schwer in der Masse der Touristen die Stimmung in der Kirche zu erfassen. Ich frage nach Gottesdienstzeiten – beide leider für uns recht ungünstig. Ich setze mich und lasse meinen Blick immer wieder zu der reich verzierten Kuppel schweifen. Sie hat etwas gen Himmel weisendes – viel mehr als die Ikonostasenwand, die auf mich immer mehr wie eine Trennwand wirkt.

Kuppel der Uspenski-Kathedrale

Kuppel der Uspenski-Kathedrale

Von dem Platz vor der Kathedrale hat man einen schönen Blick über das Helsinkier Zentrum und vor allem auch auf den Dom. Irgendwie hat das etwas Symbolisches vom Wahrzeichen einer Konfession zu dem der anderen zu blicken.

Blick über Helsinkis Zentrum und zum Dom

Blick über Helsinkis Zentrum und zum Dom

Nun wollen wir die Halbinsel umrunden und Herr Zweibein erinnert sich: Ganz nah bei der Kathedrale war doch ein kleiner Hundeauslauf. Auf diesen steuern wir nun zu und machen die Leinen los. Die Hunde finden das richtig gut: Nach all den Eindrücken einfach mal die Sau rauslassen, raufen und toben. Prima!

glücklich im Hundeauslauf

glücklich im Hundeauslauf

Dann passieren wir den Fähranleger der Vikingline und kommen schließlich in einem kleinen Park direkt am Wasser an. Hier kann man mit schönen Blicken auf die gegenüberliegenden Ufer den Weg entlangschlendern. Das maritime Flair tut der „kleinen“ Großstadt gut. Zumindest erhält die an den Ufern entlang gezogene und auf verschiedene Insel verteilte Stadt dadurch eine gewisse Weite.

maritimes Flair

maritimes Flair

Schon nähern wir uns dem Ende unserer Inselumrundung und kommen vorbei an verschiedenen Schiffen. Wir brauchen kurz um sie als Eisbrecher identifizieren zu können. Dafür betrachtet Herr Zweibein sie dann umso genauer.

Eisbrecher im sonnigen Herbst

Eisbrecher im sonnigen Herbst

Jetzt erreichen wir den Hafen, den wir von der Brücke zur Halbinsel schon gesehen haben. Wir passieren das Kasino und teure Yachten. In der Sonne trinken wir bei böigem Wind noch einen Kaffee. Dann ist es Zeit um den Rückweg zum Campingplatz anzutreten.

Booet im Hafen

Boote im Hafen (links: Kasino Helsinki)

Auf dem Markt nehmen wir ein paar Pilze für das Abendessen und rote, kleine Äpfel mit. Dann huschen wir in eine alte, gemütliche Tram. Sie bringt uns zum Bahnhof und damit zu einer Station der einlinigen Metro. Den Nachmittag und beginnenden Abend verbringen wir gemütlich. Schließlich ist Samstag und wir wollen nochmal in die Stadt fahren, um ein wenig von Helsinkis Nachtleben mitzubekommen.

unknown worlds

Nach zwei Tagen nordkarelischer Natur ist unser Interesse an diesem Landstrich endgültig geweckt und wir steuern das Carelicum, das Zentrum für nordkarelische Kultur, in Joensuu an. Hier gibt es unter anderem ein Museum, das die Besucher mitnimmt auf die verschlungenen Wege Nordkareliens.

im Carelicum

im Carelicum

Es sind keine leichten Wege, auf die wir hier mitgenommen werden. Wir lernen einen Volksstamm kennen, der der Natur so einiges abtrotzten musste und unentwegt zwischen Großmächten hin und her geworfen wurde. Das Museum arbeitet nicht nur mit geschriebenen Informationen, sondern versucht alle Sinne anzusprechen und Emotionen zu wecken. So gibt es Videomaterial, gesprochene Zeitzeugenberichte (- auf Finnisch), Musik zum Anhören. Als ich später die Fotos sortiere, fällt mir auf: Zur Wirkung trägt auch viel die hier ausgestellte Kleidung bei.

traditionelle Kleidung

traditionelle Frauenkleidung

liturgische Gewänder der orthodoxen Kirche

liturgische Gewänder der orthodoxen Kirche

Outfit passend zum Ilosaari Rockmusikfestival

Outfit passend zum Ilosaari Rockmusikfestival

Am nächsten Morgen erwachen wir dann nicht im Schlafsack auf Isomatten, sondern in Bettdecken und auf bequemer Matratze. Der Platzbetreiber hatte uns ein gutes Angebot gemacht und so hatten wir uns am Abend gegen einen bloßen Stellplatz und für das Apartment entschieden. Nach vielen Wochen haben wir so ein Sofa und eine richtige Küche nur für uns. Das Highlight des Abends war aber die Sauna: Wellness nach zwei Tagen Wildnis.

Nun wollen wir unbedingt mehr Einblick in die orthodoxe Kirche in Finnland bekommen. Der Besuch in der Kathedrale in Kuopio und im Carelicum haben unsere Neugier noch nicht gestillt, sondern gerade erst geweckt. Wir steuern das Kloster Uusi Vasamo an, wo wir von Hinweisschildern zur richtigen Kleidung und dem richtigen Verhalten, sowie den Gästegebäuden empfangen werden. Dann treten wir in den eigentlichen Klosterbereich an. Ruhe herrscht hier – selbst im Servicezentrum, das wir zunächst aufsuchen um nähere Info zu finden.

Hauptkirche des Valamo Klosters

Hauptkirche des Valamo Klosters

Dieheiligen Gründer des Klosters: Sergij und Herman

Die heiligen Gründer des Klosters: Sergij und Herman

Wir beginnen unseren Rundgang beim Herzstück des Klosters – der Hauptkirche im nordisch-byzantinischen Baustil. Als wir sie betreten, empfängt uns in einem Vorraum ein Ständer mit einem Infohefter, der kurz in die orthodoxe Welt einführt und sowohl das Verhalten in der Kirche und während eines Gottesdienstes, als auch die Ikonen in der Kirche näher erläutert. Dann treten wir ein.

in der Kirche

in der Klosterkirche

Nachdem wir den Raum, seine vielen Bilder und die dadurch seltsam bewegte Stille länger auf uns haben wirken lassen, erkunden wir die restliche Klosteranlage. Eine besondere Stimmung liegt auf ihr. Unser Weg führt uns vorbei an der ehemaligen Kirche, die allerdings verschlossen ist, zu einem Bootsanleger. Eine kleine, hölzerne Kapelle empfängt hier die Besucher.

Kapelle des Heiligen Nikolaus

Kapelle des Heiligen Nikolaus

die MS Sergei - natürlich darf auch hier eine Ikone nicht fehlen

die MS Sergei – natürlich darf auch hier eine Ikone nicht fehlen

Um das Klosterareal erkundet zu haben, dürfen wir natürlich das Café-Restaurant nicht auslassen. Also kehren wir ein. Die Räumlichkeiten fügen sich in der inneren Gestaltung gut in das Kloster-Ensemble ein. Auch hier wirkt alles etwas leiser als sonst.

Kaffee im Café-Restaurant Trapesa

Kaffee im Café-Restaurant Trapesa

Nun verlassen wir das Kloster wieder und fahren den Friedhof an, der auf der anderen Seite des Sees liegt. Der Waldfriedhof ist von Holzbaukunst geprägt. Die dem Heiligen Herman von Alaska geweihte Kapelle, die meisten Grabmale, die Überdachung eines Brunnens – alles ist aus Holz. So fügt sich der Friedhof nahtlos in den ihn umgebenden Wald ein.

Friedhof

Friedhof

A nebulous and misty forest

Gut gelaunt laufen wir am Montagmorgen los auf den Herajärven Kjerros (Herajärvi Trail). Wir haben Proviant für 2,5 Tage eingepackt und sind gespannt, was der Weg bringen mag. Wir haben verschiedene Schlafplatzoptionen im Hinterkopf. Ruhig und verschlafen, etwas neblig liegt der Wald vor uns, als wir unsere Tour beginnen.

Beginn des Herajärvi-Trail

Beginn des Herajärvi-Trail – das Tor zu einer anderen Welt

Wir laufen vorbei an Tannen, mossbedecktem Waldboden, ein paar orange verfärbten Birken. Je weiter wir in das Waldgebiet dringen, desto tiefer und dichter umgibt uns der morgendliche Nebel. Er gibt allem einen Hauch des Unwirklichen, Nebulösen. Er macht aus dem Wald einen besonderen Ort. Und auch die nebligen Lichtungen die wir passieren, scheinen wie aus einer anderen Welt.

neblige Lichtung

neblige Lichtung

Der Weg verläuft als schmaler Pfad. Für kurze Strecken führt er eben über weich-federnden Waldboden, aber meist ist der Weg von Steinen und Wurzeln durchzogen. Sie erschweren das Vorankommen. Denn durch die hohe Luftfeuchtigkeit sind sie nass und rutschig. Man muss gut Acht geben, wohin man tritt. Der Weg erklimmt immer wieder kleine Anhöhen und führt dann wieder steil hinab. Das viele Moos, das hier wächst, freut sich indes über das feuchte Klima: Es hat sich mit dem Wasser vollgesaugt und liegt in kräftigen Farben neben uns. Immer wieder staune ich über den Artenreichtum.

im Märchenwald

im Märchenwald

Auf einer etwas längeren Anhöhe passieren wir auf rutschigen Planken eine großes Moorgebiet. Die ersten 8 Kilometer liegen nun hinter uns und wir pausieren an einer überdachten Feuerstelle. Das Feuer will nicht richtig anziehen, aber wir können wenigstens unsere nasse Kleidung ausziehen und etwas auslüften.

auf Planken zum Rastplatz Ryläys

auf Planken zum Rastplatz Ryläys

Dann gehen wir weiter. Wir passieren einen Aussichtsturm und lassen ihn links liegen. Es ist nichts zu sehen als Nebel. Die anfängliche Freude über diesen mystischen Hauch auf dem Wald trübt sich. Denn für keinen einzigen der steilen, rutschigen An- und Abstiege wird man mit Aussicht belohnt. Unter einem schwimmt nur Nebel – und wenn man nicht aufpasst, schwimmen die Füße auf den nackten Felsen, über die der Weg immer wieder führt. Als wir weitere 10 km später in Kiviniemi ankommen, ändern wir daher unsere losen Pläne: Wir werden nur den nördlichen Herajärvi-Trail laufen und hier übernachten. Der Platz hier ist ansprechend, und etwas abseits gibt es sogar ein Saunahäuschen. Hier möchten wir gerne den Nachmittag und Abend verbringen – es kommt ja nicht nur darauf Kilometer auf den Zähler zu bringen, sondern auch einfach Zeit in der Natur zu verbringen.

open shelter in Kiviniemi

open shelter in Kiviniemi

Wir bringen erstmal unsere Rucksäcke in das Shelter. Dann säge und hacke ich eine erste Fure Holz, damit wir das Feuer in der Mitte des Shelters, das gerade als wir an der Hütte angekommen sind zwei finnische Teenager angemacht haben, am Leben erhalten können und es warm und gemütlich haben. Dann schnappen wir die beiden Bierdosen und Gemüsechips, die wir für einen netten Abend eingepackt haben und steuern das Saunahüttchen an. Das Bier stelle ich erstmal im See kalt, während Herr Zweibein Holz für den Saunaofen zurecht macht.

so kann man Bier auch kühlen

so kann man Bier auch kühlen

Nach unserer „original“ finnischen Sauna mit Bier – die Kombination steht bei Finnen sehr hoch im Kurs – kehren wir zu unserem Nachtlager zurück. Aus der Glut ist schnell wieder ein Feuer entfacht. Und so kochen wir im Schein der Feuers und einer in der Saunahütte gefundenen Kerze unser vorbereitetes Essen und schlafen schließlich mit Blick auf knisterndes Feuer ein.

Am Feuer

Am Feuer

Da wir das Feuer die Nacht über am Leben erhalten, erwachen wir am Morgen, wie wir eingeschlafen sind: Mit Blick auf das Lagerfeuer und dem Knacken von Holz im Ohr. Wir starten gemütlich in den Tag – durch die Planänderung haben wir es nicht eilig.

Blick in das Shelter

Blick in das Shelter

Dann ziehen wir los – und müssen nach ein paar Metern laufen auch schon den See überqueren. Dafür liegt hier ein kleines Boot an einem Seil, das man zu sich her ziehen kann. Der Steg zum Boot ist voller Jugendlicher: Netterweise lässt der Gruppenleiter uns vor. Auf dem Boot erfahren wir, dass die Jugendlichen ein deutsch-finnischer Austausch ist. Ein tolles Schulprojekt, denke ich.

mit Seilbootfähre über den See

mit Seilbootfähre über den See

Wir laufen zunächst am Seeufer durch lichten Birkenwald, dann kommen wir wieder in dichteren Mischwald. Es ist neblig wie am Vortag, jedoch ein klein wenig lichter – aber vielleicht sagen uns das auch unsere Motivation und unser Optimismus. Neben uns zieren Spinnweben die Bäume, als nasse Dekorationsfäden hängen sie im Nebel.

nasse Spinnweben

nasse Spinnweben

Dann haben wir den Platz erreicht, den wir eigentlich als erste mögliche Übernachtungsstelle ins Auge gefasst hatten. Wir sind froh die Nacht in Kiviniemi verbracht zu haben – auch, wenn es hier am See auch nett ist. Wir machen etwas abseits der Feuerstelle eine kleine Rast. Die Feuerstelle ist von dem Teil der Jugendgruppe besetzt, die mit dem Kanu übergesetzt ist. Dann treffen auch die Jugendlichen ein, die hinter uns gewandert sind. Herr und Frau Vierpfote verfolgen das rege Treiben natürlich interessiert.

Am Rastplatz Lakkala

Am Rastplatz Lakkala

Wir ziehen weiter und passieren zunächst einige Sumpfgebiete auf Planken. Hier kommen wir nur langsam vorwärts, denn die nassen Planken sind teilweise morsch und durchgehend rutschig. Die Hunde hinter uns laufend tasten sich unsere Füße vorwärts und probieren aus, welche Trittart am meisten Trittsicherheit gewährleistet. Die Augen staunen derweil über das satte Grün der unterschiedlichen Moos- und Flechtenarten, die hier wachsen.

Grüne Pflanzenpracht im Sumpfgebiet

Grüne Pflanzenpracht im Sumpfgebiet

Dann führt der Weg wieder auf eine Anhöhe. Eine Lichtung taucht vor uns im Nebel auf. Große Birken stehen hier, einige niedrige Büsche und wie wahllos hingeworfen mossbewachsene Steine. Große und Kleine. Die Lichtung hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Man wartet geradezu darauf hier Irrlichtern und Elfen zu begegnen oder von Tom Bombadil auf einen Kaffee eingeladen zu werden.

Lichtung

Lichtung

Kurz darauf biegen wir vom offiziellen Weg ab und folgen einem kleinen Rundweg, der unter anderem zur Pirunkirkko führt: Ich verstehe nur Kirche (kirkko) und würde eine Kirche mitten in dieser Natur zu gerne besichtigen. Der Weg führt an einem verträumten See vorbei von einer Waldseite zur anderen. Ganz ruhig ist es hier. Keine Tiere sind zu hören, keine Wind. Stille umgibt uns. Der Wald schreibt seine eigene Zeit. Hier im „Regenwald, in dem jemand die Heizung ausgeschalten hat“ herrscht ein ganz eigenes Tempo – oder auch Nicht-Tempo.

t81b07

Waldsee

Der Weg führt die nächste Anhöhe hinauf zu einer Lichtung ähnlich der ersten. Hier gibt es aber eine Feuerstelle, eine mietbare Hütte und eine kleine Schutzhütte. Wie legen nochmal eine Rast ein. Es ist Mittagszeit. Während wir eine Kleinigkeit kochen, ruhen sich die Hunde aus. Sie sind müde. Auch ihnen macht die Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Sie stürzen sich nur so auf jede Wasserstelle, die wir passieren. Da Frau Zweibein am liebsten mit erhöhtem Kopf liegt, krallt sie sich meine Füße als Kopfkissen – ein praktisches Heizkissen. Sowieso entwickelt sie sich zu einer guten Wanderbegleiterin und reicht mir nach jeder Pause den umgefallenen Wanderstock, so dass ich mich mit dem schweren Rucksack nicht bücken muss.

Mittagspause

müde Krieger

Während wir gekocht haben, hat es draußen zu regnen begonnen. Wir packen daher bevor wir weiterziehen alles sicher in unsere Rucksäcke und ziehen ihnen den Regenschutz über. Dann erreichen wir die „Pirunkirkko“. Ich sage noch: „Sollen wir uns die Infotafel zuerst durchlesen?“. Doch wir sind zu neugierig und denken uns „die können wir auch später noch lesen“. Allerdings finden wir keine Kirche. Steile Treppen führen uns nur zu Felsen auf halber Höhe einer Steilwand. Wir kehren also doch zur Infotafel zurück: Die „Kirche“ entpuppt sich als Höhle, die im Volksmund „Teufelskirche“ genannt wird. Höhlenbesichtigung mit Hunden und großen Rucksäcken ist allerdings nicht nach unserem Geschmack. Wir ziehen also weiter. Wieder über denselben Bergrücken zurück zum eigentlichen Weg: 9 Kilometer liegen noch vor uns, bis wir das Auto erreichen. 9 Kilometer durch Nebel, über Wurzel und Steine, runter und hoch, wieder runter und hoch. 9 Kilometer an Aussichtsfelsen vorbei, unter denen sich nur Nebel erstreckt. Uns fehlt der Weitblick. Dann haben wir es geschafft: 38 Kilometer und zwei Tage in dieser unwirklichen, nebelbehafteten Welt liegen hinter uns. Jetzt heißt es wieder Ankommen im Hier und Jetzt.

 

eastern feeling

Rückblick: Als wir morgens aufwachen, ist die Stimmung etwas trüb. Wir haben den Wecker verschlafen. Auch Herr Vierbein bereitet uns Sorgen: Er verweigert sein Fressen. Also starten wir nicht zu einer Zwei-‚Tages-Tour. Trotzdem steuern wir den Nationalpark an, in dem wir eigentlich wandern wollten – man kann dort ja auch kürzere Wege gehen. Doch als wir dort ankommen, ist gerade ein Trailrunning-Event. Mensch und Hund nicht ganz fit und dann durch den Trubel laufen? Das muss nicht sein. Wir ändern unsere Pläne: Statt Wanderung fahren wir in die nächste größere Stadt, mieten uns ein Hostel-Zimmer und entspannen im Warmen in echten Betten. In der Nacht ist irgendetwas komisch: Ich fühle mich zu jung, um auf einen Flur zu schlurfen und partylaunige, junge Menschen um Ruhe zu bitten…

Den nächsten Tag beginnen wir genauso gemütlich wie wir den Vortag beschlossen haben. Dann machen wir uns gut erholt daran Kuopio zu entdecken. Wir steuern die Innenstadt an und gelangen recht schnell an den Marktplatz. Auf der einen Seite eine Markthalle, auf der anderen das Rathaus und drum herum verschiedene Kaufhäuser. Und auch unter dem Marktplatz findet sich nicht nur eine Tiefgarage, sondern ebenso Geschäfte und Restaurants.

Markthalle

an der Markthalle von Kuopio

Wir laufen weiter zum lutherischen Dom, dem wir uns von der Hinterseite nähern. Die Außenfassade des Baus ist sehr interessant gestaltet. Die Kreuzachse der Kirche ungewöhnlich stark ausgeprägt.

wir nähern uns dem lutherischen Dom

wir nähern uns dem lutherischen Dom

Als wir die Kirche betreten, sind wir von Schlichtheit der Kirche überrascht. Alles ist vor allem in Weiß gehalten, ein paar goldene Verzierungen heben sich ab. Trotz der kreuzförmigen Architektur ist alles auf Altar und Kanzel konzentriert. Als wir den Dom verlassen, stehen wir in gerader Achse zu einem Park. Er ist erstaunlich bunt für die Jahreszeit.

der Snellmann-Park

der Snellmann-Park

Durch den Park schlendern wir zum Passagierhafen. Hier liegen verschiedene Ausflugs- und Restaurantschiffe ruhig auf dem Wasser. In einem Boot sind die Tische noch eingedeckt, die Gläser nicht ganz ausgetrunken. Gestern muss hier eine große Feier stattgefunden haben.

Boot im Hafen

Boot im Hafen

Dann laufen wir weiter zur orthodoxen Kathedrale St. Nikolai. Wir sind neugierig auf den orthodoxen Glauben hier in Finnland. Wenn auch zahlenmäßig nur wenige Orthodoxe hier leben, prägen die Einflüsse doch die Region. Die Kathedrale ist Sitz des einzigen Metropoliten in ganz Finnland – wir hatten sie uns größer vorgestellt.

St.-Nikolaus Kathedrale

St.-Nikolaus Kathedrale

Als wir die Kirche betreten, schlägt uns der Geruch von Weihrauch entgegen. Wir werden ausgesprochen freundlich empfangen und sofort mit Informationsmaterial und Postkarte versorgen. Freundlich werden wir gebeten uns umzusehen. Es ist eindrücklich, wie sehr sich die innere Gestaltung der Kirche von der aus evangelischen oder katholischen Kirchen gewohnten unterscheidet. Als ich nachfrage, ob ich ein Foto machen dürfe, wird das Licht extra kamerafreundlich heruntergeregelt.

Ikonostase in der Kirche

Ikonostase in der Kirche

Da weder das Freilichtmuseum noch das orthodoxe Kirchenmuseum heute geöffnet haben, nutzen wir die Zeit in der Stadt noch für einen Café-Besuch. Das Café war uns zu Anfang unserer Tour gleich aufgefallen. Es ist extrem gemütlich eingerichtet, der Kaffee schmeckt vorzüglich. Ich hatte nicht gewusst, welch grandiosen Milchschaum man aus Hafermilch zaubern kann.

im Café

im Café

Dann fahren wir zum Koli-Nationalpark und damit Richtung Nordkarelien. Hier wollen wir die nächsten Tage wandern gehen. Am Parkplatz angekommen drehe ich mit den Hunden eine gemütliche Abendrunde in dem märchenhaften Wald: Schweigend liegt er in Nebel gehüllt rechts und links des Weges. Der Boden unter den Tannen ist moosbewachsen, ein paar bunte Birken und einige Findlinge haben sich dazwischen verirrt. Als ich eine Natursteintreppe hinaufteige warte ich nur darauf, dass Rotkäppchen vor mir den Weg passiert und frage mich, welche Märchenfiguren für die Gegend wohl typisch sind. Ich freue mich auf den nächsten Tag und darauf, länger an diesem Ort zu verweilen. Da kann mir auch der sehr mäßige Wetterbericht die Vorfreude nicht verderben.

just a little city

Auf unserem Weg zu dem angesteuerten Nationalpark, wollen wir natürlich nicht nur die Kilometer hinter uns bringen, sondern auch etwas „mitnehmen“ – der Weg ist schließlich das Ziel. Daher planen wir einen Halt in dem Städtchen Kajaani ein. Die Beschreibung im Reiseführer klang nach einer netten, übersichtlichen Stadtbesichtigung. Es ist nicht gerade warm an diesem Vormittag als wir durch das überschaubare Zentrum laufen. (Auch, wenn manche Finnen das durchaus anders sehen, und nur mit einem T-Shirt bekleidet sind).

Altes Rathaus in Kajaani

Altes Rathaus in Kajaani

Vom alten Rathaus biegen wir nach rechts ein und kommen schnell zu der kleinen Insel Linnasaari, auf der die Ruine der Kajaaninlinna steht. Mitten über die Insel führt eine Straße. Wir wundern uns. Später lesen wir auf einer Infotafel, dass über die Insel schon seit langer Zeit eine Brücke führt, um beide Stadtteile miteinander zu verbinden.

Burgruine Kajaaninlinna auf der Insel Linnasaari

Burgruine Kajaaninlinna auf der Insel Linnasaari

Dann laufen wir in einer Schleife Richtung Kirche. Man muss sich erst gewöhnen an Finnland. Es ist ganz anders hier als Norwegen – gerade, was Baulichkeiten betrifft. Während in Norwegen alles adrett gerichtet war, wirkt hier alles eher funktional und sehr schlicht. Die russischen Einflüsse auf Finnland sind nicht zu übersehen. Die Kirche jedoch ist auffällig aufwändig gestaltet und erweckt sofort unsere Aufmerksamkeit.

evangelische Kirche (1896)

evangelische Kirche in Kajaani (1896)

Als wir vorsichtig an der Türe ziehen, freuen wir uns: Sie hat tatsächlich geöffnet! Wir treten ein und finden im Vorraum einen kurzen Infotext auf richtig gutem Deutsch. So ausgerüstet machen wir uns an die Erkundung der Kirche, die im Innenraum fortsetzt, was das Äußere kennzeichnet.

Kirche in Kajaani, Innenraum

Kirche in Kajaani, Innenraum

Besonders springen uns die Gemälde hier ins Auge. Das Altarbild zeigt weder Kreuzigung, noch Auferstehung, sondern, wie Jesus dem im Glauben schwankenden und im Wasser unterzugehen drohenden Petrus die Hand reicht und ihm hilft. Eine Osterszene, die wohl einst Altarbild war, ziert nun die rechte Empore, während die Kreuzigung auf der linken Empore zu finden ist. Ein interessantes Ensemble.

Altarbild

Altarbild

Als wir die Kirche verlassen, verwechseln wir eine Gebetsanliegenbox mit einer Spendenbox. Wir bemerken es zwei Sekunden „zu spät“. Dieses Finnisch ist einfach so unverständlich. Einen Café-Besuch später sitzen wir auch schon wieder im Auto auf dem Weg weiter Richtung Süden. Das Wetter und die eigene Gesundheit meinen es gerade nur ein bisschen gut mit uns. Wir wollen trotzdem wandern gehen, denn morgen sieht die Welt bekanntlich ja schon wieder ganz anders aus.